Die Unsäglichkeit der deutschen Bischöfe

Können wir uns diese Bischöfe überhaupt noch leisten?

 

Das Verhalten der Bischöfe ist wieder einmal so dumm, wie man es mittlerweile von ihnen erwarten muss.

Da erteilen sie dem Kriminologischen  Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) großspurig einen Auftrag zur Aufarbeitung und Erforschung kirchlicher Missbrauchsfälle – beginnend mit dem Kriegsende.

Und nachdem sie diesen Auftrag erteilt haben, rudern sie großartig und medienwirksam zurück: sie wollen über die Auswahl der Mitarbeiter und die Veröffentlichung der Ergebnisse selbst bestimmen. Wenn die nicht wunschgemäß ausfallen, soll die Publikation verboten werden. So etwas nennt man Zensur. Schließlich wird die Studie als unerwünscht abgebrochen.
Als wäre der Peinlichkeit damit nicht Genüge getan, kommt dann auch noch ans Licht, dass wahrscheinlich Akten vernichtet wurden. Na großartig!

Noch perfekter kann man sein Image in der Öffentlichkeit kaum noch demontieren. Sind die Herren wirklich zu dumm gewesen, um im Vorhinein über die Konsequenzen nachzudenken? Oder ist dieser ganze Schildbürgerstreich wieder einmal eine abgekartete Sache, um die Kirche und damit das ganze Christentum zu beschädigen? Denn vergessen wir nicht: es sind dieselben Bischöfe, die sich millionenfach die Taschen füllten, indem sie über den Weltbild-Verlag Pornoliteratur verkauften.

Woher sie verdientermaßen ihren Spitznamen “Porno-Bischöfe” bezogen haben …

Das Ergebnis dieser neuen Episode ist klar: da hat jemand sehr nasse Füße bekommen. Und die Fragen stellen sich sofort: Was haben die Bischöfe zu vertuschen? Was steht alles in diesen Akten, das wir besser nicht wissen sollten? Folglich: Jetzt wird´s  erst richtig interessant.

Womit der Abbruch der Studie der Kirche weitaus mehr schadet, als die Publikation der Ergebnisse. Denn bekanntlich ist nichts so gefährlich wie der Verdacht, der aufgrund unklarer Mutmaßungen schwelt.

Wie hätte das richtige Vorgehen ausgesehen?

Was wir gerade vor uns haben, ist ein heilloses Tohuwabohu, das schwer an den Flughafen-Flop des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit erinnert. Da erhält die ominöse Prophezeiung des dortigen Erzbischofs Rainer Maria Woelki, man werde sich bestimmt gut verstehen, eine ganz neue Bedeutung. Denn offenbar hat man zumindest den eklatanten Mangel an logischer Denkbefähigung gemeinsam.

Erstens: Wenn man ein weltliches Forschungsinstitut beauftragt, erst recht noch unter dem Vorsitz eines derart medienpräsenten Mannes wie Christian Pfeiffer, dann steht man ganz automatisch mit beiden Beinen in der Öffentlichkeit, ja, dann sucht man sie regelrecht. Ganz zu schweigen davon, dass ein solches Vorgehen einen intelligenten Kriminologen vom Schlage Pfeiffers erst richtig auf die Spur führt, die man angeblich verwischen will.
Also: entweder man erledigt die Angelegenheit gleich intern, verfügt dann auch über eigene, handverlesene Mitarbeiter und kann zensieren, so viel man will. Damit, dass eine solche “Studie” von keinem Menschen ernst genommen wird, muss man dann eben leben. Oder: man erteilt den Auftrag wie geschehen einem unabhängigen Forschungsinstitut – hält sich dann aber auch heraus. Mit allen Konsequenzen.

Außerdem muss man sich fragen, wieso die Missbrauchsstudie mit dem Kriegsende ansetzen sollte. Wem soll das nützen? Die meisten Betroffenen – Opfer wie Täter – dürften ohnehin verstorben sein, was besonders für die Täter gilt, da diese naturgemäß älter sind. Und Toten lässt sich bekanntlich alles nachsagen.

Ein logisches Vorgehen hätte zunächst einmal einer klare Zielsetzung bedurft. Und die lautet: Was wollen wir überhaupt? Wiedergutmachung? Das hätte früher passieren müssen, da: siehe oben.
Oder doch eher: Rache? Ein bisschen in schmutziger Wäsche wühlen? Die Kirche an den Pranger stellen nach dem Motto “Und die Nazis hatten doch recht”? Ich bin sicher, dass nicht wenige Medien und ihre Konsumenten von diesen Motiven getrieben werden, die ich – aufrichtig gesagt – für nicht besonders hochwertig oder ehrenwert halte. Zumal wer mit 1945 anfängt, genau da weitermacht, wo die Nazis aufhörten (oder aufhören mussten).

Was ist oder muss also unser Ziel sein? Ganz einfach: Wir müssen wissen, was mit unserer Kirche eigentlich los ist, warum es zu den Missbrauchsfällen kommt – und wie sie in Zukunft zu verhindern sind. Dazu brauchen wir Untersuchungen über die Gegenwart und nahe Vergangenheit. Wir leben unter den Bedingungen von 2013 und nicht mehr unter denen von 1945. Und nur wenn wir die möglichst zeitnah arbeiten,  können wir, wie von der Studienleitung geplant, auch die Täter interviewen. Wir müssen wissen, was sie zu ihrer Tat getrieben hat. Einfach nur mit dem Finger auf einen Menschen zu zeigen mit einem kreischenden “Der hat das gemacht!” mag zwar sensationslüsterne Geister befriedigen, die auf Kindergartenniveau stehengeblieben sind, bringt aber nicht den geringsten Erkenntnisgewinn. Denn wir sollten nicht vergessen, dass – gerade in einem derart sensiblen Bereich wie der Sexualität – auch Täter Opfer sein können (besonders unter den kirchlichen Vorzeichen des Zölibats).

Aber genau da drängt sich die Frage aller Fragen auf: WOLLEN es die Bischöfe überhaupt wissen? Schließlich zieht Wissen auch die Verpflichtung nach sich, etwas an den Ursachen zu ändern. Und das ist etwas, was man beim besten Willen nicht gebrauchen kann.
Also legt man einen hektischen Aktionismus an den Tag, um so zu tun, als täte man etwas. In Wirklichkeit denkt man nicht im Traum daran, hat man sich doch in diesem Augeas-Stall einfach zu gut eingerichtet.

Wo liegt das Problem wirklich?

Außerdem: Es spricht vieles dafür, dass, von Einzelfällen abgesehen, exakt bis vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil praktisch nichts gewesen sein dürfte. Und ich glaube, dass genau hier auch das “Problem” in den Augen der Herren Bischöfe liegt. Die Ergebnisse halten ihnen nämlich einen Spiegel vor. Warum?

Die Gesellschaft hat sich verändert, woran die Kirche einen Großteil der Schuld trägt. Sex gibt es an jeder Straßenecke, Prostitution ist in vielen Ländern ein anerkannter Beruf, und wenn man gerade Lust hat, ob Laie oder Geistlicher, geht man in den Puff. Man kann sich auch im Internet Pornos runterladen (wenn man sie nicht gleich mit bischöflichem Segen vom kircheneigenen Verlag ersteht), man kann sich Kinder kaufen, und wer schwul ist, hat beste Karrierechancen bei der Kirche, auf deren homosexuelle Seilschaften man sich verlassen kann. Vergewaltigung ist ein normales Konsumverhalten, wer Opfer wird, hatte einfach Pech und landet auf der Müllhalde. Liebe ist zu Sex und Bedürfnisbefriedigung verkommen, die keine qualitativen Unterschiede mehr zu einem Toilettengang aufweist. Das ist die Fratze unserer Gesellschaft – und das ist auch die Fratze unserer Kirche.

Denn der Mensch gilt nichts mehr, weil Gott nichts mehr gilt. Auf dem Heiligsten wird herumgetrampelt, alles wird besudelt. Und hier liegt der große, diametrale Unterschied zu der Kirche Pius XII. Geeint durch einen starken Glauben und eine intakte Liturgie standen Klerus und Gläubige zusammen – unter einem Papst, der sich selbst noch als den Stellvertreter Gottes auf Erden erkannte und sich eine entsprechend hohe Verantwortung auferlegte. Viele katholische Bekenner starben damals wie die Märtyrer des Urchristentums in den Vernichtungsfabriken der Nazis, die ebenso verzweifelt wie vergeblich versuchten, Priester in Schauprozessen der Homosexualität und des Kindesmissbrauchs zu bezichtigen und so einen Keil zwischen die Christen zu treiben. Nun reckt dieser Nazi-Abschaum erneut das Haupt – und es ist nicht auszuschließen, dass so mancher von diesen im Bischofsgewand daherkommt.

Aufgrund der schon im eigenen Interesse äußerst intensiven “Nachforschungen” der Nazis wissen wir, dass praktisch keine Fälle von Homosexualität und Missbrauch nachgewiesen werden konnten. Dies dürfte sich nach der Zerschlagung des Dritten Reiches für die Fortdauer des Pontifikats Pius XII kaum geändert haben. Erst mit dem großen Einschnitt, den das Zweite Vatikanum brachte, änderte sich nachweislich eine ganze Menge. So bestieg mit Paul VI ein Papst, der seine Homosexualität auslebte, den Stuhl Petri.

Folglich liegt das Problem höchstwahrscheinlich darin, dass in den 40ger und 50er Jahren nichts war – und dass es sich nach dem Konzil von Jahr zu Jahr verschlimmerte. Das käme natürlich einer Bankrotterklärung der Nachkonzilskirche gleich. Etwas, das unter allen Umständen verhindert werden muss.

Und noch etwas würde sich herausstellen: Die – höchst effiziente – Existenz der homosexuellen Netzwerke, die ihresgleichen deckten und schützten. Eminenteste  Beispiele dafür sind die Päpste Paul VI und Johannes Paul II: der eine versorgte seine homosexuellen Schützlinge mit einflussreichen Positionen und schuf auf diese Weise eine Grundlage für ein bis heute bestehendes Netzwerk im Vatikan, der andere deckte den Kinder-, Frauen- und Männer”liebhaber” Marcial Maciel Degallado, Gründer der Legionäre Christi, bis zu seinem Tod.

Dies dürfte ein weiterer Grund sein, weshalb die Akten, die die Sexualität des Klerus betreffen, unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen sollen.
Die Erwartungshaltung der Gesellschaft

Ein anderer Kritikpunkt betrifft die Erwartungshaltung der Gesellschaft selbst, die sich kaum, von einer pseudo-humanen Verbrämung abgesehen, von der der Nazis unterscheiden dürfte. Dies macht einen sachlichen Umgang mit dem Thema nahezu unmöglich, ist man doch ebensowenig wie die Bischöfe an einer Änderung der Zustände interessiert.
Man will seinen brünstigen Geistlichen haben, auf den man mit Fingern zeigen und den man bespucken kann, und genauso, wie man mit staatlichem Segen einen neuen Antisemitismus ausbrütet, der sich, um edler zu erscheinen, auf das tatsächliche oder angebliche Leid der Palästinenser beruft, züchtet man auch hier wieder ein Antichristentum nationalsozialistischen Zuschnitts. Und die “Porno-Bischöfe” liefern – in erster Linie, indem sie Verdacht schüren. Das ist die infamste Art der Denunziation. Sollen sie den Untersuchungen freien Lauf lassen – und wir werden sehen, wer am Pranger steht.

Ich bin sicher, dass der ebenso bundesdeutsche wie weltweite Durchschnitt der meisten Politiker und ganz normaler Familien von Lieschen Müller bis Otto Normalverbraucher ziemlich dumm aus der (schmutzigen?) Wäsche schauen würde, wenn man IHRE Missbrauchsgeschichte ab Kriegsende untersuchen wollte. Wie viele Politiker dürften sich auf Parties der internationalen Diplomaten”elite” hier und da ein paar schöne Knäblein oder auch Mägdelein geteilt haben, Babys inbegriffen? Wie viele Marc Dutroux´s hat es seit Kriegsende gegeben? Wie viele nette Onkels haben sich seither über ihre Nichten und Neffen hergemacht?

Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Und ich fürchte, genau da befindet sich der größte Teil der Gesellschaft – zusammen mit den Bischöfen?

Was in diesem Zusammenhang Justizministerin (!) Leutheusser-Schnarrenberger betrifft: Sie sollte sich besser etwas zurückhalten. Denn nach Erkenntnissen der Organisation Carechild hat sie selbst so einiges vertuscht:

http://www.carechild.de/news/stories/bundesjustizministerin_leutheusser_schnarrenberger_und_die_humanistische_union_620_1.html

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