Jesus sagte: “Meine Frau” – Ein Papyrus als politische Waffe?

Als ich mich einst entschied, Papyrologie zu studieren, hätte ich nie geglaubt, dass ich es einmal mit einem Kriminalfall zu tun bekäme. Doch in dem Augenblick, wenn das Wort “Fälschung” ins Spiel kommt, befindet man sich rasch in einem zumindest leicht kriminell angehauchten Milieu. Besonders, wenn die Fälschung politisch relevant sein könnte. Dieser Eindruck drängt sich leider auf, wenn man die zahllosen Unklarheiten, Widersprüche und vielleicht sogar Lügen in Betracht zieht, die mit dem seltsamen Papyrusfund um Jesu Ehe verbunden sind. Dabei ist es die Entdeckerin Karen L. King selbst, die die Verwirrung stiftet. Sie hat mehrere Quellen produziert, die einander widersprechen: sie hat einen Aufsatz geschrieben, Interviews gegeben und sich bei der Wahrheitsfindung – was immer sie darunter verstanden haben mag- angeblich ständig von einem Reporter begleiten lassen, der seinerseits widersprüchliche Angaben macht.

Außerdem listet sie auf ihrer Harvard-Homepage sehr potente Geldgeber auf, deren Seriosität zumindest hinterfragt werden darf.

Und dann wäre da noch die sorgfältig geplante weltweite Medieninszenierung, die aus einer Mücke einen Elefanten macht und auf der Grundlage eines kleinen Zettels den Untergang des Christentums ableiten will – verbunden mit der entsprechenden, nur schlecht verbrämten Hetze.

Vor diesem Hintergrund geht es längst nicht mehr um die Frage, ob der Papyrus echt ist, denn selbst wenn er es wäre, böte er nur ein weiteres Beispiel der zahllosen gnostischen Apokryphen, die je nach Geschmack des Urhebers einmal Thomas, dann Judas oder eben Maria Magdalena zur einzig wahren Vertrauensperson Jesu erklären. Selbst King hat zugegeben, dass es in Wirklichkeit um etwas ganz andres geht.

Nach dem Gebot der wissenschaftlichen Fairness bin ich zunächst einmal davon ausgegangen, dass der von King vorgelegte Papyrus echt sein könnte. In diesem Sinne wird er auch besprochen. Für die Analyse der sprachlichen und grammatikalischen Details verweise ich auf entsprechende Arbeiten koptologischer Experten. Der hier vorgelegte Aufsatz versteht sich lediglich als Materialsammlung, die einen raschen Überblick über Zusammenhänge und Hintergründe ermöglichen soll.

Sehen wir uns also diesen ominösen kleinen Zettel genauer an und die seltsamen Umstände, die seine Veröffentlichung begleiten.

I Thesen

  1. Das Forscherteam geht selektiv mit der Wahrheit um.
  2. Bei der Zitation von Parallelstellen achtet King sorgfältig darauf, was beim Leser ankommt. Notfalls wird dann eben lückenhaft oder verfälscht zitiert.
  3. Es scheint -vorsichtig ausgedrückt- Hinweise darauf zu geben, dass die Entdecker des Papyrus zugleich seine Verfasser sind.
  4.  Wenn es sich tatsächlich um eine Fälschung handeln sollte, wäre es der zweite Betrugsversuch, der von der Eliteuniversität Harvard unterstützt wird.
  5.  Kings “Entdeckung” stünde damit in einer Tradition der Fälschung, um das Christentum zu kompromittieren
  6. Die Entdeckung und deren Publikation scheint eine Auftragsarbeit für potente Geldgeber zu sein
  7.  Der Papyrus wurde bewusst bis zum 50-jährigen Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückgehalten.
  8.  Es sollte so etwas wie ein verspäteter 11. September für die Kirche werden.
  9.  Betroffen ist in erster Linie die katholische Kirche, jedoch in seiner Konsequenz umfasst der “Anschlag” das gesamte Christentum.
  10.  Wenn der Papyrus echt sein sollte, ändert sich nicht viel am Tatbestand. In diesem Fall handelte es sich um eine gnostische Apokryphe, die als “christliches Quellenmaterial” vorgelegt wird. Diese Begriffsverwirrung hätte den gleichen Effekt wie eine Fälschung.
  11. Im Vordergrund steht nicht die Frage, ob der Papyrus echt ist. Es geht auch nicht einmal in erster Linie um Zölibat und Frauenordination, wie es den Anschein hat. Er dient einfach als Katalysator, um eine Diskussion anzustoßen über die Göttlichkeit Jesu, die Berechtigung des Christentums an sich und die Schaffung eines neuen Christentums auf gnostischer Grundlage
  12. Hier geht es nicht um Wissenschaft, sondern um Religion als Vehikel der Politik. Ich werde in diesem Aufsatz lückenlos beweisen, dass die Angelegenheit keine Privatsache einer Forscherin ist, die zufällig auf einen Papyrus gestoßen ist, sondern eine großangelegte Operation.

II Das Ereignis

Am 18. September 2012, abends um 7 Uhr, platzt die Bombe. In unmittelbarer Nähe des Petersdoms, des Zentrums der Christenheit. Zeitgleich posaunen die wichtigsten US-Medien die Neuigkeit in die Welt.
Der erwartungsgemäße Jubel der internationalen Medien setzt am nächsten Morgen ein. “Papyrus-Fund – Jesus heiratete Maria Magdalena“, wird etwa „Die Welt“ in ihrer Online-Ausgabe titeln.
Im Mittelpunkt steht die Professorin Karen L. King. Im Gegensatz zu dem, was viele Medien berichteten, ist sie weder Koptologin noch Papyrologin, sondern Religionswissenschaftlerin und Historikerin; an der Harvard Divinity School ist sie zuständig für die Geschichte des Christentums. Ihre Schwerpunkte liegen auf gnostischer Literatur und Gender Studies (Frauen und Sexualität im frühen Christentum).

III Der Papyrus

Die Harvard-Wissenschaftlerin Karen L. King präsentiert dem Fachpublikum einen kleinen Papyrusfetzen, auf dem unübersehbar in koptischer Sprache zu lesen ist: „Jesus sagte: Meine Frau“. Aufgrund seines Inhalts hat sie ihm den Namen The Gospel of Jesus´s Wife (GosJesWife, im folgenden: GJW) gegeben: Das Evangelium der Frau Jesu; wie sie selbst betont, ohne damit den Text auf eine Literaturgattung oder auf die Frau Jesu als Autorin festlegen zu wollen. Ebenso wenig wolle sie damit eine Aussage über den antiken Titel des Werkes oder den Wahrheitsgehalt des Inhalts treffen. Sollte der Papyrusfetzen echt sein, wäre er der erste Beleg dafür, dass man darüber diskutierte, ob Jesus verheiratet gewesen sein könnte (und nicht mehr!). Begleitend wird auf der Seite der Harvard Divinity School eine seriös wirkende wissenschaftliche Darstellung vorab online gestellt, die im Januar 2013 in der Harvard Theological Review (HThR) erscheinen soll (1), verfasst von Karen L. King und ihrer Kollegin AnneMarie Luijendijk.

King geht davon aus, dass der Papyrus in Anbetracht seiner Beschädigungen von einem antiken Abfallhaufen gekommen sein könnte. Dies ist nichts Ungewöhnliches. Grabstätten und Abfallhaufen sind typische Fundstätten. Von der Antike bis in die neueste Zeit wurde das im Überfluß zur Verfügung stehende Papyrusmaterial von den Einheimischen zum Feuern benutzt. Gleiches geschah etwa dem Qumran-Bestand. Der Umgang entsprach dem unsrigen mit alten Zeitungen – bis die Einheimischen verstanden, dass sich damit eine Menge Geld verdienen ließ.
King selbst räumt ein, dass auf den Abfallhaufen die meisten der frühesten Papyri des Neuen Testaments und andere literarische und dokumentarische Papyri gefunden wurden.

Umso merkwürdiger ist da ihre Suggestion, der GJW-Papyrus könne auf den Abfallhaufen geworfen worden sein, weil er den sich durchsetzenden, auf Askese ausgerichteten Lehren der Kirche und dem entstehenden Mönchtum zuwiderlief. Wenn selbst hochwertige literarische Schriften dort landeten, was war dann für einen Zettel schlechtester Qualität zu erwarten, der erkennbar für den privaten Gebrauch bestimmt war? Interessant ist, wie King ihre Suggestion von der allgemeingültigen Tatsache räumlich trennt, damit der Widerspruch nicht allzu sehr auffällt: die Feststellung, dass auf den Abfallhaufen die meisten NT-Papyri usw. gefunden werden, befindet sich auf S. 10 ihres Aufsatzes, die Suggestion, die Christen hätten den Papyrus verschwinden lassen, auf S. 51 in der Zusammenfassung.
Von einigen wurde die Echtheit des Fragments aufgrund der scharfen oberen und linken Schnittkante angezweifelt. Hatte hier etwa ein moderner Fälscher ein Stück Papyrus erworben und dann „antik“ beschrieben? Allerdings ist hier tatsächlich nicht auszuschließen, dass ein moderner Händler das bereits beschriebene Stück aus einem echten Papyrus ausschnitt, um durch den Verkauf mehrerer Teile seinen Umsatz steigern zu können.

IV Der Text

Der Papyrus ist beidseitig beschrieben. Acht Zeilen sind auf der Vorderseite (Recto), drei auf der Rückseite (Verso) erhalten.
Die uns vorliegenden Zeilen sind aus dem Zusammenhang gerissen. Es erscheint etwas verdächtig, dass ausgerechnet die „sensationelle“ Stelle erhalten ist, während der Kontext eigentlich keinen Sinn ergibt. Dass diese Stelle dann auch noch durch den Auftrag der Tinte besonders hervorgehoben ist, trägt auch nicht gerade zur Vertrauenswürdigkeit bei.

Hier die deutsche Übersetzung, ausgehend von Kings Textwiedergabe:

Recto

1 ] „nicht (zu) mir. Meine Mutter gab mir das Le[ben…“
2 ] Die Jünger sagten zu Jesus, „. [
3 ] verweigern. Maria ist dessen würdig [ oder alternativ: n(icht) würdig
4 ] ….. Jesus sagte zu ihnen: „Meine Frau .. [
5 ] … sie wird fähig sein, mein Jünger zu sein .. [
6 ] Lasst böse Menschen anschwellen … [
7 ] . Was mich betrifft, ich wohne mit ihr, um . [
8 Papyrus abgebrochen, +/- 6 Buchst.,] . ein Bild [
9 unleserliche Tintenspuren

Verso

1 ] meine Mutter [
2 ] drei [
3 ] … [
4 ] hinaus welche … [
Zeile 5 und 6 enthalten unleserliche Tintenspuren.

In ihrer Edition gehen die Herausgeber davon aus, dass sich auf dem Verso zu beiden Seiten der erhaltenen Wörter noch weiterer Text befunden haben könnte (daher die eckigen Klammern). Aus dem von King veröffentlichten Photo läßt sich dies praktisch nicht erkennen; lediglich in der vierten Zeile könnten Spuren nach links in die Mitte des Blattes hineinragen, sofern sie nicht lediglich auf Beschädigungen der Oberfläche zurückzuführen sind. Soweit erkennbar, ist nur die rechte Hälfte des Blatts beschrieben. Die Schrift ist sehr schwach und kaum entzifferbar, aber offenbar von derselben Hand. Das Ganze sieht einem Notizzettel, auf dem jemand nur einige Stichworte untereinander notiert hat, überaus ähnlich. Der schlechte Erhaltungszustand der Rückseite könnte nach Ansicht des Teams darauf hindeuten, welche Seite den Umwelteinflüssen ausgesetzt war. Etwas seltsam ist m.E. der unterschiedliche Erhaltungszustand der Papyrusfasern, auf denen sich der erste Teil der Schrift befindet. Sie wirken, als hätte jemand frischere Papyrusfasern darübergeklebt.

V Die Deutung

Das, was wir lesen können, sagt uns folgendes: Irgendjemand sagt, dass ihm seine Mutter das Leben geschenkt habe. Worauf die Jünger irgendwann im Textverlauf (wir wissen nicht, wann, weil uns die originale Größe des Papyrus unbekannt ist) irgendetwas zu Jesus sagen. Irgendjemand spricht von „verweigern“ und dass eine gewisse Maria irgendeiner Sache (nicht) würdig sei. Es schließt sich die „gewisse“ Stelle an, an der Jesus von „meiner Frau“ spricht und davon, dass offenbar diese fähig sein wird, sein Jünger zu sein. Dann sagt irgendjemand, wahrscheinlich Jesus, man solle ruhig böse Menschen (wahrscheinlich vor Wut) anschwellen lassen, er werde mit ihr zusammenleben. Ob das Wort „schwellen“ die richtige Übersetzung ist, ist angesichts der Verbform, die der Papyrus bietet, strittig. Die Herausgeber verweisen auf krankheitsbedingte körperliche Schwellungen, wie Tumore. Wenn da überhaupt etwas Sinnvolles steht, muss es wohl eher in übertragenem Sinne verstanden werden (2).

King geht davon aus, dass Jesus zum einen den Wert seiner Mutter verteidigt, zum anderen darauf besteht, dass die besagte Maria (wahrscheinlich Magdalena) bei der Gruppe der Jünger bleibt, weil sie dessen wert sei und die Fähigkeit habe, selbst dereinst eine Jüngerin zu werden. Auch wenn andere „anschwellen“ (platzten vor Wut ?), die schon einmal als „böse Menschen“ abqualifiziert werden, werde er mit seiner Frau zusammenleben.

In der Tat passt dieses etwas an ein trotziges Kind erinnernde Benehmen zu der Darstellung Jesu in den gnostischen „Evangelien“.

King selbst stellt die Verbindung zum Thomas-Evangelium (GosThom101) und zur koptischen Version des Lukasevangeliums (14,26) her. Sie deutet die Reste der ersten Teile als Überbleibsel der Nachfolgepassage im Thomas-Evangelium „Wenn einer nicht Vater und Mutter hasst wie ich, so kann er nicht mein Jünger sein. Und wer auch immer seinen Vater und seine Mutter nicht so liebt wie ich, kann nicht mein Jünger sein.“ Der nächste Satz im Thomasevangelium ist so stark verderbt, dass sein Inhalt nur vermutet werden kann: „Denn meine Mutter ist die, die […]. Aber [meine Mutter], die wahre, gab mir das Leben.“ Es wird für das Thomasevangelium von der „wahren Mutter“ ausgegangen, die Jesus das wahre Leben gegeben habe, nämlich so etwas wie die Pistis Sophia, der Heilige Geist in weiblicher Gestalt. Eine beliebte Ausdrucksweise des dualistischen gnostischen Denkens, das zwischen der schlechten Materie und der einzig wahren Geistwelt unterscheidet.

Noch problematischer wird die Sache, wenn wir uns das Lukas-Zitat 14:26 ansehen:

Denn wer auch immer mir folgt und nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern und selbst seine eigene Seele (Leben) hasst, ist nicht fähig, mein Jünger zu werden.

Eine solche Konstellation ergibt für unsere Stelle keinen Sinn. Erstens steht es ganz einfach nicht da, zweitens, wenn es denn da stünde, wäre es unsinnig. Geht es doch hier eben gerade nicht um eine rein geistige Verbindung, sondern um eine durchaus körperliche, wie King selbst hervorhebt.

Warum sollte Jesus, wenn er kurz zuvor noch von anderen verlangt hat, Vater und Mutter zu hassen „so wie ich“, im nächsten Satz den Wert seiner Mutter herausheben? Und -erst recht unverständlich- warum sollte er dann darauf bestehen, selbst mit „seiner Frau zusammenzuleben“ und durch die Gegend zu ziehen, wenn er von seinen eigenen Gefolgsleuten die Loslösung von jeglichen Familienbanden verlangt? Dies ergibt auch dann keinen Sinn, wenn man, in typischer Gnostikermanier, einen Gegensatz zwischen dem materiellen und geistigen Leben annimmt. Mit einer Frau zusammenzuleben schließt alle sexuellen Konsequnezen mit ein -und genau darauf hebt ja King auch ab-, was die rein spirituelle Ausrichtung aber negiert.

In dem Bemühen, Maria Magdalena als jene Frau darzustellen, die von Jesus als „meine Frau“ verteidigt und wahrscheinlich von Petrus angegriffen wird, führt sie Parallelen aus anderen gnostischen Evangelien an, die „eine besonders intime Beziehung“ zwischen beiden beschreiben. Da sie vorzugsweise das Thomasevengelium zur Deutung von GJW heranzieht, beruft sie sich auch hier auf das Logion (Spruch) 114, in dem Petrus die Favoritin angreift. Und hier wird die wissenschaftlich ziemlich fragwürdige Arbeitsweise Kings deutlich: sie zitiert das, was sie gebrauchen kann, den Angriff des Petrus, im Originaltext – den Rest, der ungemütlich werden könnte, als Inhaltsangabe, die dann auch noch falsch ist:

So erklärt Jesus in GosThom 114, dass er fähig ist, Maria zu führen, so dass sie ein lebendiger Geist werden und in das Himmelreich eintreten kann. (3)

Der Text lautet in Wirklichkeit:

(114) Simon Petrus sprach zu ihnen: „Mariham soll von uns fortgehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig.“
Jesus sprach: „Seht, ich werde sie führen, um sie männlich zu machen, dass auch sie ein lebendiger Geist [πνευ̃μα] wird, der euch Männern gleicht. Denn jede Frau, die sich männlich macht, wird in das Königreich des Himmels eingehen.“

Mit anderen Worten: Jesus widerspricht der frauenhassenden Äußerung des Petrus in keinster Weise. Er betont lediglich, dass die eine gewisse Maria (Magdalena) besser sei, weil sie zu einem Mann „umgeformt“ werden könne. Damit ist klar, dass eine Frau nur selig werden kann, wenn sie sich in einen Mann verwandelt.

Das ist für eine religiöse Frauenrechtlerin, die sich ständig auf die gnostischen Evangelien beruft, natürlich „megapeinlich“. Was also tun? Einfach die Stelle falsch wiedergeben, in dr Hoffnung, dass die Leute nicht nachprüfen werden. Noch peinlicher: dieser Zug ist typisch gnostisch. Die Frau wird als Lebensspenderin wird ebenso wie die Ehe abgelehnt, weil sie ständig die materielle Scheinwelt erneuert. Denn die Schöpfung ist als Werk des bösen Demiurgos verachtenswert.

Wie sieht es nun aus mit der Ehe zwischen Jesus und Maria Magdalena? Wie wir oben sahen, ergeben sich unlösbare Probleme, wenn man zu Anfang des Textes die Nachfolgepassage annimmt.
King versucht dem Dilemma zu entkommen, indem sie eine „symbolische Ehe“ annimmt, um den Jüngern zu zeigen, wie eine „richtige“ christliche (oder vielmehr gnostische) Ehe aussehen müsse. Denn schließlich steht da als letztes erkennbares Wort so etwas wie „Bild“. daraus folgert King nun sehr phantasievoll, dass Jesus hier sagen wolle, dass seine Ehe ein „Bild“ für etwas sei. Dazu nimmt sie Bezug auf das Philippus-Evangelium, in dem auf sehr mysteriöse Weise von einem Brautgemach die Rede ist. Die Ehe sei unrein, wenn sie nicht nach bestimmten Maßstäben von auserwählten und in die Mysterien eingeweihten Menschen vollzogen werde. In der Forschung wird davon ausgegangen, dass es sich hier um einen gnostischen „Ritus des Brautgemachs“ handelt. Der Verfasser des Philippus-Evangeliums stellt klar, dass eine „reine Ehe“ nicht vom Begehren getragen werde, sondern vom „Willen“. Bei dieser Vereinigung werde die Seele von verunreinigenden Dämonen gereinigt. (4)
In einem solchen Akt, der keiner sei, werde die Wahrheit, die Erleuchtung, die Erkenntnis vermittelt. Also ein typisches gnostisches Initiationsgeschehen.

Daraus folgert King, dass Jesus sagen wolle, seine Ehe sei ein Bild einer solchen vom Willen getragenen Verbindung. Insofern könne die Passage „Ich wohne mit ihr“ auch bedeuten „Ich bin/existiere mit ihr“, im Sinne einer spirituellen Einheit in Verbindung mit einer wirklichen Ehe. So diene die Beziehung Jesu zu seiner Frau als ein „symbolisches Paradigma“ oder Bild, mit dem er seine Jünger nicht nur über die Natur der Erlösung, sondern auch über korrekte sexuelle Beziehungen belehre – wie im Philippus-Evangelium.(5)

Mit alledem begibt sie sich auf ein ganz gefährliches Pflaster. Sie verfällt voll der Suggestion (der wohl auch die frühen, in die Irre geleiteten Christen verfielen), dass die Ehe in diesem Ritus nicht vollzogen worden sei – was spätere Fortpflanzung allerdings nicht ausgeschlossen habe. Das ist meines Erachtens eine irrige Interpretation. Denn gnostische Riten, von denen auch der Vajrayana- Buddhismus geprägt ist, haben durchaus den Akt vollzogen. Allerdings sollte eine Fortpflanzung dabei vermieden werden, da die Materie ja böse ist. Denn diese Art von Akt fußt auf der heidnischen Vorstellung vom Hierosgamos, der „heiligen Ehe“, in der sich entweder König und Königin oder der König als Hohepriester mit einer Priesterin im Tempel verband, um die Einheit mit der Gottheit oder ihre (spirituelle) „Inkarnation“ zu ermöglichen. Selbst die Tempelprostitution ist damit zu begründen.
Auf diesem Gedankengebäude fußen typische gnostische Riten, wie sie auch den Satanismus prägen, in denen der Geschlechtsakt mit einer „heiligen Hure“ als Teil der Schwarzen Messe vollzogen wird. Das Motiv des Willens erinnert zudem an das Motto des Satanisten Aleister Crowley: „Liebe ist das Gesetz. Liebe unter Willen.“

Da King den Begriff „häretisch“ nicht anerkennt, macht sie zwischen „gnostisch“ und „christlich“ keinen Unterschied. Ihre Emotionalität führt daher zu Ungenauigkeiten und Falschdarstellungen.

VI Die Sprache

Koptisch ist die Sprache der ägyptischen Christen, eine Verbindung aus Griechisch und Demotisch. Hier ist es der sahidische Dialekt. King selbst räumt ein, dass sahidisches Koptisch „notorisch“ schwer zu datieren ist. Zudem lässt es sich charakterisieren als “eine Ansammlung von linguistischen Gewohnheiten, die nur unvollkommen oder abweichend standardisiert sind”. Mit anderen Worten: Fehler fallen nicht so auf, weil es kein festgefügtes Regelsystem gab(6). Für einen Fälscher könnte es damit die Sprache der Wahl gewesen sein.

VII Die Datierung

Wenn der Papyrus denn echt sein sollte, stammt er vielleicht aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts. Bestenfalls fußt er auf einem griechischen Original aus der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, von King selbst auf die Zeitspanne zwischen 150 und 280 n. Chr. eingeschränkt. Das früheste Datum läge also rund 120 Jahre nach Jesu Tod. Mit anderen Worten: wer auch immer dieses Ding geschrieben hat, konnte Christus nicht mehr persönlich gekannt haben.

Jeder Papyrologie-Student lernt in seinen ersten Semestern, wie unglaublich geschickt die Einheimischen darin sind, Fälschungen herzustellen, nachdem ihnen erst einmal aufgegangen war, dass die “Westler” dafür Unsummen hinzublättern bereit sind. Antikes Papyrus-Material ist leicht zu bekommen (Antikmärkte u. dgl.), das anschließend beschrieben und entsprechend bearbeitet werden kann. Da hilft dann auch die C14-Methode nicht weiter. Papyri können absolut problemlos und sogar für Experten schwer erkennbar gefälscht werden.

VIII Die Schrift

Da ist zunächst einmal die merkwürdig unbeholfene, plumpe Schrift, als hätte jemand Buchstaben abgemalt, für die er kein Verständnis hatte. Und ausgerechnet an strategisch wichtiger Stelle, wo Jesus “Meine Frau” sagt, ist die Tinte so dick aufgetragen, dass es scheint, als habe da jemand nachmalen wollen. Fehlt eigentlich nur noch die Unterstreichung mit Rotstift. Der Papyrologe Roger Bagnall, der zu Kings Team gehört, deutet gerade diese Unvollkommenheiten als  Argument für die Echtheit. Ein Fälscher hätte dafür über geradezu “perverse Fähigkeiten” verfügen müssen.
Das Schriftbild sei auf eine stumpfe Feder zurückzuführen, aus der die Tinte unregelmäßig hervorkam. Die Christen seien damals sehr arm und verfolgt gewesen und hätten zu allem greifen müssen, was sie finden konnten.
Außerdem könne die Erscheinung auf ein zu heftiges Eintauchen der Feder in die Tinte zurückzuführen sein. Aber ausgerechnet die Papyri, die King als vergleichbare Beispiele anführt (P.Ryl.Copt 314 and 396 Abbildungen online unter http://enriqueta.man.ac.uk/luna/servlet/ManchesterDev~93~3), scheinen sie zu widerlegen. Zwar gibt es auch dort das Phänomen, dass deutlich erkennbar ist, an welcher Stelle die Feder neu eingetaucht wurde mit dem Ergebnis stärker hervortretender Buchstaben, jedoch betrifft dies meistens einen einzigen Buchstaben, höchstens zwei.
Zudem unterscheidet sich der flüssige, feine Schreibstil grundlegend von GJW, was nicht allein auf die zeitliche Differenz zurückgeführt werden kann (5.-6. bzw. 10-11.Jh.).
Gleiches gilt für den Vergleich der Handschrift mit der von Codex Schøyen (Kopie des Matthäusevangeliums, 1. Hälfte 4. Jh.).
Neuere Erkenntnisse haben jetzt allerdings ergeben, dass das Blatt nicht mit dem zu jener Zeit üblichen Kalamos beschrieben wurde, sondern mit einem Pinsel, was eine Fälschung wahrscheinlich macht (7).
Die schlechte Qualität führt King ferner darauf zurück, dass GJW eher für private Zwecke gebraucht wurde. Dies stellt jedoch wiederum den Wahrheitsgehalt des Inhalts in Frage. Denn die Wichtigkeit eines Dokuments steigt natürlich mit dem Grad seines offiziellen Charakters. Es ist eben ein Unterschied zwischen einem Konzilstext oder liturgischem Schriftgut und einem privaten Notizzettel, auf dem irgendjemand seine ganz persönlichen Ideen festgehalten hat.

Das Schlimmste abgesehen von einer Fälschung, das den Entdeckern passieren könnte, wäre ein Amulett. In diesem Falle würde es sich um eine Aneinanderreihung von magischen Wortkombinationen handeln, denen etwa Zahlensymbolik zugrundeläge. Den Inhalt könnte man dann in jedem Fall vergessen. Tatsächlich würden die Maße dazu passen. Allerdings wurden diese Zettel gefaltet, was zumindest auf dem publizierten Photo schwer zu erkennen ist.

Um die Authentizität zu stützen, weist Kings Team auf die Beschädigungen des Papyrus hin, wobei sie zugeben, dass das beschädigte Material selbst nicht als Echtheitsbeleg dienen kann. Denn alten Papyrus kann man auf jedem Antikmarkt erwerben und dann “antik” beschreiben. King beruft sich vielmehr auf die Beschädigungen, die nach der Beschriftung entstanden sein müssen und „schwierig“ künstlich zu bewerkstelligen wären. Schwierig vielleicht, aber es wäre möglich. Etwa der gespaltene horizontale Strich des “Pi” in Zeile 4 in “pede”. Mit etwas Geschick dürfte es m.E. kein Problem sein, hier notfalls mit einer Nadel nachzuhelfen. Bei einem Schriftstück von solcher Sprengkraft lohnt sich die Mühe. Es dürfte nicht wenige Interessenten geben, die bereit wären, so ziemlich jeden Preis zu zahlen.

IX Die Provenienz

Ein ganz erhebliches Problem ist jedoch die Frage nach der Provenienz. Natürlich halten sich Papyri am besten im ägyptischen Wüstensand und auch die Sprache deutet grob darauf hin. Das sahidische Koptisch verweist auf Oberägypten (Südägypten).
Aber das genügt nicht. Um die Vertrauenswürdigkeit einigermaßen einschätzen zu können, brauchen wir möglichst genaue Angaben über Ort und Umstände des Fundes beziehungsweise des Erwerbs. Und die fehlen vollständig.

X Unstimmigkeiten, Widersprüche – Lügen?

1. Mysteriöse Besitzer, tote Zeugen

Als wären diese Unklarheiten nicht genug, möchte auch noch der Besitzer, der lediglich als Sammler von griechischen, koptischen und arabischen Papyri gekennzeichnet wird, anonym bleiben, angeblich, um nicht von Leuten verfolgt zu werden, die das Stück kaufen wollten. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich längst in Händen der Forschung befindet (und von der Universität Harvard gekauft werden soll), eine ziemlich seltsame Befürchtung. Auch King sieht den Verdacht, der hier aufkeimen könnte. Sie werde, so lässt sie die New York Times wissen, den Besitzer drängen, seine Identität zu offenbaren, um Verschwörungstheorien vorzubeugen.

Damit ist die moderne Geschichte des Papyrus nicht weniger rätselhaft.

Zusammen mit dem Papyrus legt der Besitzer etwas vor, dass offenbar als eine Art Echtheitszertifikat dienen soll – und dabei mehr Fragen aufwirft als es beantwortet. Es handelt sich um ein maschinengeschriebenes und signiertes Schreiben, datiert auf den 15. Juli 1982, das Prof. Dr. Peter Munro (Freie Universität, Ägyptologisches Seminar, Berlin) an einen gewissen H. U. Laukamp adressiert hat (der seinerseits völlig unbekannt ist). Der Brief bestätigt, dass ein Kollege, Prof. Fecht, einen Papyrus aus der Sammlung Laukamps als ein Fragment des Evangeliums des Johannes in koptischer Sprache aus dem 2. bis 4. Jahrhundert identifiziert hat. Er rate, das Fragment zwischen Glasplatten konservieren zu lassen, um es vor weiterem Schaden zu bewahren. Dieser Papyrus befindet sich in der Sammlung des Besitzers, zu der auch GJW gehört. Beide Fragmente befanden sich in demselben Bündel griechischer und koptischer Papyri.

Einmal ganz davon abgesehen, dass es reichlich optimistisch ist, von der (potentiellen) Echtheit des einen Papyrus auf die des anderen zu schließen, greift King buchstäblich nach jedem Grashalm: zusammen mit diesem Brief legt der Sammler einen Zettel vor, der mindestens so zweifelhaft ist wie der Papyrus, dessen Echtheit er bestätigen soll. Es handelt sich um eine handgeschriebene Notiz ohne Unterschrift und Datum:

“Professor Fecht glaubt, daß der kleine ca. 8 cm große Papyrus das einzige Beispiel für einen Text ist, in dem Jesus die direkte Rede in Bezug auf eine Ehefrau benutzt. Fecht meint, daß dies ein Beweis für eine mögliche Ehe sein könnte.”

Strenggenommen müssen wir also nicht nur die Echtheit eines angeblich antiken Papyrus prüfen, sondern auch noch die eines modernen “Empfehlungsschreibens”.

Was die ganze Sache noch etwas pikanter macht: alle Beteiligten sind verstorben (Munro 2009 nach Angabe Kings, laut Internet 2008, Laukamp 2001). Und Toten kann man leicht etwas unterschieben.
King nimmt also tapfer an, dass der ominöse Zettel zu der Korrespondenz zwischen Munro und Laukamp aus dem Jahr 1982 gehören könnte. Die Frage ist nur: wenn Munro in Bezug auf das Johannes-Fragment einen offiziellen Brief, maschinengeschrieben und unterzeichnet, verfasste, warum beschränkt er sich dann in Bezug auf das GJW-Fragment, das doch weit sensationeller ist, auf einen formlosen handgeschriebenen Zettel, der niemandem zugeordnet werden kann? Vorausgesetzt natürlich, dass er diesen Zettel selbst geschrieben hat. Hier könnte ein Handschriftenvergleich etwas mehr Klarheit bringen, wobei immer im Raum steht, dass man Handschriften auch fälschen kann. Gerade in diesem Kontext darf man nicht vergessen, dass Papyrologen Experten in der Analyse von Handschriften sind – die sie dann natürlich auch imitieren können. Mit anderen Worten: fälschen.

Und schließlich: wenn Prof. Fecht mit der Angelegenheit betraut war, warum schrieb er dann nicht ganz einfach selbst? Vielleicht weil er in Wirklichkeit gar nichts davon wusste und als “Experte” vorgeschoben wurde? Umso merkwürdiger ist, dass man auch in Bezug auf die Person dieses Prof. Fecht nur annehmen kann, dass es sich um jenen Gerhard Fecht gehandelt haben könnte, der in jener Zeit an der Fakultät für Ägyptologie der Freien Universität, Berlin war. Kaum nötig, zu sagen, dass auch er verstorben ist (2006).

Hinzukommt, dass kein ernstzunehmender Wissenschaftler einem, aus jeglichem Zusammenhang gerissenen Papyrusstück aus dem 4. Jahrhundert (!) Beweiskraft für die Frage nach Jesu Status zusprechen würde. Selbst King, eingedenk ihrer wissenschaftlichen Reputation, weist dies entschieden von sich, obwohl sie diese Schlussfolgerung faktisch nahelegt.

Und schließlich erhebt sich die Frage, warum keiner der kontaktierten Wissenschaftler Interesse daran hatte, die Sensation publik zu machen.

2. Der Ablauf der Ereignisse

Und rätselhaft geht es weiter.
Zum ersten Mal will King von der Existenz des Papyrus durch eine Mail des Besitzers erfahren haben: im Jahre 2010, wie sie den Medien erzählt. In ihrem Aufsatz lässt sie diese Information merkwürdigerweise aus. Hier berichtet sie lediglich, sie sei “per Mail” von dem Besitzer gebeten worden, sich den Inhalt des Papyrus einmal anzusehen.
Ariel Sabar, der Reporter vom Smithsonian Magazine, der sie “über Wochen” ständig begleitet haben will, suggeriert, seit der ersten “verdächtigen” Mail dabei gewesen zu sein.  Die Stelle ist es wert, wörtlich zitiert zu werden:

And Smithsonian magazine reporter Ariel Sabar has been covering the story behind the scenes for weeks, tracing King’s steps from when a suspicious e-mail hit her in-box to the nerve-racking moment when she thought the entire presentation would fall apart.

In seiner siebenteiligen Reportage (Ariel Sabar, The Inside Story of a Controversial New Text About Jesus, http://www.smithsonianmag.com/history-archaeology/The-Inside-Story-of-the-Controversial-New-Text-About-Jesus-170177076.html?c=y&page=1) berichtet Sabar dagegen auf Seite 3, King habe die erste Mail am 9. Juli 2010 erhalten, während der Sommerferien. Dies spricht dafür, dass der Anbieter sicherstellen wollte, dass King seine Mail auch wirklich las und sie nicht mitten im Stress des Semesters ignorierte. Die erste Frage der Wissenschaftlerin bezieht sich auf Datum und Provenienz. Die Antwort, die sie noch am selben Tag darauf erhält, verschweigt sie sowohl in ihrem Aufsatz als auch in späteren Interviews: Der mysteriöse Anbieter sagt aus, er habe den Papyrus 1997 von einem deutsch-amerikanischen Sammler gekauft, der ihn seinerseits in den späten 60ern in “Communist East Germany”, also in der DDR, erworben habe. Selbst als er eine Photoserie mitschickt, bleibt sie skeptisch. Angeblich geht sie von einer Fälschung aus. Außerdem hat sie “anderes” zu tun.
Fast ein Jahr später, im späten Juni 2011, schreibt der Mann sie erneut an. Diese Mail bekommt auch der Reporter zu Gesicht, wie er auf Seite 5 schreibt. Also hat er die “verdächtige Mail” doch nicht miterlebt?
Erinnern wir uns: Auf Seite 1 hatte er noch beschrieben, dass er ihre Schritte begleitet habe seit der (ersten) “verdächtigen Mail“ –  und wie er auf verschlungenen Pfaden in ihr Büro gelangt sei. Die “verdächtige Mail” kann nur die vom Juli 2010 sein. Und selbst wenn Sabar sich auf die vom Juni 2011 bezöge, wären es nicht Wochen, sondern etwas mehr als ein Jahr gewesen, die er an Kings Seite verbrachte.
Wiederum zwei Seiten später schreibt der Reporter, er habe King zum ersten Mal “im frühen September 2012” getroffen – und zwar in einem Restaurant in der Nähe ihres Büros. Sie sei geschockt gewesen, weil sie die entmutigende Analyse des dritten Kritikers bekommen habe. Die HThR werde ihren Beitrag nicht veröffentlichen, wenn sie nicht auf diese Einwände zeitnah antworten könne. Und in dem Fall müsse sie die Präsentation in Rom verschieben.
Es seien nur noch 2 Wochen, also 14 Tage, bis zu ihrer Präsentation in Rom gewesen. Da die Präsentation am 18. stattfand, muss dieses Treffen mit dem Reporter etwa am 4. gewesen sein. King reiste aber am 14. bereits ab. Am 13. gab sie den wichtigsten US- Medien Interviews. Nach dieser Darstellung konnte der Reporter Frau King also nicht “über Wochen” begleitet haben, sondern hatte allenfalls etwa 10 Tage Gelegenheit, sie ganz knapp kennenzulernen – und das zu schreiben, was man von ihm verlangte.

Ich halte die letzte Version für die wahrscheinlichste. Denn King konnte das Risiko nicht eingehen, dass über eine undichte Stelle etwas nach außen geriet, bevor sie ihre große Entdeckung in Rom vorgestellt hatte. Außerdem sollten die erwarteten “Schockwellen”, die die Christenheit heimsuchen sollten, nicht durch Vorbereitung und kritische Stellungnahmen im Vorfeld abgemildert werden.

Wenn die Behauptung von der wochenlangen – oder noch längeren – Begleitung stimmen sollte, stellt sich die Frage aller Fragen: Warum ließ King einen Reporter kommen, der sie auf Schritt und Tritt begleiten sollte, wenn sie eigentlich gar nicht an die Echtheit des Papyrus glaubte? Desgleichen gibt der von dem Reporter bezeugte Inhalt der Mail zu denken: der Anbieter schreibt, ein europäischer Manuskripthändler habe ihm eine beachtliche Geldsumme geboten, “fast zu gut um wahr zu sein”. Er wolle nicht, dass der Papyrus in einer privaten Sammlung verschwinde, “wenn es das ist, was wir denken, dass es sei”. WIR? Bezieht sich dies auf ihn und King? Aber war King nicht von einem Betrug ausgegangen?
Der Geheimnisvolle outet sich als Idealist: er wolle den Papyrus an eine angesehene Sammlung spenden – oder aber mit dem Verkauf warten, bis er publiziert sei. Später liest sich das anders: Harvard solle den Papyrus zusammen mit anderen erwerben. Geschäft ist eben Geschäft.

Mit anderen Worten: spätestens im Juni 2011 wusste King, dass daraus eine große Story werden würde. Zu einem Zeitpunkt also, als sie selbst nach eigenen Angaben nicht an die Echtheit des Fragments glaubte.
Dazu passt auch ihre harsche Reaktion auf das Angebot des Sammlers, den Papyrus per Post zu schicken: “Das werden Sie nicht tun! Sie werden kaum einen Brief mit der Post schicken wollen!” Ob sie sich dabei allerdings bereits von einem Reporter begleiten ließ, mag dahingestellt bleiben.

Im Dezember 2011 kommt der geheimnisvolle Mr X persönlich und liefert das Fragment per Hand an das Institut aus. Zudem gibt er “großzügig die Erlaubnis, es zu publizieren”. In diesem Zusammenhang stellt ihr auch Sabar die Frage, weshalb weder Munro noch Fecht die Gelegenheit ergriffen, den von ihnen offenbar als echt eingestuften Papyrus, der immerhin eine Sensation gewesen wäre, zu publizieren. Dafür hat King eine simple, um nicht zu sagen, naive Erklärung: “Leute, die sich für Ägyptologie interessieren, interessieren sich normalerweise nicht für das Christentum, sondern nur für Pharaonen-Zeug. Vielleicht waren sie einfach nicht interessiert.”
Das nimmt ihr wohl niemand ab. Wenn Fecht tatsächlich festgestellt haben sollte, dass dies der erste Beleg für eine Ehe Jesu sein könnte, wäre ihm die Tragweite klar gewesen. Er hätte die Sache zumindest weitergegeben.
Und im übrigen: Wenn beide Leute tatsächlich nur an “Pharaonenzeug” interessiert waren, woher nahmen sie dann eigentlich die Kompetenz, die Echtheit eines christlichen Papyrus aus dem vierten Jahrhundert nach Christus bestätigen zu können? Nach den im Internet zugänglichen Informationen, die mehr als spärlich sind, war Fecht übrigens tatsächlich auf das pharaonische Ägypten spezialisiert. Mit anderen Worten: der Papyrus war weit entfernt von seinem Zuständigkeitsbereich. Dies aber würde bedeuten, dass das ominöse Echtheitszertifikat wertlos wäre.

Weitere drei Monate vergehen. Da sie weder Koptologin noch Papyrologin ist, legt sie die Photos ihrer ehemaligen Doktorandin Anne Marie Luijendijk vor, die sie an Roger Bagnall weitergibt. Alle paar Wochen versammelt dieser acht bis neun Papyrologenkollegen in seinem Wohnzimmer, um bei Kaffee, Tee und Keksen über strittige Papyri zu diskutieren.
Er informiert King telephonisch darüber, dass alle einhellig der Meinung gewesen seien, dass der Papyrus echt sei. (Diese Insiderversammlungen sind nebenbei bemerkt als Klüngel bekannt, die sich dadurch auszeichnen, dass sie ausgesprochen karrierefördernd sind, weshalb “Einhelligkeit” schon als überlebensnotwendige Eigenschaft gilt. In solchen Gruppierungen hat prinzipiell der Gastgeber als Alpha-Tier die höchste Machtposition inne, weshalb Widerspruch kaum zu erwarten ist). Sabar hebt hervor, dass Bagnall für seine sehr konservative Einstellung bzgl. Echtheitsanerkennungen bekannt sei.
Vor diesem Hintergrund ist es umso überraschender, dass sein erstes Urteil sofort lautet: “Echt!”
Diese Episode wird King in ihren Interviews und in ihrem Aufsatz auslassen. Sie beschränkt sich auf die Darstellung, in der sie nach New York reist, mit dem Papyrus “in ihrer roten Handtasche“, um Expertenrat beim Institute for the Study of the Ancient World in New York einzuholen, wo sie das Stück gleich dem Leiter des Instituts, dem renommierten Papyrologen Roger Bagnall und AnneMarie Luijendijk von der Universität Princeton vorlegt. Aufgrund des Schriftbildes habe Bagnall auch zunächst an einen -vielleicht modernen- Fälscher gedacht, dies jedoch letztendlich auf die Schreibfeder zurückgeführt (die keine war, sondern ein Pinsel, wie wir uns erinnern).
In “langwierigen” Diskussionen einigt man sich darauf, das Fragment für echt zu halten und in das vierte Jahrhundert einzuordnen.

Allzu langwierig können diese Diskussionen indes nicht gewesen sein, da man sich ja vorher schon einig war.

3. Der ominöse dritte Kritiker

Jetzt erst beginnt der übliche papyrologische Prozess der kritischen Edition, Übersetzung und Interpretation des Textes. Im August 2012 wird der HThR eine erste Version vorgelegt, die gemäß den Richtlinien des Organs an mehrere anonyme Kritiker weitergeleitet wird. Dies ist zugleich ein Testmanöver, denn aufgrund des, wie King betont, “normalen externen Besprechungsprozesses” wird der Text zum ersten Mal einem überschaubaren Kreis von Kritikern vorgelegt. Eine ideale Gelegenheit, um die Sache auf Schwachstellen abzuklopfen, ohne das Risiko einer öffentlichen Blamage einzugehen. In der nun im Internet zugänglichen Version sind daher auch die meisten Problempunkte defensiv vorweggenommen. King selbst gibt zu, dass die Konfrontation mit den Einwänden geholfen habe, den Beitrag zu verstärken, mit anderen Worten: wasserdicht zu machen.
Gleichzeitig liegt das Datum so knapp, dass eventuelle externe Kritiker, sollte etwas nach außen geraten, das Fragment nicht mehr rechtzeitig vor dem Kongress untersuchen können, um eine angemessene Beurteilung zu liefern. Zudem weist das Magazin ausdrücklich darauf hin, dass die Rezensenten sehr beschäftigt seien, weshalb ein Feedback bis zu drei Monaten dauern könne.
Der Kreis der Rezensenten ist denn auch überschaubar: es sind gerade einmal drei (Sabar: zwei) Kritiker, denen man Photos des Papyrus – allerdings in niedriger Auflösung- überlässt. Keiner von ihnen weiß zu diesem Zeitpunkt von der positiven Beurteilung Bagnalls.
Einer akzeptiert das Fragment, zwei jedoch erheben Einwände, wie King ausdrücklich betont, ohne gänzlich sicher zu sein, dass es eine Fälschung sei. Die minderwertigen Photos dienen King als Begründung für die ablehnende Haltung zweier Kritiker. Sie vergisst, dass sich dieses Argument gegen sie verwenden lässt: denn vielleicht hat der erste Kritiker die Echtheit des Papyrus akzeptiert, WEIL er aufgrund der niedrigen Auflösung nicht genug sehen konnte?

Nach Kings Bericht empfehlen die Rezensenten, den Papyrus erfahrenen, auf koptisches Material spezialisierten Papyrologen vorzulegen, womit sie zu ihren Gunsten durchblicken lässt, dass ihre Kritiker nicht über die nötige Kompetenz verfügten. Dabei übersieht sie jedoch, dass diese Empfehlung überdeutlich gegen die Arbeit des Teams King/Luijendijk/Bagnall spricht: die auf der vorangegangenen Diskussion mit Roger Bagnall fußende Argumentation wurde von den Kritikern nicht als überzeugende Expertenmeinung empfunden.

Eine weitere Empfehlung legt nahe, die chemische Zusammensetzung der Tinte prüfen zu lassen. Letzteres hat King bis zur Präsentation in Rom unterlassen. Sie lässt die Medien lediglich wissen, dass sie eine spektroskopische Untersuchung “plane”. Wohlgemerkt keine C14-Untersuchung, weil der Papyrus durch das Abkratzen von Tinte beschädigt werden könnte. Sabar gegenüber gesteht sie ein, dass die Analyse der Tinte doch noch den Papyrus als Fälschung entlarven könnte. Ist das der Grund, weshalb man damit bis nach dem Kongress wartet? Weil man sich um keinen Preis die wohlgeplante Inszenierung zerstören lassen will?
Ein solches Vorgehen hat natürlich mit seriöser Wissenschaft nichts mehr zu tun.

Der dritte Kritiker verweist zusätzlich auf Schwierigkeiten mit Grammatik und Paläographie des Textes. Dieser dritte Kritiker schafft es immerhin, die Gemüter der Herausgeber wirklich zu beunruhigen. Seine Anmerkungen zu Syntax und Stil, für die man ihm freundlichst dankt, werden in die neue Version der Textbesprechung aufgenommen. Und nicht nur das. Die neue Version einschließlich Herausgabe des Textes, Übersetzung und Interpretation fußt zu einem erheblichen Teil auf der Auswertung des dritten Kritikers.

King gibt zu, dass man bezüglich der Echtheit des Papyrus unterschiedlicher Meinung geblieben sei. Die Herausgeber machen unmissverständlich klar, dass sie beschlossen haben, den Text weiterhin als echt einzustufen. Basta.

Erst danach werden Photos mit hoher Auflösung aufgenommen, die, wie King nun versichert, den Gelehrten auf der Website der Harvard Divinity School zugänglich gemacht werden sollen.
Ein solches Photo in hoher Auflösung wird an Ariel Shisha-Halevy, Professor für Koptische Linguistik an der Hebräischen Universität, Jerusalem geschickt – zusammen mit der Auswertung des anonymen dritten Kritikers. Shisha-Halevy bestätigt mit einer Mail vom 7. September 2012 die Echtheit des Papyrus. Es sind zu diesem Zeitpunkt nur noch elf Tage bis zu der Präsentation des Fragments auf dem Kongress in Rom.
Höflich bedankt man sich bei Bagnall, Shisha-Halevy und dem ominösen dritten Kritiker, “dessen Identität uns unbekannt geblieben ist”.

Die Anonymität dieses dritten Kritikers hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack. Es hätte den seriösen Eindruck zumindest unterstützt, wenn man sich um direkten Kontakt bemüht hätte, zumal die Person immerhin so qualifiziert gewesen sein muss, dass ihre/seine Auswertung die Analyse Kings erheblich beeinflussen konnte. Unwillkürlich stellt sich die Frage, ob man dies überhaupt wollte. Nach Sabars Darstellung war die Auswertung dieses dritten Kritikers immerhin so bedeutend, dass sie um ein Haar nicht nur die Publikation des Aufsatzes gestoppt, sondern sogar die ganze schöne Medieninszenierung in Rom gestürzt hätte.

4. Die Medieninszenierung

Zeitgleich mit Kings großem Auftritt in Rom melden die wichtigsten US-Medien die “Entdeckung” wie auf Kommando. ABC News berichtet bereits in seiner Morgensendung “Good Morning, America!” Am nächsten Morgen fallen einstimmig auch die Europäer ein. Ziel der Medienkampagne ist es, King als engagierte, seriöse und selbstlose Wissenschaftlerin darzustellen. Für den Fall des Fälschungsbeweises wird schon einmal ihre eigene Skepsis bekundet. Und vor allen Dingen trägt eine Menge Desinformation zu wohlkalkulierter Verwirrung bei. In ihren Interviews ebenso wie in ihrem Aufsatz für die HThR betont King, dass der Papyrus nicht beweisen könne, dass Jesus verheiratet gewesen sei – und schon gar nicht mit Maria Magdalena. Auch sei noch nicht ganz klar, ob der Papyrus echt sei. Den Medien ist das egal, und das weiß sie auch. Bis die Enttäuschung einsetzt, ist erst einmal eine hysterische Party angesagt. Es ist, darüber kann nichts hinwegtäuschen, eine konzertierte Aktion. Man hofft, allein die Präsentation des Papyrus werde “Schockwellen” in der Christenheit auslösen, wie Sabar schreibt. Dem Smithsonian-Reporter fällt die Aufgabe zu, sozusagen als Insider “King privat” zu schildern. Ihre Komplexe (in der Schule gehänselt), ihr unvollkommenes Äußeres, ihre Ängste, ihr Kampf um die wissenschaftliche Wahrheit. Eine Frau, mit der sich der Durchschnittsmensch identifizieren kann, und die dennoch eine Führungspersönlichkeit ist. Zusätzlich zu der Insider-Story kündigt der Smithsonian noch für diesen Herbst eine Dokumentation an, eine Art wissenschaftliches Reality-TV. Und am Morgen des 19.September sieht man die Frau, die von sich behauptet, schüchtern zu sein, in triumphierender Na-endlich!- Pose vor den Toren des Institutum Augustianum, in unmittelbarer Nähe von St. Peter.

XI Seltsame Übereinstimmungen – und seltsame Anspielungen

Karen L. King und ihre Unterstützer, namentlich der renommierte Papyrologe Roger Bagnall scheinen allen Grund zu haben, die Analysen zu fürchten.
Da ist zum einen der stereotyp wiederholte Hinweis Kings auf die wundersamen Parallelen zwischen dem Wortlaut von GJW und dem des Thomas-Evangeliums. Und Roger Bagnall gibt gleich zwei unvorsichtige Äußerungen zum besten:

Es wird Leute aus den Religionswissenschaften geben, die sagen, das ist mal wieder ganz Morton Smith. (Gegenüber Ariel Sabar vom Smithsonian)

Es ist schwer, ein gänzlich plausibles Szenario zu konstruieren, in dem jemand so etwas fälscht. Die Welt wimmelt nicht gerade von betrügerischen Papyrologen. (Gegenüber New York Times)

Und King will den Besitzer drängen, sich zu outen, um „Verschwörungstheorien“ zuvorzukommen.

Wovon das Herz voll ist, läuft der Mund offenbar über.

Prof. Francis Watson von der Universität Durham (8) konnte nun nachweisen, dass die Parallelen keineswegs überraschend sind. Der ganze Papyrus ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Werk eines modernen Fälschers, der schlicht und ergreifend aus dem Thomasevangelium Passagen abgeschrieben und in der Art einer Collage zusammengesetzt hat. So zeigt etwa die Einteilung der ersten Zeile, dass er sich an der Edition des Textes orientiert hat, wie sie 1989 erschienen ist. Damit scheidet eine griechische Vorlage aus dem 2. Jahrhundert aus.

Watson beschreibt eine sklavische Abhängigkeit das Fälschers von dem Thomastext, die wohl darauf zurückzuführen ist, dass die Person Angst hatte, etwas falsch zu machen. Auf dieses Motiv dürfte auch die Tatsache zurückzuführen sein, dass wir es lediglich mit einem derartig kleinen Papyrus zu tun haben, da die Fehlerwahrscheinlichkeit natürlich mit dem Umfang des Textes zunimmt. Mit anderen Worten: ein größerer Text, aus dem GJW ausgeschnitten worden wäre, hätte in diesem Fall nie existiert. So wäre GJW der vollständige Text, dazu „designt“, der Öffentlichkeit jene Aussagen zu vermitteln, die im Interesse des Fälschers (oder der Fälscherin) lagen. Dies wäre auch eine Erklärung für die unbeholfene Schrift.
Die unklaren Stellen dürften meines Erachtens absichtlich eingefügt worden sein, um dem Papyrus etwas Originales zu verpassen, das eine Diskussion erforderte. Am Ende seines Aufsatzes stellt Watson die vielsagende Frage:

Ist dieser neue heterosexuelle Jesus geschaffen worden, um Smith´s homosexuellen zu ergänzen?

Damit stellt sich die Frage:

1. Was hat es mit Morton Smith auf sich?

Morton Smith (1915-1991) war ein amerikanischer Historiker und Theologe. Er erwarb Bachelorgrade am Harvard College und der Harvard Divinity School, promovierte an der Hebrew University of Jerusalem und wiederum an der Harvard Divinity School. Weitgehend negative Berühmtheit erlangte er als Entdecker und Fälscher des Geheimen Markus-Evangeliums in dem Kloster Mar Saba, in dem Jesus als homosexueller und frauenhassender Sexualmagier dargestellt wird, der die Nacht mit einem nackten Jüngling verbracht habe, um ihn in “das Geheimnis des Reiches Gottes” einzuführen. Der Fall ähnelt in der Tat sehr dem von Karen King. Auch damals waren die Fundumstände mehr als mysteriös. Allerdings konnte Smith nie ein Original vorlegen. Die Öffentlichkeit wurde mit von ihm selbst angefertigten Photos abgespeist, während ein kleiner Kreis von Auserwählten behauptet, das Original gesehen zu haben. Bezeichnenderweise ließ man es verschwinden, so dass es nicht mehr modernen Analysemethoden zugeführt werden kann (von den Befürwortern der Smith-Fälschung wird dies natürlich andersherum gedeutet: die Kirche ließ es verschwinden, weil sie die “Enthüllung” fürchtete, was in Anbetracht einer bereits erfolgten Publikation ziemlich unsinnig wäre).

Jeden, der es wagte, ihn des Betruges zu verdächtigen, brachte Smith unter Androhung von Prozessen mit Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe zum Schweigen. Weshalb er sich nicht einfach von dem Verdacht befreite, indem er das Original vorlegte, kann nur vermutet werden.

Interessant ist auch, dass er von einer zuvor für 1960 geplanten Veröffentlichung absah und sie in das Jahr 1973 verschob. Ausschlaggebend hierfür könnte gewesen sein, dass Kirche und Gesellschaft von 1960 noch durch das Pontifikat von Papst Pius XII geprägt waren. Es spricht einiges dafür, dass man abwarten wollte, bis sich der Effekt des Zweiten Vatikanums etabliert hatte, damit die Veröffentlichung auf einen fruchtbareren Boden fallen konnte. Denn begünstigt durch die Auflösungserscheinungen in der Kirche durch die Unsicherheiten, die das Konzil ausgelöst hatte, standen die 70er Jahre voll unter dem Einfluss religiösen Experimentierens, in denen jeglicher pseudoreligiöse Unsinn freudig aufgenommen wurde, begünstigt durch die tiefgreifende Umwandlung der Gesellschaft infolge der 68er.

Auch die “Entdeckung” des Morton Smith wurde sozusagen von einem Roman vorangekündigt.

„Das Geheimnis von Mar Saba“ von James H. Hunter erschien 1940. Der Autor war der Herausgeber des Magazins Evangelical Christian. Dort wird beschrieben, wie ein gefälschter Text, der die Christen in Bedrängnis bringen könnte, als politische Waffe benutzt wird, um durch seinen skandalösen Inhalt eine weltweite Massenhysterie auszulösen. Zufall oder nicht: Der Scotland-Yard-Inspektor, der den Betrug aufdeckt, heißt ausgerechnet Lord Moreton – und erinnert damit auffallend an den späteren Fälscher Morton Smith. Und noch merkwürdiger: er beschreibt genau das, was durch die Medieninszenierung der Frau King und ihrer Unterstützer vor einigen Wochen hervorgerufen wurde.
Aber bleiben wir vorerst bei Morton Smith. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans, also 1941, nimmt Smith an einer von der Harvard Divinity School organisierten Reise ins Heilige Land teil. In Jerusalem bleibt er wegen der Kriegsumstände stecken und macht dort die Bekanntschaft mit einem Führer der Griechisch-Orthodoxen Kirche, der ihm ein wenig die Gegend zeigt – unter anderem das Kloster von Mar Saba. Dort wird ihm der Zugang zur Bibliothek gestattet. 1958, er ist mittlerweile an der Columbia University, kehrt er zurück. Man hat ihm ein Sabbatical (Freisemester) zugestanden, und das nutzt er, wie er sagt, um die Bestände der Bibliothek von Mar Saba zu katalogisieren. Seine Aussage, niemand habe sich zuvor diese Mühe gegeben und infolgedessen habe ein fürchterliches Durcheinander geherrscht, wird später widerlegt. Immerhin dient sie ihm als Schutzbehauptung dafür, dass er eine Ausgabe der Werke des Ignatius von Antiochien von Isaac Voss aus dem Jahr 1646 „findet“, auf dessen Schluss-Seiten die Abschrift eines bisher unbekannten Briefes des Klemens v. Alexandrien an seinen Schüler Theodoros eingebunden ist. In diesem Brief, der von seinem Verfasser ausdrücklich als „geheim“ eingestuft wird, legt „Klemens“ dem ansonsten unbekannten Theodoros nahe, über gewisse Vorgänge im Leben Jesu unter allen Umständen Stillschweigen bis hin zum Meineid zu bewahren, da es nicht gut sei, wenn Uneingeweihte die volle Wahrheit erführen, die sie doch nicht richtig einordnen könnten.
Dies ist natürlich typischer gnostischer Sprachgebrauch, etwas, das dem Gnosisbekämpfer Klemens von Alexandrien völlig fernlag.

Da der sehr sorgfältig geführte Katalog des Klosters aus dem Jahre 1923 stammte und das Buch darin nicht aufgeführt war, muß es nach 1923 von außen eingeschleppt worden sein. Ein sehr wichtiges Detail erwähnt der Bibelwissenschaftler Craig A. Evans in einem Interview mit dem Journalisten Lee Strobel: „Das Buch trug die Aufschrift ‚Smith 65‘. Würden Sie, wenn Sie Gast in der Bibliothek eines anderen wären, um sich seltene Bücher anzusehen, ‚Strobel 65‘ auf die Titelseite eines seltenen Buches schreiben? … Wenn es jedoch Ihr Buch ist, werden Sie vermutlich nicht zögern. Übrigens, damals in den 50ern, hätte eine Kopie dieses Buches nur ein paar hundert Dollar gekostet, und es wäre leicht gewesen, sie in das Kloster einzuschmuggeln.“ (9)

Die Kalkulation ist die gleiche wie für das heutige „Evangelium der Frau Jesu“. Der New York Times-Journalist Peter Steinfels schreibt 2007 in einem Artikel, der an Morton Smith und seine Fälschung erinnert:

Stellen Sie sich die Entdeckung eines zuvor unbekannten Markusevangeliums vor, ein geheimer Text, unterdrückt von den kirchlichen Autoritäten, der Jesus darstellt, wie er seine Jünger in einem halluzinatorischen, nächtlichen und sehr wahrscheinlich homosexuellen Ritus initiiert. Stellen Sie sich die Schlagzeilen vor, das alarmierende Buchmarketing und die Fernsehspecials. (10)

Und er schließt:

Könnte es für die Fernsehproduzenten … an der Zeit sein, zu übernehmen? Vielleicht hat die Welt genug von Oster-Doku-Dramas über Jesus und andere Leute in Roben, Togen, Umhängen oder Leintüchern. Her mit dem Krieg über den geheimen Markus! (11)

Wir erinnern uns: Das Smithsonian Magazine hat bereits eine Fernsehdokumentation über Kings „Entdeckung“ für diesen Herbst geplant.

2. Was verbindet Smith mit King? Ergänzen sie sich?

Was natürlich sofort ins Auge fällt, ist die Verbindung der beiden über die Harvard Divinity School und die Hebrew University of Jerusalem. Beider “Entdeckungen” ging ein Roman voraus, so dass sie gewissermaßen die “Entdeckung zum Roman” lieferten. Die Medieninszenierung fußt zudem eindeutig auf dem Konzept der Massenhysterie, das in dem Roman von 1940 entworfen wird. Beide stehen in einer gemeinsamen Tradition einschließlich des religiösen Umfeldes: Smith war episkopaler Geistlicher, King konvertierte in ihren Jugendjahren von den Methodisten zur episkopalen Kirche.

Man kann in der Tat davon sprechen, dass sich beide ergänzen. Während Smith den homosexuellen Jesus liefert, steuert King den heterosexuellen bei. Dies entspricht der gnostischen Vorstellung vom vollkommenen Androgyn, das männliches und weibliches Geschlecht vereint, so dass eine Unterscheidung oder gar Trennung nicht mehr möglich ist. Die Schaffung des vollkommenen Androgyns ist in der gnostischen Sexualmagie das Ziel des Neuen Zeitalters (New Age), in dem wir heute leben, auch Zeitalter des Wassermanns genannt, das das christliche Fischezeitalter abgelöst hat.
Beide Wissenschaftler begreifen Jesus als Magier, und zwar als Sexualmagier. Morton hat über dieses Thema weitläufig publiziert. Wie wir bereits sahen, ist jedoch Sexualmagie ein Kennzeichen des Satanismus.

Bis heute werden Aufsätze zugunsten der Fälschung von Morton Smith in der HThR publiziert, die bekanntlich nur Aufsätze akzeptiert, die den schwierigen Rezensionsprozess des Magazins überstanden haben. Man kann durchaus davon sprechen, dass die Zeitschrift ihr Imprimatur vergibt. Dies deutet darauf hin, dass zumindest die Diskussion, wenn nicht die Stützung der Fälschung, im Interesse der Harvard-Eliten ist.

3. Ist der Bezug auf Smith vielleicht sogar mit einkalkuliert?

In gewisser Weise ja. Wer sich mit gnostischem Denken ein wenig auskennt, erkennt sofort die Verbindung. Man will zumindest eine Diskussion über die Sexualität Jesu und damit auch des “neuen Christen” anregen, die über eine Phase der Verwirrung zu Auflösungserscheinungen im traditionellen christlichen Denken führen soll. Der Gedanke von Jesu Bisexualität und damit Promiskuität, ist bereits mit dem Geheimen Markusevangelium aufgetaucht. Dazu muss man erstens bedenken, dass über die Echtheit des Markusevangeliums immer noch diskutiert wird (was bedeuten würde, dass man die Diskussion über die Fachkreise hinaus anfeuern möchte). Zweitens hat selbst King zugegeben, dass die Frage, ob ihre Entdeckung echt oder gefälscht sein könnte, letzten Endes zweitrangig ist. In einer vielsagenden Mail an den Nachrichtendienst Reuters, die sie nach dem Ende der Konferenz und vor der Stellungnahme des Vatikans schrieb, sagt sie offen:

Ob sich das Fragment am Ende als authentisch erweisen wird, muss noch letztgültig bestimmt werden, aber die ernsthafte Diskussion unter den Gelehrten hat begonnen. (12)

Und das ist alles, worauf es im Augenblick ankommt.

4. Die Harvard University: Ein gefährliches Gemenge von Geld, Politik und Religion

Die heutige Universität startete als streng religiöses College im 17.Jahrhundert, das von den puritanischen Einwanderern für die Ausbildung der Geistlichen gegründet wurde. Sie ist nach dem Geistlichen John Harvard benannt, der ihr seine Bibliothek und die Hälfte seines Vermögens überließ. So verfügt Harvard über das älteste Bibliothekssystem der USA, das zugleich mit 14,5 Millionen Bänden, Mikrofilmen und Manuskripten den größten universitären Bibliothekskomplex der Welt darstellt. Es ist übrigens insofern durchaus denkbar, dass sich Morton Smith seine Werkausgabe des Ignatius von Antiochien nicht einmal kaufen musste, sondern sie einfach von interessierten Personen in die Hand gedrückt bekam.

Zwei Einrichtungen wachen über die politische und verwaltungstechnische Ausrichtung der Universität: die aus sieben Personen bestehende Harvard Corporation trifft Entscheidungen über die Universitätsfinanzen sowie die verwaltungstechnische und politische Ausrichtung, während das Board of Overseers, der Aufsichtsrat, bestehend aus 30 Personen, die Corporation berät.

Als private Institution ist Harvard auf Spenden, Schenkungen und Stiftungen potenter Geldgeber angewiesen: “Von anfangs fünf Bankfachleuten war die Finanzverwaltung schließlich auf 200 Fachleute angewachsen, die einen regen Personalaustausch mit den Investmentspezialisten der Banken betrieben. Schon lange hatten Spötter anzumerken, dass Harvard sich zu einer Bank mit angeschlossener Universität entwickelt habe.“ (13)
Im Jahr 2011 belief sich der Vermögenswert von Harvard auf 32 Milliarden Dollar.

5. Karen L. King und ihr Netzwerk

King erhielt nach Angaben auf ihrer Website Preise und Forschungsförderungen von mehreren Gesellschaften, von denen wir zwei etwas näher in Augenschein nehmen wollen:

– Ford Foundation
– Luce Foundation

5.1. Zwischen Nationalsozialismus und CIA: Die Ford Foundation

Die Ford-Stiftung will nichts anderes als die Welt verbessern – nach ihrem Gusto, versteht sich. Das wollte sie immer schon, genauer gesagt ihr Gründer, Henry Ford. Weshalb er den Nazis, die ihrerseits die Welt verbessern wollten, Ideen lieferte und für sie produzierte. Man fühlt sich nicht umsonst an die Tatsache erinnert, dass Adolf Hitlers Werk der „Weltverbesserung“ von der Wall Street gefördert wurde. Vor dem Hintergrund der Verflechtung mit dem Nationalsozialismus ist eine Zusammenarbeit mit der Ford Foundation als höchst brisant zu bezeichnen.

Hier zunächst die grundlegende Information über die Stiftung, zugänglich auf Wikipedia:

Die Ford Foundation ist eine US-amerikanische Stiftung, deren Ziele die Verbreitung der Demokratie, die Reduzierung der Armut und die Förderung der internationalen Verständigung sind. Sie wurde 1936 mit Zuwendungen von Henry Ford und seinem Sohn Edsel Ford von der Ford Motor Company gegründet und von 1966 bis 1979 von McGeorge Bundy geleitet. Neben der Zentrale gibt es zehn Regionalbüros. Das Stiftungsvermögen beträgt rund 13 Mrd. Dollar.
Die Ford Foundation ist einer der wichtigsten Geber der Organisation Fairness and Accuracy in Reporting, einer Gruppe zur Beobachtung der Medien.

Was dies alles bedeutet, wird erst richtig klar, wenn wir einen Blick in die Geschichte werfen, wobei ich mich allerdings nur auf eine kurze Darstellung beschränken werde. Henry Ford (1863-1947), der zusammen mit seinem Sohn Edsel die Ford Foundation gründete, war bekanntermaßen innigst mit Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus verbunden. Da war zunächst seine publizistische Tätigkeit als Verfasser und Herausgeber antisemitischer Schriften wie Der internationale Jude – Ein Weltproblem. Dieser Tätigkeit ging er schwerpunktmäßig nach, nachdem er sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte. Ford entsprach exakt dem Bild des Volksverhetzers und Demagogen.

Von Anfang an bewies er dabei eine bemerkenswerte politische und ideologische Flexibilität: Während er in seiner Zeitung Dearborn Independent, die er 1919 gekauft hatte, gegen Juden, Sozialisten, Liberale und Freimaurer hetzte, bekleidete er selbst seelenruhig seine Logenämter: als Meister der Palestine Lodge No 357 in Detroit (seit 28. November 1894), in der er für fast 53 Jahre regelmäßiges Mitglied bleiben sollte, als Ehrenmitglied der ältesten Freimaurerloge Michigans, der Zion Lodge No 1 (21. November 1928), in der sein Schwager William R. Bryant im Jahr 1932 Vorsitzender der Loge war, und ab September 1940 den 33. Grad AASR in New Jersey. Es handelt sich dabei um das Hochgradsystem des Alten Angenommenen Schottischen Ritus.

Die Nazis, die angeblichen Freimaurerfeinde, störte dies nicht im geringsten.

Ford wusste sich und seinen Ideen eine bemerkenswerte Außenwirkung zu verschaffen, wobei er sich ausgesprochen geschickt verhielt: als er sich mit dem Gedanken trug, für die Präsidentschaftswahlen zu kandidieren, unterbrach er 1922 seine antisemitische Hetze, die er jedoch zwei Jahre später wieder aufnahm. Während ihn selbst die Ermahnung durch Präsident Woodrow Wilson kalt ließ, brachte ihn die von dem zionistischen Aktivisten Samuel Untermyer geführte Verleumdungsklage dazu, seine Zeitung 1927 zu schließen und sich lautstark von seiner antisemitischen Tätigkeit zu distanzieren. 1942 prangerte er allen Ernstes in einem offenen Brief an die Anti-Defamation League den Antisemitismus an, von dem er hoffe, dass er nun aufhören werde. Indes fungierte dieses Engagement lediglich als Feigenblatt: war doch die Ford Company direkt am Aufbau der deutschen Wehrmacht beteiligt. So wurde ein Werk in Berlin einzig zu dem Zweck gebaut, LKW´s für die deutschen Streitkräfte herzustellen. Die Nazis revanchierten sich, indem sie Zwangsarbeiter aus den Konzentrationslagern an Ford ausliehen (für vier Reichsmark pro Tag).

1938 wurde Ford mit dem Adlerschild des Deutschen Reiches und dem Großkreuz des Adlerordens ausgezeichnet. Hitler betrachtete Ford als seine „Inspiration“, und die amerikanische Ausgabe von Mein Kampf wurde mit Zitaten aus Fords Zeitung Dearborn Independent angereichert. Die Nazis revanchierten sich bis zum Kriegsende: „Die Ford-Werke wurden bis Ende 1944 von der alliierten Bombardierung ganz verschont und danach auch nur wenig beschädigt.“ (14)

1942, also drei Jahre vor Kriegsende und noch während er von den Nazis profitierte, hatte sich Ford „für die Zeit danach“ positioniert, und dies so laut, dass es der Öffentlichkeit garantiert nicht entgehen konnte: in seinem offenen Brief an die Anti-Defamation League.

Nach dem Krieg stand man sofort wieder richtig und diente sich dem CIA an. Und der griff gerne zu:

Die Kollaboration respektabler und wertvoller Stiftungen erlaubte es dem Geheimdienst, laut einem früheren CIA-Agenten, eine „scheinbar unbegrenzte Bandbreite von verdeckten Aktionsprogrammen zu fördern, die Jugendgruppen, Gewerkschaften, Universitäten, Verlage und andere private Institutionen betrafen“. … Eine der wichtigsten privaten Stiftungen, die mit der CIA über eine bedeutende Zeitspanne bei bedeutenden Projekten des kulturellen Kalten Krieges kollaborierten, ist die Ford Foundation. … Von ihren frühesten Anfängen her gab es eine enge strukturelle Beziehung und Personalaustausch auf höchster Ebene zwischen dem CIA und der Ford Foundation. (15)

Dabei hatte man wieder einmal keinerlei Berührungsängste. Der Journalist Andrew Kopkind, beschrieb eine tiefgreifende moralische Desillusionierung an der Front dieser CIA-gesteuerten „Kulturarbeit“:

Der Gegensatz zwischen der Rhetorik von der offenen Gesellschaft und der Realität der Kontrolle war größer als jeder dachte. Jeder, der für eine amerikanische Organisation ins Ausland ging, legte auf die eine oder andere Weise Zeugnis ab für die Theorie, dass die Welt hin- und hergerissen war zwischen Kommunismus und Demokratie, und dass alles, was dazwischen lag, Verrat war. Die Illusion von der verschiedenen Meinung wurde aufrechterhalten: der CIA unterstützte sozialistische kalte Krieger, faschistische kalte Krieger, schwarze und weiße kalte Krieger. Dieses Allumfassende und die Flexibilität der CIA-Operationen waren wichtige Vorteile. Aber es war ein betrügerischer Pluralismus, und er war absolut zerstörerisch. (16)

Mit einem Wort: der CIA und die von ihrem opportunistischen Gründervater Henry Ford gegründete Stiftung passten – und passen vielleicht – bestens zusammen. Man arbeitet mit allen möglichen Seiten zusammen, weil man übergeordnete Ziele hat, die man für die einzig wahren hält: die Schaffung der Welt und des Menschen nach dem eigenen Abbild.

Dazu gehört vor allen Dingen die Schaffung einer eigenen Religion, weil der Mensch ein religiöses Bedürfnis hat, dem irgendetwas, und sei es ein Kunstprodukt, angeboten werden muss. Ein seiner selbst bewusstes, starkes, gegen den Strom schwimmendes Christentum wurde immer als Störfaktor empfunden.
Auch Hitler wollte sich nach dem Endsieg der Ausmerzung besonders der katholischen Kirche annehmen, um ein „Neues Christentum“ schaffen zu können, das mit seiner menschenverachtenden Ideologie vereinbar sein sollte. Im Priesterkonzentrationslager Dachau und anderen Lagern wurde schon einmal im Vorfeld mit den „Säuberungen“ begonnen, denen viele Priester und kritische Christen zum Opfer fielen.

Behalten wir dies alles im Hinterkopf, wenn wir nun lesen, was die Stiftung über sich selbst sagt.

So heißt es beispielsweise zu dem Thema „Freiheit des Ausdrucks“:

In den Vereinigten Staaten unterstützen wir religiöse Führungspersönlichkeiten und Institutionen, die sich öffentlich engagieren, um Gerechtigkeit und Gleichheit zu fördern ebenso wie medienbasierte Bemühungen, um den informierten, mannigfaltigen und notwendigen Dialog über die öffentliche Rolle der Religion zu fördern. Diese ganze Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung einer besser informierten und engagierten Bürgerschaft und der Ermutigung von kreativen Beiträgen zur öffentlichen Teilhabe am Gemeindeleben. (17)

Und zum Thema „Förderung der öffentlichen Medien“:

Das Ziel dieser Arbeit ist, dynamische öffentliche Medien zu fördern, die die Bürger weltweit mit kritischen Themen bewegen und informieren.

Die Medien können den Menschen helfen, sich einen Sinn zu den Themen zu bilden, die im Zentrum ihres Lebens und ihrer Gesellschaften stehen. Jedoch selbst wenn neue Technologien die Medien allgegenwärtig machen, sind die Werte des öffentlichen Interesses in den Medien durch Zugangs- und Kontrollprobleme bedroht. So wird das Potential für Millionen verringert, sich besser zu informieren und zu engagieren hinsichtlich der kritischen Themen, die die Zukunft unserer Welt formen. (18)

Man vergleiche damit die Stellungnahmen von King und ihrer Fachkollegin Elaine Pagels von der Universität Princeton, zitiert im Harvard Crimson vom 18. September 2012:

King: Ich denke, es wird die Leute dazu bringen, sich viel eingehender mit der frühen historischen Beweislage zu befassen, und die Theologen, zu fragen, warum die Dinge sich so entwickelt haben wie sie es taten.

Und Pagels stimmt zu, indem sie darauf verweist, dass kirchenpolitische Themen oft gutdokumentierte historische Beweise für die Argumentation brauchen:

Christliche Tradition ist sehr konservativ und die Leute denken oft, sie müssten, um irgendeine Änderung hervorzubringen, auf etwas Altes zurückgreifen; also könnte ihnen dies hier helfen, es zu tun. (19)

Und wenn diese Beweise nicht vorhanden sind? Dann hilft man eben ein bisschen nach…

Zum Thema: Religion im öffentlichen Leben:

Religion hat immer eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben Amerikas gespielt. In der letzten Zeit hat sich diese Rolle besonders dadurch verstärkt, dass religiöse Stimmen politische Entscheidungen, Debatten über Werte und Moral sowie die Agenda der öffentlichen Politik beeinflussen. Diese Entwicklungen bieten eine Gelegenheit, die religiösen Perspektiven im öffentlichen Leben auszuweiten.

Unsere Arbeit ermutigt eine entscheidende und informierte öffentliche Einbindung von Religion und ihrer Rolle im öffentlichen Leben der USA. Fortschrittliche religiöse Führungspersönlichkeiten und Gruppen bieten moralische Leitung, soziales Kapital und institutionelle Ressourcen im Dienste der sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit. Wir konzentrieren uns auf: die Stärkung gerechtigkeitsorientierter, glaubensbasierter Gruppen, Koalitionen und Führer; das Hervorrufen öffentlicher Debatten über Religion durch die abwechslungsreichere Gestaltung und Verbesserung der Medienberichterstattung über das Thema Religion; und Unterstützung von Forschung und Entwicklung von innovativen Ideen und Strategien, die zur religiös orientierten Arbeit für eine gerechtere Gesellschaft beitragen. (20)

Die dem Gründervater Henry Ford eigene politische „Flexibilität“, die immer mit einem hohen Maß an Öffentlichkeitsarbeit verbunden war, kennzeichnet die Ford Foundation bis auf den heutigen Tag. Die FF dient sich ohne irgendeine Scham jedem Diktator an.

5.2 Medienkontrolle – Der lange Arm des Nazi-Übervaters Henry Ford

Wie wir oben bereits festgestellt haben, ist die Ford Foundation einer der wichtigsten Geldgeber von Fairness and Accuracy in Reporting, die sich selbst als “nationale Medienbeobachtungsgruppe“ bezeichnet: (21)

Fairness & Accuracy In Reporting (FAIR) ist eine US-amerikanische Pressevereinigung, die sich der Bekämpfung und Dokumentation der einseitigen und falschen Berichterstattung sowie Selbstzensur in den Massenmedien verschrieben hat.
FAIR wurde im Jahr 1986 von Jeff Cohen gegründet. Cohen verließ die Organisation im Mai 2002 um als Produzent für Phil Donahues Talkshow auf MSNBC zu arbeiten.
(22)

Das hört sich wieder einmal sehr gut an. Jedoch sind “einseitig” und “falsch” sowie “Selbstzensur” dehnbare Begriffe. Im Endeffekt kann dies nämlich beinhalten, den Medien die eigenen Interessen aufzuzwingen – wie wir es deutlich bei der Inszenierung rund um den Papyrus beobachten können. Es bedeutet ganz konkret, dafür zu sorgen, dass bestimmte Themen einen herausragenden Sendeplatz erhalten und entsprechend der ideologischen Vorgaben besprochen werden. Und dass dafür andere Themen entweder nur gestreift oder übergangen werden.

Und die Donahue-Talkshow wird uns gleich noch einmal begegnen. Sie ist jene, in der die Gründer der Fundamentalists Anonymous (FA) ihren großen Auftritt hatten – jene Bewegung, die bis zu ihrer Auflösung exakt für die gleichen Ziele eintrat wie die Ford Foundation und die FAIR. Es mag ein Zufall sein, aber es ist trotzdem auffallend, dass die Gründung der FAIR nur ein Jahr nach der der FA erfolgte, zumal letztere eine starke Medienpräsenz entwickelte und innerhalb kürzester Zeit zu einem echten Machtfaktor wurde. Beider Ziele überschneiden sich so sehr, dass man den Eindruck gewinnt, dass beide Organisationen Vehikel desselben Strategieplans waren.

5.3 Die Luce-Foundation – Gutmenschentum und Christenhatz

Die Luce-Foundation wurde gegründet von Jim Luce. Auch er repräsentiert die innige Verflechtung von Finanzen und gesellschaftlichem Engagement. Seine Karriere startete er als Portfoliomanager an der Wall Street. Nach einem gemeinsamen Auftritt mit Richard Yao, einem ehemaligen Fundamentalisten, WallStreet-Anwalt und Absolvent der Yale Divinity School, in der Donahue Show, in der über religiöse Abhängigkeit und die Notwendigkeit einer anonymen Organisation zur Hilfe für Religionsabhängige (nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker) diskutiert worden war, verließ er die Wall Street und wirkte bei der Gründung von Fundamentalists Anonymous (FA, ab April 1985) mit.
In erster Linie richtete sich die Arbeit zunächst auf die Anhänger von Fernsehpredigern, wurde dann aber auch sehr rasch weiter gefasst. Mit der Hilfe der Henry Luce Foundation sammelte er 1.1 Millionen Dollar und förderte die Gründung von Hilfsgruppen für „genesende Fundamentalisten“ quer durch die USA. Im Kongress sagte er gegen die Fernsehprediger aus. Er kehrte an die Wall Street zurück, arbeitete bei Merrill Lynch im World Financial Center und gab diese Stelle kurz vor dem 11. September auf.

Sieht man sich die Seite an, die den (mittlerweile aufgelösten) Fundamentalists Anonymous gewidmet ist, erkennt man schnell, worum es wirklich geht. Zwar wird höflicherweise auch auf den islamischen Fundamentalismus hingewiesen, im Vordergrund steht jedoch der christliche, wozu sich Luce auch ganz offen bekennt. Er selbst ist Episkopaler wie King und Morton Smith und als wichtiger Unterstützer gesellt sich der episkopale New Yorker Bischof Paul Moor hinzu.

Angeblich haben die FA 1985 mit einem Zweizeiler in der Zeitung begonnen, was nicht sehr glaubhaft ist, da der Zugriff der beiden Gründer auf die Medien von Anfang an beachtlich ist:

So berichtet das Archiv des American Jewish Committee (23):

“Nach Auftritten in der Donahue Show, der Today Show und der Erwähnung in mehreren wichtigen Nachrichtenmagazinen verließen Yao und Luce ihre Jobs an der Wall Street, um ihre Organisation aufzubauen“.

Nicht weniger bezeichnend sind die Treffer, wenn man Fundamentalists Anonymous als Suchbegriff eingibt. Da erscheint etwa eine Seite mit dem vielsagenden Namen Leaving Christianity, die ganz offen zur Abkehr vom Christentum aufruft. Zu den Links gehört eine Seite für Kleriker, die ihrem Glauben abschwören wollen, wie auch der direkte Hinweis auf die FA, die Ressourcen und alle möglichen Hilfen für solche Menschen zur Verfügung stelle. Reiche Ernte hält die Bewegung unter Klerikern, die etwa wegen des Zölibats von der Kirche verstoßen wurden und daher aus Verbitterung den vermeintlichen Befreiern in die Arme laufen. So gehört auch der Ex-Jesuit Terrance Sweeney zu den Gefolgsleuten von Jim Luce.

Nach seiner eigenen Darstellung (mit dem bezeichnenden Titel “Remembering My Battle Against Fundamentalists“, frei übersetzt: „Mein Kampf gegen die Fundamentalisten“) ist Luce der Gut-Mensch par excellence. Er kümmert sich um arme Waisenkinder und die “Freiheit der Medien“ ebenso wie um den interreligiösen Dialog: “Ich sprach oft mit jüdischen Führern einschließlich dem Rabbi Jim Rudin.” (24) Von einem solchen Treffen berichtet das Archiv des American Jewish Committee über die FA, dass sie die Öffentlichkeit “erziehen” wollten. Dieses Ziel entspricht exakt der Medien- und Religionspolitik der Ford Foundation.

Die Umformung der Gesellschaft gelingt über die Medien und die Definierung einer unerwünschten “Rasse”. Bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung sind die FA imstande, der Amerikanischen Psychologenvereinigung zu diktieren, was auf die Tagesordnung ihrer Jahresversammlung kommt: die Klassifizierung dessen, was sie als Fundamentalismus brandmarken, als gefährliche Geisteskrankheit.

Luce unterstützt den Film Die Letzte Versuchung Christi in New York, was hervorragend zu der Materie von Kings Evangelium der Frau Jesu passt.

Auf der Seite seiner Organisation bekennt er sich dazu, durch Vergabe von Stipendien und Förderpreisen eine “wenn auch bescheidene Rolle” zu spielen bei der Verbesserung der Menschheit (in bettering humanity). (25) Das kommt uns bekannt vor.

Und wenn wir uns einmal ansehen, was so zum Fundamentalismus gezählt wird, dann drängt sich unwillkürlich die Frage auf, inwieweit die Anonymen Fundamentalisten nicht vielleicht selbst fundamentalistisch sind.
Als fundamentalistisch gilt, wer an folgendes glaubt:

– die Göttlichkeit Jesu
– die Jungfräulichkeit Mariens
– die Historizität der Bibel
– Moses als Urheber des Pentateuch
– Orientierung an den Verlautbarungen des Papstes
– Ablehnung des Darwinismus
– Bevorzugung der lateinischen Messe
– Ablehnung des Frauenpriestertums
– Ablehnung einer Freistellung des Zölibats
Und vieles mehr…

Mit anderen Worten: es gibt zahllose Gelegenheiten, den Scheiterhaufen für die Christen lodern zu lassen.

Fundamentalismus ist katholisch, protestantisch, jüdisch und -höflicherweise- ein bißchen islamisch, jedoch prinzipiell christlich. Und als Beispiel für den bösen, allgemeingefährlichen Christen wird der geistig beschränkte George W. Bush angeführt, der sich als „Kreuzzügler“ verstand:

Bush Junior’s Versprecher nach 9/11, dass er einen „Kreuzzug“ gegen den Islam durchführen werde, enthüllte, was der sogenannte „Krieg gegen den Terror“ wirklich ist. Die Tatsache, dass dieser „Kreuzzug“ ohne die wirkliche Unterstützung der Wall Street oder selbst der US-Militärelite durchgeführt wurde, zeigt, dass die Religiöse Rechte im Weißen Haus Bush´s und bei den Republikanern das meiste zu sagen hat. (26)

Woraus folgt, dass man die „Religiöse Rechte“ – die man gar nicht weit genug fassen kann – ausmerzen muss. Und da niemand von uns Herrn Bush so richtig ins Herz geschlossen hat, macht sich auch niemand Gedanken darüber, wozu das führen kann.
Neuere Untersuchungen, auf die ich hier nicht eingehen kann, zeigen übrigens, dass der 11. September eigens zu dem Zweck inszeniert wurde, um ein Stalingrad für das Christentum herbeizuführen. Das Rezept von Reichstagsbrand und Kristallnacht funktioniert immer noch ….

Die FA haben als Katalysator hinter den Kulissen gewirkt – durch Medienpräsenz und Massenwirkung. Auf der Seite der FA wird ein Zitat aus dem London Observer aufgeführt, das der Bewegung ein internationales Wachstum in Aussicht stellt.
Dennoch erloschen die FA aus irgendeinem Grund, mit ihnen verschwand auch Richard Yao, der vielsagend von „Verfolgung“ spricht. Da dies aufgrund der Machtentfaltung der Gruppe schlecht sein kann, ist sie wohl in einer größeren Organisation wie der Luce-Foundation aufgegangen.

Der Organisation wird „das Wunder“ zugesprochen, folgende Wirkungen entfaltet zu haben:

– Ein Exodus von Millionen aus der Nische des fundamentalistischen Christentums
– Der Zusammenbruch zweier Fernsehprediger
– Die allgemeine Anerkennung von „bad religion“ (schlechter oder böser Religion) als ernste geistige Bedrohung.

Luce betonte, dass Fundamentalismus charakterisiert wird durch eine autoritäre Mentalität, die mit einer positiven Wertschätzung des religiösen Pluralismus unvereinbar ist“, hält das Archiv des American Jewish Committee fest (27).

Im Klartext: Um des Pluralismus willen werden Christen, die nicht total dem „von oben“ verordneten Mainstream entsprechen, unschädlich gemacht. Und da sie als Geisteskranke zu betrachten sind, wird auch nichts daran hindern, sie irgendwann in Psychiatrien oder Konzentrationslagern unterzubringen – natürlich nur, um die Gesellschaft vor ihnen zu schützen.

Man kehrt also zurück zu den bewährten Rezepten von Hitler, Stalin und anderen Diktatoren. Und was steht prinzipiell am Anfang? Die „unerwünschte Rasse“ in den Medien verächtlich zu machen. Auch die Nazis unterstellten den Juden im Vorfeld der Verfolgung einen aus ihrer Religion resultierenden perversen Charakter. Und so offenbart sich das, was sich anfänglich gut und edel anhört, schlicht als Meinungsdiktatur einer Gesellschaft, die sich selbst als Herrenmenschen sieht.

XII Zusammenfassung

Nach den vorausgegangenen Analysen dürfte klar sein, dass es um weitaus mehr geht als um die wissenschaftliche Eitelkeit einer Professorin, die kurz vor ihrer Pensionierung einen ganz großen Coup landen will. Hier stehen knallharte politische Ziele im Vordergrund. Und die lauten: den Glauben zerstören, bis das Christentum innerlich austrocknet und von selbst kollabiert.
Dabei liegt die Zerstörungskraft nicht in dem Paukenschlag an sich, sondern in der unterschwelligen Nachwirkung. So sagt ein User in einem Internetforum: “Ist doch egal, wen sie verehren. Wenn´s den Leuten hilft, dann können sie von mir aus auch Mickey Mouse anbeten…”
Es ist diese Mentalität des “Man weiß sowieso nichts genaues” oder “Ist mir doch egal”, die noch dadurch unterstützt wird, dass eine müde, ihrer selbst überdrüssige Kirche ihrem Verkündigungsauftrag faktisch nicht mehr nachkommt. Das einzige, was die Menschen über ihre Religion wissen, erfahren sie aus den kontrollierten Medien, stets verbunden mit dem Hinweis, dass sie sich schämen müssen, Christen zu sein. Und da der Klerus sich auch nicht gerade vorbildhaft verhält, scheint dies sogar seine Begründung zu haben. “Der Jesus”, der Maria Magdalena oder auch nackte Jünglinge vernascht, wenn ihm danach ist, rutscht auf dieselbe Stufe wie Mickey Mouse, er wird zu einer Karikatur nicht nur Gottes, sondern des Menschen an sich. Und hier muss man ganz klar sagen: die ideale Vorarbeit dazu hat das Zweite Vatikanum geliefert. Daher ist es fast schon eine hämische Geste, dass die “Enthüllung” ausgerechnet in Rom zum 50jährigen Jubiläum des Konzils erfolgt, das eine “neue” Kirche schaffen wollte – und nun vor ihrer faktischen Negation steht.

Fußnoten

(1) Nachdem von mehreren Experten zwingende Argumente gegen die Echtheit des Papyrus erbracht wurden, hat die HThR zwischenzeitlich davon Abstand genommen, Kings Aufsatz wie geplant in ihrer Januar-Ausgabe abzudrucken. Um den Anschein der Seriosität zu wahren, bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig. Tatsächlich aber ist dies nicht das erste Mal, dass Harvard in eine Fälschung verstrickt ist, die seltsamerweise in die gleiche Richtung ging.

(2) Francis Watson liest das Verb als „bringen“ und sieht hier in seinem kritischen Aufsatz „The Gospel of Jesus’ Wife:How a fake Gospel-Fragment was composed“, S. 5f. einen Anklang an Thomas (Gth 41.2-3)- bzw. Matthäus-Evangelium 12,35: „Der schlechte Mensch bringt aus seinem verdorbenen Herzen verdorbene Dinge hervor.“ (http://www.dur.ac.uk/resources/theology.religion/GospelofJesusWife.pdf)

(3) King, 31.
(4) King 43.
(5) King 45.

(6) King 8, 12 f.

(7) http://alinsuciu.com/2012/09/26/on-the-so-called-gospel-of-jesuss-wife-some-preliminary-thoughts-by-hugo-lundhaug-and-alin-suciu/: On the So-Called Gospel of Jesus’s Wife. Some Preliminary Thoughts

(8) Watson: The Gospel of Jesus’ Wife:How a fake Gospel-Fragment was composed, http://www.dur.ac.uk/resources/theology.religion/GospelofJesusWife.pdf

(9) Interview mit Lee Strobel The Case for the Real Jesus: A Journalist Investigates Scientific – 2009

(10) Peter Steinfels, „Was It a Hoax? Debate on a ‚Secret Mark‘ Gospel Resumes“. New York Times. 31. März 2007.
(11) ebd.

(12) http://www.kenoradailyminerandnews.com/2012/09/28/gospel-of-jesus-wife-fragment-is-a-fake-vatican-says

(13) Wikipedia zu „Harvard“.

(14) http://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Ford#Publizistische_T.C3.A4tigkeit_und_Antisemitismus

(15) (Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, Frances Stonor Saunders, Granta Books, 1999, pp. 134-135), zitiert auf http://educate-yourself.org/cn/fordfoundationandcia15dec01.shtml: The Ford Foundation and the CIA- A Documented Case of Philanthropic Collaboration with the Secret Police, by James Petras. Ich kann das umfangreiche Thema hier unmöglich vertiefen. Daher sei hier nur auf weitere Literatur verwiesen: Volker Rolf Berghahn: America and the intellectual cold wars in Europe: Shepard Stone between philanthropy, academy, and diplomacy. Princeton University Press, Princeton 2001. (Deutsch als: Transatlantische Kulturkriege: Shepard Stone, die Ford-Stiftung und der europäische Antiamerikanismus. Frances Stonor Saunders: The Cultural Cold War: The CIA and the World of Arts and Letters, New Press, 2001; deutsch: Wer die Zeche zahlt …, Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg, Siedler, 2001

(16) (Ibid, pp. 408-409). Zitiert bei: siehe Fußn.15.

(17) http://www.fordfound.org/issues/freedom-of-expression
(18) http://www.fordfound.org/issues/freedom-of-expression/advancing-public-service-media

(19) http://www.thecrimson.com/article/2012/9/18/fragment-jesus-wife-harvard/
(20) http://www.fordfound.org/issues/freedom-of-expression/religion-in-the-public-sphere
(21) http://www.fair.org/index.php?page=100
(22) http://de.wikipedia.org/wiki/Fairness_and_Accuracy_in_Reporting

(23) Zitiert von Luce auf http://www.huffingtonpost.com/jim-luce/remembering-my-battle-aga_b_226023.html.
(24) http://www.huffingtonpost.com/jim-luce/remembering-my-battle-aga_b_226023.html
(25) http://www.jimluce.com/

(26) http://fundamentalistsanonymous.wordpress.com/

(27) http://www.huffingtonpost.com/jim-luce/remembering-my-battle-aga_b_226023.html

 

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