Christenverfolgung

In unserer Regionalzeitung schreiben regelmäßig irgendwelche Typen hasserfüllte Leserbriefe gegen das Christentum. Frei nach dem Motto: „Christenverfolgung ist eine gute Sache, weil die Christen endlich das abbekommen, was sie verdienen. Rottet sie endlich aus!“ Selbst wenn die Saarbrücker Zeitung nicht gerade ein Medienriese ist, sind doch auch solche regionalen (Käse-)Blättchen nicht zu unterschätzen, weil sie nichtsdestoweniger die Meinung einer ganzen Region bilden. Nachdem ich einige Zeit abgewartet hatte, entschloss ich mich daher zu reagieren. Denn eine Zuschrift -habe ich mir einmal sagen lassen- gilt für 10.000. Vorige Woche habe ich geschrieben, bisher ist der Leserbrief noch nicht erschienen. Ich rechne allerdings auch nicht damit ….

Ich finde, dass wir uns einfach aufraffen und zeigen müssen, dass wir noch da sind. Und dass man mit uns zu rechnen hat.

 

Haben die Christen ihre Verfolgung verdient? Leserbrief an „Saarbrücker Zeitung“ vom 12.01.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bisher habe ich – wie vielleicht die meisten Leser – davon abgesehen, auf die christenfeindlichen Ergüsse gewisser Leute, wahrscheinlich älterer Herren, einzugehen, die sich einfach nur ein bisschen wichtig tun wollen. Aber damit nicht der falsche Eindruck entsteht, dass man ihre Meinung teile, sei folgendes gesagt:

Dass Christen Fehler begangen haben, ist klar, und das leugnet auch niemand. Ich möchte das Volk sehen, das in 2000 Jahren makellos war. Aber was ist mit all den Kulturleistungen, den zahllosen Hilfs- und Bildungsprojekten, die im Laufe der gesamten christlichen Geschichte nicht nur hierzulande, sondern auch von Missionaren in vielen Ländern der Erde unter totaler Selbstaufopferung und bis zum Einsatz ihres eigenen Lebens aus dem Nichts gestemmt wurden und noch immer werden? Das Krankenhauswesen, das Rote Kreuz, die Armenspeisungen bis hin zu den großen Erarbeitungen wissenschaftlicher Literatur durch die Mönche sind christliche Errungenschaften.
Die Herren, die hier so groß den Mund aufreißen, sollten sich erst einmal informieren – und vor allen Dingen sollten sie selbst den (man vergebe mir das harte Wort) Hintern aus ihrer Wohlstandslethargie hochreißen, in die Länder gehen, in denen Christen bis heute ihr Leben riskieren, und die Leistungen erbringen, die das Christentum erbracht hat.

Es ist überraschend und beschämend, wie viel Nazipropaganda fast 70 Jahre nach Kriegsende in saarländischen Gehirnen offenbar noch immer heimisch ist. Was ist mit dem christlichen Widerstand, den die – wie es scheint – geistigen Vorbilder der saarländischen Christenhasser massenhaft in deutschen Konzentrationslagern abgeschlachtet haben? Und wenn wir schon einmal am Aufrechnen sind: Was ist überhaupt mit all den Millionen unschuldiger Menschen, die die Deutschen mit eigener Hand “ausgemerzt” (Nazi-Originalton) haben oder an deren Tod sie als Kriegstreiber schuldig geworden sind? Der Deutsche sollte nie den mörderischen Charakter vergessen, der ihn prägt. Diese Blutschuld lastet bis auf den heutigen Tag auf uns. Insofern sind wir wirklich schuldig – im Gegensatz zu den Frauen und Kindern, die auf grausamste Weise verfolgt werden, einfach nur weil sie Christen sind. Wer derart zynisch, wie es diese Leser tun, die doch Angehörige eines klassischen Tätervolks sind, über unschuldige Menschen seine Häme ausgießt, ist schon fast selbst ein Täter. Was bilden sie sich eigentlich ein?

Also: Wer Täter sehen will, der soll sich einmal gründlich mit deutscher Geschichte beschäftigen! Und bis heute bleiben die Deutschen Täter, weil sie in Wirklichkeit immer noch an den Unsinn glauben: “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.” Wozu das führt, sehen wir schließlich jeden Tag.
Denn was ist bis heute mit all den Menschen, die in den Ländern Europas zugrundegehen, und denen sich keine andere Lösung als Selbstmord zu bieten scheint, weil der dumm-deutsche Euro ihre Existenz zerstört hat? Auch das sind Verbrechen! Auch daran sind die Deutschen schuld! Das lässt sich nicht leugnen.

Noch etwas: Ich bin selbst Kirchenkritikerin und habe als Autorin eines zölibatskritischen Buches von der Amtskirche jede Menge Repressalien erfahren. Ich kenne das Innere der Kirche also etwas besser als diese Herren, die den Eindruck erwecken, gerade einmal über soviel Grips zu verfügen, dass sie mühsam die Saarbrücker Zeitung entziffern können.
Trotzdem weiß ich zu unterscheiden zwischen Amtsträgern und Christentum. Und genauso gehe ich davon aus, dass es auch gute Deutsche gibt – und vernünftige Saarländer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Angelika D. Seibel

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Erzbischof Gerhard Ludwig Müller beklagt Pogromstimmung – Aber was sind die Hintergründe?

http://www.welt.de/politik/deutschland/article113313904/Gezielte-Diskreditierung-der-katholische-Kirche.html

In einer Hinsicht hat der Leiter der Römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, durchaus recht: die Pogromstimmung wächst tatsächlich. Aber: Wer arbeitet denn durch sein Versagen und seine Intrigen gegen die eigenen Brüder und Schwestern den Christenverfolgern in die Hände? Wer hat denn die Liturgie und den Glauben zerstört? Wer hat die Kirchen ausgeräumt und aus ihnen hässliche graue Fabrikhallen gemacht, die jeden halbwegs ästhetisch empfindenden Menschen abstoßen? Wer unterdrückt jede freie Meinungsäußerung und lässt ausschließlich Pseudowissenschaftler zu Wort kommen, die zuvor mit Pöstchen und Versprechungen gekauft wurden?

Tatsächlich geht die Christenverfolgung seit den 60er Jahren von den selbsternannten “Erneuerern” der Kirche selbst aus, die das Christentum nicht nur in die Pleite, sondern in den nahenden Untergang geführt haben. Christen bekämpfen Christen und machen gemeinsame Sache mit ihren Verfolgern. Das, was das Zweite Vatikanische Konzil beherrschte und die Folgezeit bis heute prägt, ist insofern mit Sicherheit nicht der Heilige Geist, wie Müller betont, sondern der Ungeist der Zwietracht und Zerstörung.

Und dann zum Thema “Zölibat”. Auch wenn man es noch so oft herunterbetet: das Gesetz kann sich nicht einmal annähernd auf die Worte Jesu berufen. Da ist nichts, was auch nur im geringsten als Grundlage dienen könnte. Der Völkerapostel Paulus hat sie bereits vor den Irrlehrern gewarnt, die die Ehe verbieten wollen, seriöse Wissenschaftler wie die Autorin dieses Beitrags selbst haben ihnen ihre Propagandalügen nachgewiesen und sie vor den Folgen gewarnt – es hat alles keinen Sinn, sie WOLLEN nicht hören. Sie benehmen sich wie Gauner, die nicht wollen, dass ihre Untaten aufgedeckt und ihnen vor die Nase gehalten werden. Ich selbst war und bin seit Jahren Repressalien dieser Kirche ausgesetzt. Ich habe meine Bücher an den Papst geschickt – keine Reaktion, nicht einmal der unvermeidliche Apostolische Segen. Wahrscheinlich sind sie dem Aufpasser Georg Gänswein in die Hände gefallen, der den Papst bekanntlich gegen alles abschirmt, was nicht genehm sein könnte. Der Vatikan hat seine ihm treu ergebenen journalistischen Bubis, die seine Propagandalügen an die gutgläubige Öffentlichkeit weitergeben (und im Verdrehen der Wahrheit unübertroffene Meister sind).

So führt man keine Kirche, sondern ein Pleiteunternehmen.

Die starre Haltung dieser alten Männer fordert den Widerstand gegen die Kirche heraus. Durch ihr Wohlleben haben sie den Blick auf die Realität und die seelische Belastung der Menschen verloren. Schwere Schuld laden sie auf sich, indem sie den Menschen auf der Grundlage eines verlogenen Gesetzes die Seelsorger verweigern, auf die sie einen Anspruch haben.

Wer ständig ablehnt, wird irgendwann selbst abgelehnt.

Tatsächlich sind ihnen selbst die wirklichen Worte Jesu gleichgültig. Sie haben längst ihre eigene Kirche aufgebaut, indem sie “aus dem Haus meines Vaters eine Räuberhöhle gemacht” haben. Für solche Tempelhändler hatte Jesus nur die Peitsche übrig. Ihre Hartherzigkeit, Bosheit und Doppelzüngigkeit, ihre Falschheit, mit der sie sich selbst über ihre eigenen Gesetze hinwegsetzen, während sie den Menschen untragbare Lasten aufbürden, hat Jesus bereits den Pharisäern vorgeworfen. Sind sie die schlechten Hirten, die Mietlinge, vor denen Jesus warnte, weil sie die Schafe (die Gläubigen) den Wölfen (den Christenverfolgern) preisgeben?

Das Verrückteste ist jedoch, dass sich diese Lügner auch noch als Martyrer präsentieren, was der tödlich ernsten Angelegenheit einen unverzeihlich komischen Touch verleiht.

Was die vielbeschworene Nachfolge Jesu betrifft: Dies wäre ein sehr lobenswerter Vorsatz, wenn es nicht – wieder einmal- eine Lüge wäre. Denn nichts scheint den Herren ferner zu liegen, wie ihre Taten eindrucksvoll beweisen. Aber geben wir ihnen ruhig eine Chance, nehmen wir sie beim Wort. Dabei wollen wir nicht einmal so weit gehen, von ihnen zu verlangen, über das Wasser zu wandeln. Es wäre schon ein guter Anfang, damit aufzuhören, Kinder zu missbrauchen und die Homosexualität in den eigenen Reihen zu fördern, während sie sie nach außen hin großmundig bekämpfen. Sie sollen endlich aufhören zu lügen. Denn wie sagte Jesus? “Der Teufel ist der Vater der Lüge.”

Es wird Zeit, dass diese Herren sich endlich einmal entscheiden, welchem Meister sie dienen wollen.

 

Faschistischer Fasching? – Mainz, wie es sinkt und hetzt

“Jeder ist ein Määnzer” – so tönte es laut aus dem Elferrat am Faschings-Freitag. Alle Jahre wieder sollen sich alle Länder, in die DAS Ereignis des deutschen Karneval übertragen wird, germanischer Fastnachtsseligkeit verbunden fühlen. Dann sind immerhin nach SWR-Angaben sieben bis acht Millionen Zuschauer “Määnzer” – aber Ausnahmen gibt´s halt doch. Zu denen gehören, wie wir dieses Jahr belehrt wurden, Juden und Katholiken.

Da trat Hans-Peter Betz als Guddi Gutenberg auf und wollte seinem Vortrag ganz zum Schluss das Krönchen aufsetzen – was gründlich misslang. Denn “Guddi” hielt es für nötig, sich zum Thema Beschneidung auszulassen. Davon hätte man ihm besser abgeraten. Erstens hat ein solches Thema auf einer Fastnachtsitzung nichts zu suchen, zweitens war es bereits im Vorfeld durch die Hetzpropaganda der Bundesregierung zu Übergriffen auf in Deutschland lebende Juden gekommen, darunter einen Rabbi und seine kleine Tochter. Eigentlich Grund genug, von entsprechenden Äußerungen Abstand zu nehmen. Doch Betz, der zum letzten Mal an diesem Abend als Sitzungspräsident auftrat, wollte sich seinen großen Starauftritt durch rationale Überlegungen nicht nehmen lassen. Und weil man in Deutschland nicht Muslime, sondern ausschließlich Juden und Katholiken angreifen darf, ignorierte “Guddi” kurzerhand die Tatsache, dass die Beschneidung auch im Islam praktiziert wird. Damit nicht genug, warf er die Beschneidung von Mädchen und Jungen auch noch  kurzerhand in einen Topf, was völlig unhaltbar ist. Offenbar vertraute er darauf, dass das angetrunkene Publikum sowieso nichts merken würde. Über acht Millionen Zuschauer in der Spitze erreichte Betz mit seinen altersweisen Ergüssen, darunter islamische Staaten, die mit ihm sehr zufrieden gewesen sein werden. Auch bei den Politikern im Saal dürfte sich Betz hinreichend profiliert haben (vielleicht wird uns Guddi  demnächst als Wahlkandidat präsentiert. Er wäre nicht der erste Narr in der deutschen Politik…)

Als die Juden abgehakt waren, kamen die Katholiken an die Reihe. Für die war Lars Reichow, mit seinen “Fastnachtsthemen” zuständig, der wohlkalkuliert sehr spät auftrat, als man darauf vertrauen konnte, dass der Großteil des Publikums infolge Alkoholkonsums und kollektiver Karnevalsekstase alles abklatschen würde. Seine Auslassungen über die Unfähigkeit der katholischen Kirche schloss er mit dem Satz:
“Ich frage mich, wie lange sich die GUTEN (mit Betonung) Gläubigen noch von diesen lebensfremden alten Männern zum Narren halten lassen wollen.”

Die Betonung auf GUTEN machte klar, dass er zwischen guten Katholiken unterschied (die seinem Bild und Gleichnis entsprechen) und den schlechten, die sich einfach nur erlauben, eine andere Meinung zu haben. Das ist Schwarzweißmalerei und Hetze.

Die Aufforderung an die “guten Katholiken” war unmissverständlich: Kirchenaustritt bzw. Davonjagen des Klerus. Wer ein guter Katholik ist, wirkt dabei mit, seine Kirche zu zerstören. Der Mann, der sein Geld als Komiker verdient, merkte allerdings nicht, dass er selbst für unfreiwillige Komik sorgte:  besteht doch der Elferrat der obersten Narren traditionsgemäß aus alten und -wie man annehmen darf- ewiggestrigen Männern.

Hitler, der die “schlechten” Katholiken von seinen Schergen an den Kirchentüren beim Gottesdienstbesuch aufschreiben ließ und solche, die seiner Vernichtungspolitik widersprachen oder Juden retteten, kurzerhand in seinen Konzentrationslagern ermordete, hätte genauso applaudiert wie das angesäuselte, weitgehend aus Politikern und Wirtschaftsbossen bestehende Publikum.

Als die Nazis entmachtet wurden, ließen sie verlauten: “Wir kommen wieder!” Tatsächlich sind Antisemitismus und Christenfeindlichkeit (besonders als Katholikenhass) in Europa wieder auffallend chic.

Wer acht Millionen erreicht, muss sich der Volksverhetzung bezichtigen lassen. Und die wird man nicht entschärfen können durch das Argument, es sei ja alles nur Spaß gewesen.
Die Mainzer Fastnacht gilt (aus welchen Gründen auch immer) als Aushängeschild der deutschen Kultur und Mentalität. Die politischen Reden werden als Stimmungsbarometer ernst genommen, denn angeblich kann hier der deutsche Normalbürger einmal im Jahr sagen, was er will.

Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: Die politische Fastnacht ist alles andere als unabhängig. Da es eine Liste erwünschter und unerwünschter Themen gibt, nach der sich die Redner zu richten haben und man keinesfalls auf den Normalbürger, sondern  nur auf erprobte, d.h. loyale und zuverlässige Personen zurückgreift, liegt es auf der Hand, dass die Fastnacht in Wirklichkeit ein Propagandawerkzeug der Politik ist. Damit ist das, was so “närrisch” dahergesagt wird, todernst gemeint – mit Ausnahme der Scheinangriffe auf Politiker, die eine real nicht existierende Redefreiheit vorgaukeln sollen. Woraus wiederum folgt, dass die Fastnacht nicht vorrangig der freien Rede des Bürgers dient, sondern dessen Beeinflussung durch eine vermeintlich harmlose Spaßveranstaltung. Wobei durch den aufbrausenden Applaus nichts anderes ausgelöst wird als jener Effekt, den Reichspropagandaminister Goebbels bei seiner Rede im Sportpalast im Auge hatte, als er der fanatisierten Masse die Frage “Wollt ihr den totalen Krieg?” vorlegte. Das, was die Masse, ob alkoholisiert oder fanatisiert, befürwortet, ist richtig, das, was sie verneint, ist falsch. Wer mit der Masse marschiert, ist gut, wer sich gegen sie stellt, ist schlecht, erst ein Außenseiter und dann ein Ausgestoßener. Die Banalität des Bösen in Reinkultur.

Da bekannt ist, dass die deutsche Bundesregierung, geführt von einer Kanzlerin, der man nachsagt, in der einstigen DDR für Propaganda und Agitation zuständig gewesen  zu sein (1), mit den Muslimen gegen Juden und Christen (Katholiken) paktiert, passen die die Vorträge von Betz und Reichow ins Bild. Nazis mit Narrenkappe? Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Die Autorin, die selbst zwei Bücher gegen den Zölibat geschrieben hat und regelmäßig unhaltbare Zustände in der Kirche auch gegen heftigste Widerstände des Klerus selbst kritisiert, distanziert sich entschieden von dieser Pöbelpropaganda.

Wir können selbst entscheiden, wie wir wann mit unserer Kirche verfahren. Dazu brauchen wir keine Ratschläge von irgendwelchen Narren.

Und hier ist MEIN Aufruf an alle guten Demokraten gleich welcher Religion:

BOYKOTTIERT DIE NÄCHSTE MAINZER FASTNACHT!

SAGT NEIN ZU ANTISEMITISMUS UND CHRISTENHATZ!

———————-
(1) Wkipedia zu “Angela Merkel”: Nach eigenen Angaben war Merkel in ihrer FDJ-Gruppe als Kulturreferentin tätig, während Quellen, die der Merkel-Biograf Gerd Langguth befragt hat, davon sprechen, sie sei für „Agitation und Propaganda“ zuständig gewesen. http://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel

 

 

Christenverfolgung durch Laisierung – Neue Ergebnisse zeigen Bedrohung für die katholische Kirche

 

Bereits in 2010 habe ich in meinem Buch „Geheimsache Zölibat und Missbrauch – Was uns Kirche und Politik verschweigen“ dargelegt, dass die Beibehaltung des Pflichtzölibats von einer weltlichen Lobby unterstützt wird, um den Priesternachwuchs zu verhindern und die Laisierung der Kirche zu fördern. Genau diese Entwicklung bestätigt nun eine Pressemitteilung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vom heutigen Tage:

„„Die religiöse Dimension ist fast verloren“

Führende Religionssoziologen empfehlen den christlichen Kirchen radikalen
Wandel – Symposium zum 70. Geburtstag von Prof. Dr. Karl Gabriel

Die christlichen Kirchen in Deutschland brauchen nach Einschätzung
führender Religionssoziologen einen radikalen Wandel. Sie sollten ihre
Religiosität und ihre Strukturen dringend erneuern, andernfalls gehe das
Vertrauen der meisten Menschen endgültig verloren, sagten der
Sozialethiker Prof. Dr. Karl Gabriel aus Münster und der Soziologe Prof.
Dr. Michael Ebertz aus Freiburg am Freitagabend in Münster. Es gehe um
eine überzeugendere Glaubensverkündigung und einen Weg „von der Kleriker-
zur Laienkirche“. Ebertz sprach von einem „Transformationsprozess, der
einer Revolution gleichkommt“. Der Bielefelder Soziologe Prof. Dr. Franz-
Xaver Kaufmann fügte hinzu: „In den Kirchen dominieren das Geld und das
Recht. Die religiöse Dimension ist fast verloren gegangen.“ Die
Wissenschaftler äußerten sich auf einem Symposium zur Zukunft der Kirchen
des Centrums für Religion und Moderne (CRM) und des Exzellenzclusters
„Religion und Politik“ der Uni Münster zum 70. Geburtstag von Prof.
Gabriel.

„Entscheidend wird sein, ob die katholische und die evangelische Kirche
ihre religiöse Botschaft künftig so anbieten, dass die Menschen sie als
überzeugende Lebensdeutung annehmen“, unterstrich Prof. Gabriel. Das könne
im persönlichen Gespräch genauso gelingen wie in der Sonntagspredigt. Der
Bochumer Religionswissenschaftler Prof. Dr. Volkhard Krech plädierte für
eine Rückbesinnung der evangelischen Kirche „auf ihre Stärken wie
rhetorisch überzeugende Predigten und eine theologische Sprache“. Die
religiöse Kernaufgabe der Geistlichen solle wieder im Mittelpunkt stehen.
„Wenn Pastoren nur Lebensberatung anbieten, ist das ein Ausverkauf.“ Im
gesellschaftlichen „Wettbewerb um Lebenswahrheit“ müsse die Kirche ihre
christliche Deutungskompetenz gegen „technokratische Irrsinnsfantasien“
verteidigen, so Prof. Krech.

„Kirche braucht Gewaltenteilung“

Die katholische Kirche wird sich nach Einschätzung von Prof. Ebertz aus
Mangel an Priesternachwuchs „in einem Prozess des radikalen Wandels von
einer Priesterkirche zur Laienkirche“ entwickeln. „Wir sind Zeitzeugen des
Umbruchs. Was für Protestanten Programm war, ist für Katholiken zum
Schicksal geworden: das Priestertum aller Gläubigen.“ Die Laien stehen dem
Wissenschaftler zufolge künftig vor der doppelten Herausforderung,
innerhalb der Kirche mehr Verantwortung zu übernehmen und außerhalb für
ihre Botschaft einzustehen. Dazu seien neue Strukturen nötig: „Wer die
Kirchen zukunftsfähig machen will, braucht Gewaltenteilung und synodale
Strukturen der Mitverantwortung und Mitwirkung im System.“ Dabei kann die
katholische Kirche nach Meinung von Prof. Gabriel von der evangelischen
lernen: „Die katholische Priesterkirche ist jetzt mit vielem konfrontiert,
etwa mit der zunehmenden Laisierung, womit die evangelische Kirche eine
lange Lernerfahrung hat. Deshalb ist ein ökumenischer Dialog wichtig.“

Von einem „Verfall des Christentums“ lässt sich nach den Worten von Prof.
Gabriel trotz steigender Kirchenaustritte und einer sinkenden
Gottesdienstteilnahme nicht sprechen. „Das religiös Christliche ist in der
Gesellschaft diffus vorhanden. Es ist stärker, als wir zunächst
wahrnehmen.“ Für das Verständnis der Gesellschaft werde man auf das
Christentum nicht verzichten können. „So viele überzeugende Alternativen
zum Angebot der Kirchen gibt es nicht.“ Auch Prof. Kaufmann sagte, „das
kollektive Ethos in Deutschland ist deutlich stärker vom Christentum
geprägt als in vielen anderen Ländern.“ Zur Tagung „Was wird aus den
christlichen Kirchen Deutschlands?“ hatten der Exzellenzcluster und das
CRM eingeladen. (ska/vvm)“.

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