Das große Heucheln – Frauen in der Katholischen Kirche

Verachtet, erniedrigt, gedemütigt und schlicht verhindert – das ist bis auf den heutigen Tag das Schicksal vieler Frauen in der katholischen Kirche. Auch mir erging es nicht anders. Vor einigen Tagen beschäftigte Prof. Dr. Ansgar Wucherpfennig SJ die Medien, weil er sich für die Rechte von Homosexuellen und Frauen (in dieser Reihenfolge!) einsetzte und erst nach publikumswirksamem Hin und Her vom Vatikan die Genehmigung für die Bekleidung der Position des Rektors der Hochschule St. Georgen bekam. Doch wie viel daran sind echte Bedenken, wie viel ist allenfalls eine gut gespielte Show? Anlass für mich, einen Offenen Brief zu schreiben – und gespannt auf eine Antwort zu warten …


Sehr geehrter Herr Professor Wucherpfennig,

da ich der katholischen Kirche in einigen Punkten sehr kritisch gegenüberstehe, versteht es sich von selbst, dass ich mutige Einlassungen katholischer Theologen begrüße.

Ich gehöre gewissermaßen von Natur aus jener Gruppe an, mit deren schierer Existenz die Kirche stets die allergrößten Probleme hatte, da sie sie schwer akzeptieren konnte: ich fröne dem Laster, eine Frau zu sein. Wie gerne hätten zahllose Theologen den Schöpfergott in dieser Hinsicht korrigiert und die unerträgliche Tatsache, dass er doch tatsächlich zwei Geschlechter schuf, rückgängig gemacht. Nie werde ich das aufrichtige Bedauern vergessen, das mir einmal ein Ordenspriester mit den Worten zum Ausdruck brachte: „Schade, dass Sie kein Mann sind!“ Die Folge war, dass mir eine Stelle verweigert wurde, für die ich die Idealbesetzung gewesen wäre. Eine weitere Stelle im kirchlichen Dienst wurde mir verweigert, weil die fromme Umgebung fürchtete, ich könne die zölibatäre Überzeugung des einstellenden Paters ins Wanken bringen, der sich zur größten Beunruhigung der besorgten Entourage absolut nicht dazu durchringen konnte, das weibliche Geschlecht als Unglücksfall der Schöpfung zu begreifen. Er sagte mir damals ganz offen, es habe keinen Sinn, mir die Stelle zu geben, denn man werde mir das Leben zur Hölle machen, bis ich freiwillig ginge.

Meine wissenschaftlichen Arbeiten, die ich als Klassische Philologin und Papyrologin in sorgfältiger und verantwortungsvoller Forschung erstellt hatte, wurden unterdrückt, weil sie nicht der offiziellen Linie entsprachen. Die katholische Kirche hat mich ein Leben lang bekämpft, obwohl ich mich für sie einsetzte.

Und damit wären wir beim Thema. Es gibt ein Tabu in der Kirche, das mit den monastischen Anfängen zu tun hat, die früh von der Gnosis beeinflusst wurden: die latente Homosexualität und Pädophilie weiter Teile des Klerus, die bereits in frühester Zeit klammheimlich praktiziert und selbst von den Gläubigen unserer Tage – sogar im traditionalistischen Umfeld – geduldet und unterstützt werden. Ich erinnere für die frühe Kirche an die Warnungen Basilius des Großen (obwohl er in der gleichen Weise gegen Frauen hetzte wie so viele andere Mönche auch), und des Isaac Thebaeus, keine Knaben zu den Mönchen zu bringen, weil sie bereits vier Klöster in den Untergang getrieben hätten. Auch die Vorsichtsmaßnahmen der Benediktusregel sprechen eine deutliche Sprache. Symptomatisch für die Neuzeit ist m.E. die Affäre St. Pölten um Bischof Krenn, besonders angesichts der fragwürdigen Verteidigungsschrift „Der Wahrheit die Ehre“.

Der rote Faden zieht sich durch 2000 Jahre Kirchengeschichte: Diejenigen, die verteufelt werden, sind ausschließlich jene Priester, die sich in eine Frau verlieben. Die Frau ist die „Buhlerin“, die den Priester erst an ihren „Busen“ und dann in die Hölle zieht, denn sie ist im Bunde mit dem Teufel. Homosexualität und Pädophilie werden allenfalls vorsichtig beim Namen genannt, bis sie ganz totgeschwiegen werden. Der Grund ist allzu offensichtlich: der Klerus geriet ebenso wie das gläubige Volk bald unter den Einfluss homosexueller Mönche, die gegen Frauen geiferten, weil sie diese schlicht als Rivalinnen in ihrem Jagdrevier wahrnahmen. So war der von so vielen beschworene „heilige Zölibat“ nichts anderes als ein Deckmantel für Unzucht.

Es ist folglich leider nicht zu leugnen, dass viel Unheil vom Mönchtum ausging, das seine negativen
Aspekte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ungestört entwickeln und seinen Lebensstil unter dem heuchlerischen Etikett der „Keuschheit“ und „Hingabe an Gott“ dem ganzen Klerus aufzwingen konnte. (Dabei leugne ich natürlich nicht, dass es viele Mönche gibt und gab, die wirklich für Gott leben. Ich will hier nicht das monastische Leben in Bausch und Bogen verurteilen, es geht lediglich um das Problem, wenn das Mönchtum als Vorwand für das Ausleben eines ungeordneten Sexualtriebs missbraucht wird.)

Die homosexuelle Zölibatslobby errichtete ein regelrechtes Terrorregime in der Kirche. Menschen wurden in den Selbstmord getrieben, Frauen wurden geschoren und davongejagt, ganze Familien werden bis heute psychisch ghettoisiert und zur Lüge gezwungen. Ich habe es selbst vor einigen Jahren erlebt, wie ein Priester rehabilitiert werden konnte – nachdem seine Frau „endlich“ gestorben war. Ich darf den Namen des Priesters nicht nennen, seine Familie darf sich nicht zu ihm bekennen, weil es „kein Gerede“ geben darf. Mehrfach bot sich mir die Gelegenheit, die Bösartigkeit des Frauenhasses homosexueller Geistlicher am eigenen Leibe zu erfahren. Homosexuelle Männer sind, besonders als Kleriker, leider allzu häufig keine Opfer – sie sind Täter.

Das ist die Realität. Ich möchte Sie daher bitten, Homosexuelle und Frauen nicht in einem Atemzug zu nennen, da sie es selbst gewählt haben, uns seit fast 2000 Jahren als ihre natürlichen Feinde mit allen Mitteln zu bekämpfen. Außerdem: Wir Frauen brauchen nicht das Priesteramt. Wir wollen die Stellen antreten, die uns zustehen, ohne dabei von der Zölibatsmafia behelligt zu werden. Wir wollen unsere Bücher veröffentlichen können, ohne zensiert und unterdrückt zu werden. Wir wollen uns zu den Männern bekennen, die wir nach Gottes Schöpfungsordnung lieben. Wir wollen uns nicht mehr unserer Väter schämen müssen, die sich als Priester in aller Heimlichkeit, als wären sie Verbrecher, im Dienst für Gott und den Nächsten aufopfern. Wir wollen nicht mehr unter der Fuchtel der Homosexuellen und der Dummen stehen, die uns mit völliger Selbstverständlichkeit und dem Segen der Kirche beschimpfen, beleidigen und erniedrigen dürfen.
Wir wollen endlich das volle Existenzrecht, die Würde des Menschen, wie sie in allen demokratischen Verfassungen der Welt niedergelegt ist. Denn wir sind Menschen zu hundert Prozent – ob dies gewissen Vertretern einer bestimmten sexuellen Ausrichtung gefällt oder nicht.

Ich appelliere an Sie, uns in diesem Kampf zu unterstützen. Dann werde ich Sie als kritischen Theologen ernstnehmen. Andernfalls muss ich Sie leider mit dem Vorwurf der Heuchelei konfrontieren. Es gehört heute nicht viel Mut dazu, „für Homosexuelle und Frauen“ (in dieser Reihenfolge natürlich!) einzutreten. Das ist chic, modern und trendy. In Wirklichkeit riskiert man dabei gar nichts. Der Vatikan treibt das Spielchen mit, weil er selbst darin interessiert ist, das Thema regelmäßig in die Schlagzeilen zu treiben.

Ich bin auch dafür, Homosexuellen Verständnis und Nächstenliebe entgegenzubringen. Allerdings fordere ich genau dasselbe für uns Frauen. Und ich wehre mich gegen eine Meinungsdiktatur, die einer bestimmten Gruppe eine geradezu sakrosankte Unfehlbarkeit zusprechen will.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Angelika Seibel

P.S.: Ich habe noch eine Frage: Bedeutet die Einsegnung homosexueller Ehen nicht in Wirklichkeit, dass der Zölibat für homosexuelle Kleriker gewissermaßen durch die Hintertür aufgehoben wird?

Publikationen zum Thema (Auswahl): Die Zölibatslüge (Zweite, korrigierte Auflage von „Geheimsache Zölibat und Missbrauch“), Norderstedt 2014. Die (un)heimliche Diktatur, Wie homosexuelle Menschen von einer machtgierigen Lobby missbraucht werden, Create Space, 2014.