Die seltsame Geschichte von der NSA, dem Nicht-ganz-Märtyrer Edward Snowden, dem Gutmenschen Barack Obama und der keuschen Jungfrau Vladimir Putin

Stand: 25.04.2014   20:54

Deutschland triftet immer weiter nach Osten ab, stellte das Onlinemagazin “Die Welt” am 22. April 2014 fest. Das sollte eigentlich nicht weiter überraschen, wenn man als Bundeskanzlerin eine ehemalige SED-Agitatorin und in mehreren Parteien Politiker mit fragwürdiger DDR-Vergangenheit hat. Eigentlich sollte schon seit 1989 klar gewesen sein, dass die Wiedervereinigung nichts anderes als eine friedliche Übernahme der Bundesrepublik durch den Osten war. Immerhin werden wir von einstigen Funktionären der DDR regiert, also von unseren Feinden. Wird ein Land von seinen Feinden regiert, spricht man üblicherweise von einer Eroberung.

Doch nun gut, jetzt erst dämmert es einigen Leuten, was wirklich passiert ist, und damit ist es offiziell. Aber noch ist Deutschland Deutschland – und nicht Russland. Die Sowjetunion ist offiziell kollabiert, auch wenn sie einschließlich ihrer Spionagetätigkeiten noch voll aktiv ist. Putin hat wie viele andere ehemalige kommunistische Funktionäre unter dem Kollaps gelitten. Jetzt, so wird es uns in den Medien vermittelt, kommt die Zeit der Revanche. Die Sowjetunion soll im alten Glanz wieder aufgebaut werden. Und nicht nur das. Sie soll erweitert werden.

In Anbetracht der rücksichtslosen Osterweiterung der EU und Nato mit Raketenstationierungen an den russischen Grenzen offenbart der Westen einen Imperialismus, der Russland provozieren MUSS und so nicht hingenommen werden kann. Wobei vieles dafür spricht, dass der Umsturz in der Ukraine tatsächlich mit Unterstützung und unter Federführung des Westens vonstatten ging.

Damit stoßen die Expansionsbestrebungen zweier Großmächte aufeinander: die ostwärts gerichtete des Westens unter Führung der USA einerseits und die westwärts gerichtete der ehemaligen Sowjetunion andererseits. Der große Knall scheint  unausweichlich.

Realistisch betrachtet, liefe eine kriegerische Auseinandersetzung auf eine Politik der verbrannten Erde hinaus. Eine Niederlage Russlands hätte eine innenpolitische Destabilisierung und zumindest eine nachhaltige Schwächung, wenn nicht den Sturz Putins zur Folge. Das dadurch entstehende Machtvakuum kann nicht im Interesse des Westens sein. Denn bisher war Putin einer der verlässlichsten Verhandlungspartner. Wenn das Riesenreich ins Wanken geriete, könnte sich dies wie ein Tsunami global auswirken. Es sei denn, der Westen hätte bereits den Nachfolger im Ärmel.

Ganz offensichtlich soll Putin in einen Krieg gezwungen werden. Ein Krieg, der letzten Endes auf einen Kampf der Giganten hinausläuft (die Bundeswehr hat der russischen Armee nichts entgegenzusetzen). Die Frage ist, ob Putin sich zwingen LÄSST. Und zwar nicht aus Unbesonnenheit. Sondern weil es einen Deal gibt.

Ein Ausgleich der gegnerischen Interessen wäre in der Tat die vernünftigste Strategie. Doch was ist, wenn ein solcher Deal nicht WÄHREND der Krise als Lösung ausgehandelt wird – sondern IM VORFELD? Das heißt: was, wenn diese Krise inszeniert wird, um unter Berücksichtigung der Expansionsbestrebungen beider Seiten eine längst geplante Neuordnung der Welt herbeizuführen? Eine Aufteilung der Welt?

Was hier seit Monaten, wenn nicht Jahren abläuft, ist ein unglaublich raffiniertes psychologisches Spiel. In der ersten Phase wurde gegen Amerika gehetzt, um die Deutschen von den USA zu lösen, während Russland ein positives Image erhielt. Putin, der sich bereits als praktizierender Christ und Beschützer der Christenheit gerierte, konnte sich nun auch als Zuflucht der Verfolgten und Bewahrer demokratischer Werte präsentieren. Die hochgespielten Abhöraktivitäten der Amerikaner, die in Anbetracht der heutigen Technologie übrigens nicht ungewöhnlich sind und in gleicher Weise sicherlich auch von Russland und Deutschland betrieben werden, ließen das einst befreundete Land zu einer Feindnation werden. Die Feinde Russlands waren nun auch Feinde Deutschlands, und die Masse gewöhnte sich immer mehr an einen Schulterschluss mit Putin.

Doch dann kam in der zweiten Phase der Einsatz Putins gegen die Schwulenlobby. Jetzt kochten die Wogen wirklich hoch, begünstigt durch die exponierte Stellung Russlands in den Medien aufgrund der Olympischen Spiele in Sotchi. Es entstanden extrem aggressive Parteiungen, allein schon aufgrund der persönlichen Betroffenheit einer mächtigen gesellschaftlichen Gruppe, die sich an Schaltstellen der Politik, Wirtschaft, Kultur und der Medien befindet. Diese Gruppe übte eine Meinungsdiktatur aus, die die Intellektuellen unterdrückte und damit das Fass zum Überlaufen brachte. Putin wurde zum Befreier, zum Retter aus der Unterdrückung. Dies alles vor dem Hintergrund der der europaweiten Wirtschaftskrise, die das Phänomen einer “verlorenen Generation” von Jugendlichen hervorbrachte. Die Sehnsucht nach dem Starken Mann nahm zu.

So wurde noch im Vorfeld der Ukrainekrise der Krieg in die Gesellschaft hineingetragen.

Wir wollen uns hier die erste Phase etwas näher ansehen. Und vor allem die Hintermänner beleuchten, die darauf hindeuten, dass der Geheimnisverrat Edward Snowdens zumindest den Amerikanern entgegenkam, wenn nicht sogar von ihnen geplant wurde.

Die verschiedenen “Enthüllungen” über Geheimdienstaktivitäten der Amerikaner, getragen von netten, halbwüchsigen Jungs mit Milchgesichtern, die angeblich ihr ach so junges Leben riskierten, weil sie es vor ihrem Gewissen nicht mehr verantworten konnten, die Menschheit abhören zu lassen, rührte die Öffentlichkeit und riss sie zu Begeisterungsstürmen hin. Dabei hätte die schiere Häufung dieser netten Jungs doch stutzig machen müssen.
Der derzeitige Heilige angeblicher Geheimdienstenthüllungen, der Superhero, das It-Girl in männlicher Ausgabe ist Edward Snowden – dessen Glorienschein jedoch recht  bald Kratzer bekam. Die NSA hatte es ihm nämlich leicht gemacht, an all die Informationen heranzukommen.

Auffallend leicht.

Denn der Zugang zu den Informationen wurde Snowden regelrecht auf dem goldenen Tablett serviert. Die Tür stand offen, und er brauchte nur noch hineinzuspazieren (1). Ein ganz ähnliches Szenario wie in der Wikileaks-Affäre übrigens mit Julian Assange und Bradley Manning in der Hauptrolle.

Die Biographie Snowdens, einsehbar auf Wikipedia, zeigt unmissverständlich, dass er ein vorbildlicher  amerikanischer Patriot war (und wohl noch immer ist), jedoch stets unter Berücksichtigung seines persönlichen Vorteils. Einer, der sich 2003 zum Dienst im Irakkrieg meldete und selbst eine wegen ihrer Härte bekannte Ausbildung bei den Special Forces (SF) antrat, der vielseitigsten Einheit der US-Streitkräfte, die geheimdienstliche Aktivitäten mit militärischen Einsätzen verbindet. Wer sich dort meldet, ist bereit, für sein Land und dessen Interessen absolut alles zu tun. Und unerwünschte Personen gezielt “auszuschalten”. Mit anderen Worten: zu töten.

Wobei der von ihm angestrebte Dienst in den SF noch weitaus problematischer gewesen wäre als die Arbeit bei den Geheimdiensten. Bewegt sich doch die Spezialtruppe im Gegensatz zu den Diensten in einem mehr oder weniger rechtsfreien Raum (so muss sich die CIA etwa vor dem Kongress verantworten).

Schon in diese Ausbildung zu gelangen, ist eine Herausforderung für sich:

Jährlich werden aus mehreren tausend Bewerbern, die aus dem über eine Million Männer großen Personalreservoir der Army, Reserve oder Nationalgarde kommen, zirka 400 Soldaten ausgewählt, die dem sehr hohen Anforderungsprofil entsprechen. Nach Abschluss der Rekrutierungs-, Auswahl- und Qualifikationsphase werden letztendlich nur 3 bis 5 % der Bewerber angenommen.
Diese mentale Stabilität und geistige Beweglichkeit auch bei stärkstem Stress und körperlicher Erschöpfung ist die Kernqualifikation, nach der gesucht wird.
Von dem Rekruten wird eine extreme körperliche Belastbarkeit gefordert, in größerem Maß jedoch geistige Flexibilität, Intelligenz und Besonnenheit.

Zu den Einsatzfeldern der Special Forces gehört unter anderem Militärberatung und Psychologische Kriegsführung, die folgendermaßen definiert wird:

Psychologische Kriegführung (Psychological Operations, PSYOPS)[51] ist ein auf das Zielland abgestimmter Maßnahmenkatalog, der die Einstellung von Kombattanten, Nichtkombattanten und Bevölkerung eines Gastlandes gegenüber den USA (oder einem von ihnen geplanten Projekt, d. Verf.) positiv beeinflussen soll. Dabei wird die Nachrichtenlage, das öffentliche Leben und die allgemeine Informationslage durch Einfluss auf einheimische und durch eigene Massenmedien aktiv beeinflusst, dies schließt Propaganda, Manipulation und Zwang ein.

Diese Definition beschreibt exakt das, was wir im Umfeld der Ukrainekrise erleben: es IST psychologische Kriegsführung.

In einem Video stellte Snowden seine freiwillige Meldung im Irakkrieg so dar, dass er Menschen von der Unterdrückung befreien wollte. Eine raffinierte und sehr amerikanische Rechtfertigung. Die im übrigen seit den Römern eine beliebte Umschreibung für das Unterwerfen und Erobern anderer Völker ist (die Römer nannten das “pacare”, eigentlich befrieden” von “pax” “der Frieden”).

Seit einem Trainingsunfall war Snowden physisch nicht mehr in der Lage, bei den SF zu dienen. Aus Snowden´s Biographie ist zweifelsfrei herauszulesen, dass er sich immer auf eine Tätigkeit im Umfeld der Geheimdienste konzentriert hatte. Folgerichtig war die für ihn nächstliegende Adresse eine ausschließlich geistige Tätigkeit als technischer Mitarbeiter. Ab 2005 arbeitete er für CIA, NSA und DIA. Aufgrund seines Talents stieg er rasch auf.

2004 begann er als Wachmann für die NSA. Ab 2005 wurde es ernster. Da nämlich wechselte er als technischer Mitarbeiter zur CIA. Bereits zwei Jahre später verfügte er über eine Sicherheitseinstufung, die ihm “in großem Umfang” Zugriff auf geheime Dokumente erlaubte.
Selbst als er, für die CIA in Genf stationiert, auf Geheimdokumente zugriff und dabei seine Befugnisse offenbar überschritt, hatte dies keine Konsequenzen:

Nach Angaben von US-Regierungsvertretern vom Oktober 2013 fiel Snowdens Verhalten seinem Vorgesetzten bereits 2009 auf, als er im Rahmen seiner Arbeit für die CIA in Genf versuchte, Zugriff auf geheime Computerdateien zu erlangen. Demnach entschloss sich die CIA daraufhin, Snowden in die USA zurückzuschicken, was jedoch ansonsten keine weiteren Konsequenzen hatte.

Nach einem kurzen Zwischenstopp auf einer Militärbasis in Japan als freier technischer Mitarbeiter der NSA landet Snowden noch im selben Jahr 2009 in Hawaii:

In Hawaii hatte er als Administrator für eine private Sicherheitsfirma gearbeitet, die wiederum für die NSA tätig war, die nationale Sicherheitsbehörde, deren Arbeit als noch geheimer gilt als die der CIA.
Deutschlandfunk, Beitrag vom 18.06.2013, Big Boss is watching you
http://archive.today/tZGTe

Bei der “privaten Sicherheitsfirma“ handelt es sich um Booz, Allen, Hamilton. Damit befindet sich Snowden durchaus in illustrer geheimdienstlicher Gesellschaft, denn die Firma kann auf “verschiedene hochrangige Mitglieder aus den amerikanischen Geheimdiensten“ verweisen (http://de.wikipedia.org/wiki/Booz_Allen_Hamilton). Eine Tätigkeit bei Booz ist also offenkundig keine Bestrafung, sondern vielmehr eine Belohnung für besonders verdiente Leute – mit der Aussicht auf höhere Karrierestufen.

Da ist etwa Vizeadmiral John Michael McConnell, der im Anschluss an seine Amtszeit als Direktor der NSA (1992-1996) zum Senior Vice President von Booz, Allen, Hamilton (1996-2006) wurde. Seit 2007 obliegt ihm die Gesamtleitung der Geheimdienste als Director of National Intelligence.

Eine besonders schillernde Persönlichkeit ist James Woolsey, von 1993 bis Januar 1995 Chef der CIA. In dem Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion kommt ihm eine besondere Rolle zu. Woolsey nahm während seiner Tätigkeit als Analytiker beim US-Verteidigungsministerium an den SALT-I-Verhandlungen zwischen 1969 und 1970 und an den START-Verhandlungen zwischen 1983 und 1986 als Delegierter teil. Außerdem war er zwischen1989 und 1991 in den Abschluss des Vertrages über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) involviert.

Woolsey gilt als gewalt- und kriegsbereiter Falke, vergleichbar dem uns im Ersten Weltkrieg begegneten Feldmarschall Conrad von Hötzendorf, der ganz Europa ins Unglück stürzte. Auch Woolsey gab im Jahr 2000 eine Enthüllung zum Besten: er gestand ein, kontinentaleuropäische Wirtschaftsspionage betreiben. Das System nannte sich Echelon und war angeblich auf die Entdeckung von Bestechungsversuchen begrenzt. Wobei er aus seiner Verachtung für die Verbündeten keinen Hehl machte: „die meiste europäische Technologie lohnt den Diebstahl einfach nicht“ (http://www.zeit.de/2000/14/200014.spionieren_.xml).

Gemäß seinem Falken-Image forderte Woolsey mit demonstrativer Theatralik die Hinrichtung Snowdens.

Woolsey ist auch deswegen interessant, weil er Mitglied im Advisory Board der Stiftung „Global Panel“ war, die sich selbst folgendermaßen definiert:

Global Panel – Mission and Goals
Global Panel’s greatest strength is its network. Global Panel works primarily behind the scenes in support of governments, institutions and the private sector. Global Panel has a strong track record. It has developed a reputation for mediating difficult disputes worldwide. Through its network of former ranking government, academic, and private sector personalities, Global Panel is well equipped to facilitate solutions in conflict areas around the world. Funding for Global Panel initiatives comes strictly from the private sector. Global Panel does not take funding from the governments who seek its help. (http://globalpanel.org/Profile)

Trotz dieser friedfertig erscheinenden Attitüde bekennt sich die Stiftung ganz offen zu einer militärischen Lösung des Ukrainekonflikts:

Solidarity with the Ukrainian People
Press Release
The Prague Society would like to express its solidarity with the Ukrainian people, especially those in Crimea, and would like to remind the Governments of the EU of the generation long devastation caused by the strategy of appeasement in WW2—notoriously represented by the Munich Agreement. We recall Churchill’s comment: “The Government had to choose between War and shame. They chose shame. They will get War too.” (http://globalpanel.org/content/solidarity-ukrainian-pople)

Die Prague Society ist ein Partner von Global Panel. Und wir sollten nicht vergessen, dass Churchill Hitler in Wirklichkeit sehr positiv gegenüberstand.

Die weitere Entwicklung der NSA- oder Snowden-Affäre lief von vornherein auf eine Konfrontation USA-Russland hinaus wie in den besten Zeiten des Kalten Krieges. Aus heutiger Sicht sehen wir, dass sie zu dem Drehbuch hinzugehörte. Snowden legte eine publikumswirksame Odyssee ein inklusive Asylanträgen und Aufenthalt im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjevo, bis sich seiner Vladimir Putin “erbarmte“, indem er seinen Asylantrag für ein Jahr mit jährlicher Prolongationsoption bewilligte – unter der Auflage, Snowden dürfe nicht mehr “zum Schaden der USA” tätig werden. Ein Wink mit dem Zaunpfahl für all jene, die davon ausgingen, dass der Amerikaner nun als Überläufer für die Russen spionieren werde.

Zur weltweiten Empörung stellte sich Snowden jedoch bereitwillig zur Verfügung, um Putin in einer Videoschaltung zu “interviewen” und ihm Gelegenheit zu geben, die Existenz russischer Bespitzelungsaktivitäten jenseits der Rechtsstaatlichkeit zu leugnen, was ihm prompt den Spitznamen “Putins Pudel” einbrachte.

Aus allem ist zu folgern, dass a) Edward Snowden mit Sicherheit nicht der Heilige ist, als der er dargestellt wird. Snowden tut das, was man von ihm verlangt. Wobei er nie seinen eigenen Vorteil vergisst. Und dass b) die ganze “Enthüllung” Teil einer Psychologischen Kriegsführung ist. Eines Krieges, aus dem die Politiker der beteiligten Nationen einschließlich Russlands als Gewinner hervorgehen werden. Und als Verlierer -wie immer- die Völker, die glauben, von denen vertreten zu werden, die sie in Wirklichkeit verraten.

(1) Siehe z.B. Spähaffäre: Wie leicht Edward Snowden die NSA knacken konnte.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-spaehaffaere-wie-snowden-zugriff-auf-die-geheimdokumente-bekam-a-919433.html