AfD – Die Partei der Gebildeten?

VI Die AfD – die Partei der Gebildeten? Nichts weniger als das!
Die AfD steht auf Kriegsfuß mit freien Wissenschaften, Medien und Demokratie

Stolz präsentiert die AfD mit Bernd Lucke einen leibhaftigen Professor an ihrer Spitze. Nach dem Motto: der ist schließlich Wissenschaftler, der muss es wissen. Was die AfD wirklich von der Einmischung der Wissenschaftler in die Politik hält, gibt Parteipropagandist Konrad Adam zum besten. In seinem Essay “Das machtlose Parlament – ohne Gemeinwohl: Experten, Räte, Meinungsmacher umgehen die Verfassung” (Die Welt, 2. Juni 2001) wirft Adam Wissenschaftler und Lobbyisten ebenso fröhlich wie undifferenziert in einen Topf, dass es zum Haaresträuben ist. Die würden nämlich schlauerweise nicht die Verfassung brechen, sondern umgehen. Seine Forderung: Politiker müssen vollkommen unabhängig entscheiden. Der Politiker muss wieder Politiker sein. Hier eine Kostprobe:

Deswegen ist es nicht sehr aussichtsreich, darauf zu hoffen, dass politische Entscheidungen dadurch an Qualität gewinnen, dass man sie an Leute ausliefert, deren Sachkunde nur die Kehrseite ihrer Voreingenommenheit ist. Ein Unternehmer setzt nun einmal auf Gewinn, den Wissenschaftler reizt die Neuigkeit, die Medien sind auf Sensationen aus: lauter legitime, aber eng begrenzte Interessen; und sicher keine, die von vornherein mit dem zusammenfallen, was in der altmodischen Sprache der Politik das Gemeinwohl heißt. (http://www.welt.de/print-welt/article454794/Das-machtlose-Parlament.html)

 

Soll es nichts anderes geben als “die Neuigkeit”, was den Wissenschaftler reizt? Herr Adam, welche Ahnung haben Sie von Wissenschaft? Und die Medien reizt nur die Sensation? Dann beschränken wir doch gleich die Pressefreiheit! Adam muss es schließlich wissen, er ist nämlich selbst Medienvertreter. Und der böse Unternehmer, hier bedient Adam um der Publikumswirksamkeit willen einen beliebten Allgemeinplatz, ist natürlich nur auf seinen Gewinn aus. Ja, lieber Herr Adam, was passiert denn, wenn die Unternehmer keinen Gewinn mehr machen? Dann machen sie ihre Bude zu. Und dann haben wir wieder eine Menge unnützer Arbeitsloser, denen man das Wahlrecht entziehen muss.

Der Wissenschaftler, der aufgrund seines Wissens Einspruch erhebt, die Medien, die von der Pressefreiheit gebrauch machen, der Unternehmer, der vernünftig wirtschaften will – alles potentielle Feinde der Verfassung? Was ich hier am problematischsten finde, ist der Umgang mit den Wissenschaftlern und den Medien. Denn die Demokratie lebt von der Einspruchsmöglichkeit dieser beiden Gruppen. Der Seitenhieb auf die Unternehmer hingegen dürfte nur wieder ein wohlfeiles Ablenkungsmanöver sein wie bereits in seinem unsäglichen Essay über das Wahlrecht.

Staunend nimmt der Leser diese vermeintlich geistreichen Ergüsse zur Kenntnis. Denn offenbar glaubt Herr Adam, ein Politiker könne, einfach nur so, weil er eben Politiker ist, über alles Bescheid wissen. Und vor allen Dingen sei der Politiker als Politiker nur am Gemeinwohl interessiert. Das zeigt sich dann, wie wir alle wissen, an der regelmäßigen Diätenerhöhung und den unzählbaren Korruptionsfällen. Es sind jene Damen und Herren, die sich als gefälschten Nachweis ihrer wissenschaftlichen Ausbildung einen Doktortitel ergaunert haben, während die echten Wissenschaftler als akademisches Proletariat auf der Straße sitzen.

Wozu braucht diese selbsternannte “Elite” schon “voreingenommene” Experten, die sie mit ihren wissenschaftlichen Analysen zu den möglichen Konsequenzen falscher Entscheidungen sowieso nur nerven? Einfach so, frisch und frei Gesetze erlassen, das macht Spaß, da fühlt man sich wie ein absolutistischer Fürst! Und die Folgen – nun ja, die wird man dann ja sehen. Hauptsache, man ist nicht selbst betroffen.

Die Geringschätzung des Wissenschaftlers und des Intellektuellen allgemein ist ein typisches Kennzeichen  aller Diktatoren. Grund: sie haben Angst. Denn die gefürchteten Intellektuellen könnten ihnen ihre Sünden auf den Kopf zusagen. Noch schlimmer: sie zur Rechenschaft ziehen. Daher suchen alle Diktatoren ihr Heil in geistigem Rückschritt, in Unkultur und geistiger Trägheit ihrer Landsleute, genannt: Loyalität. Schließlich brauchen sie keine mündigen Bürger – sondern Untertanen.

Anmerkung: Herr Adam ist 1942 geboren. Damit ist er im strammen Rentenalter von 71 Jahren. Zeit, dass ihm das Wahlrecht entzogen wird. Und am besten gleich der Computer, an dem er seine hetzerischen “Essays” schreibt.

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