Organspende: Das Brot der Armen

III „Bodensatz“, Arbeitslose und Organspende: Die AfD ist keine Widerstandsgruppe. Sie gibt sich nur so, um Wähler zu gewinnen. In Wirklichkeit ist sie ein Teil des Establishments, für dessen Besitzerhaltung und -vergrößerung sie arbeitet. Sie wird die totale Umverteilung von unten nach oben bewerkstelligen, also einfach das verschlimmern, was wir heute bereits kennen. Um dies ungestört tun zu können, treibt sie einen Keil zwischen die Gesellschaftsgruppen.

Schon jetzt sind Arbeitslose mit zunehmender Verachtung konfrontiert, die von der Medienpropaganda im Auftrag der Politik geschürt wird. Dies geht so weit, dass sich die Menschen selbst als Versager verachten, selbst wenn sie keine Schuld an ihrem Elend trifft. Denn viele Betroffene schrecken davor zurück, Arbeitslosengeld II, berüchtigt als Hartz IV, zu beantragen, obwohl sie darauf ein Anrecht hätten.
Der klare Gewinner dieser Entwicklung ist das, was man “die Regierung“ nennt, jene Verantwortungsträger, die die Krise hervorgerufen haben und für deren Folgen sie eigentlich bezahlen müssten. Es ist ein komplexer Prozess, der weit vor Frau Merkel begonnen hat, der aber von ihrer Administration fortgesetzt wird. Der Staat genauer gesagt: die Politiker müssten dafür zur Verantwortung gezogen werden. Dies geschieht jedoch nicht. (ich schrecke davor zurück, “der Staat” oder “die Regierung” zu sagen. Denn beides sind abstrakte Begriffe. “Politiker” jedoch sind Personen, die beim Namen genannt und zur Rechenschaft gezogen werden können.)

Stattdessen erhöhen sie sich fleißig die Diäten und vergreifen sich so am Volkseigentum. Mitten in der Krise greifen sie in die Kassen, die ihnen nicht gehören, betreiben also faktisch Diebstahl. Und damit sich die Bürger nicht solidarisieren, hetzen sie sie gegeneinander auf. Die zynische Rechnung ist einfach: wer sich selbst verachtet, zieht sich immer weiter zurück, isoliert sich und will nichts mit dem “Abschaum” zu tun haben, mit dem er sich eigentlich zusammenschließen müsste.

Diese Entwicklung setzt nun die AfD noch etwas extremer fort.

Der Entzug des Wahlrechts ist die logische Folgerung der Verachtung. Ohne diese Vorstufe müsste man mit einem Aufschrei der Empörung rechnen. Allein daran sieht man, dass die AfD lediglich einen Prozess fortsetzt, der längst begonnen hat.

Wenn Menschen das Wahlrecht entzogen wird, können sie sich auch mit legalen demokratischen Mitteln nicht mehr wehren. Noch mehr: sie sind im Bewusstseins der Gesellschaft endgültig und offiziell als Bürger zweiter Klasse gebrandmarkt, das, was im “finsteren Mittelalter” der Schandpfahl erledigte. Noch mehr: Der Entzug des Wahlrechts kommt der faktischen Negierung der Bürgerrechte gleich. Denn vom Bürger zweiter Klasse ist es nur noch ein kleiner Schritt zum “Nicht-Bürger” oder zur “Unperson”.
Folglich wird es für die Politiker kein Problem sein, diesen Menschen auch das Existenzminimum zu entziehen. Es wird sich niemand daran stören, da es sich ja um Kreaturen handelt, die Abschaum sind. Und es liegt nun einmal in der Natur des Menschen, dass er mit “Abschaum” keine Berührung haben will. Folglich wird sich niemand für sie einsetzen. Denn wer sich für sie einsetzt, wird, da unloyal, für die Gesellschaft rasch untragbar. Und wer untragbar ist, bekommt keine Stelle mehr, wird also arbeitslos. Wer aber arbeitslos ist, hat keine Rechte mehr. Die perfekte Diktatur, aufgebaut auf Angst vor dem Absturz.

Die Geschichte hat gezeigt, dass solche Menschen rasch vogelfrei werden, also nicht einmal mehr das Recht auf Leben genießen. Sie sind “lebensunwertes Leben”. Ein nutzlose Last für die Gesellschaft, deren Aufschwung sie verhindern. Warum sie also am Leben erhalten? Und so wird aus der Angst vor dem Absturz sehr rasch die sehr berechtigte Angst vor dem Tod. Die Todesstrafe für Arbeitslose rückt in greifbare Nähe.

Die Ausmerzung der Betroffenen ist zudem sehr leicht über das Gesundheitswesen zu bewerkstelligen: eine ordentliche Behandlung bekommt schon heute nur noch der, der sie bezahlen kann. Gesundheit gibt es nur noch für die Reichen. Ein gnädiger Hirntod ist schnell festgestellt. Und die Organe, die man dann entnehmen kann, sind bares Gold wert.
Die Armen werden die Organspendelager der Reichen sein, denn nur die werden die Organe bezahlen können. Genau in diese Richtung geht der Vorschlag des Volkswirtschaftlers -mit Schwerpunkt Gesundheitsökomomie- Prof. Dr. Peter Oberender (Universität Bayreuth), den Armen „die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen“ zu geben, um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu finanzieren. Ganze Nationen kommen so als Organspendelager in Betracht, wie etwa Indien, wo nach den Worten Oberenders ein „grauer Markt“ existiere. Der Organhandel müsse organisiert werden wie an der Börse, meint der Ökonom, der als Vordenker der AfD bezeichnet wird. Oberender stellt ganz realistisch fest, „dass der Organhandel nicht sofort freigegeben werden, sondern nur allmählich eingeführt werden könne“.

Da die Öffentlichkeit vorerst an dieses brisante Thema herangeführt werden muss, verzichten sowohl die Partei als auch ihr Vordenker auf eine offiziell belegbare Mitgliedschaft. So bleibt der Partei die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit von den Thesen des Gesundheitsökonomen zu distanzieren. (1)

Dass den Armen nichts anderes übrigbleiben soll, als sich ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf ihrer Organe zu finanzieren, ist klar, wenn man die folgende Stellungnahme Luckes liest, die er mit einigen anderen Witschaftsprofessoren erstellt hat. Im sogenannten „Hamburger Appell“ heißt es:

Die unangenehme Wahrheit besteht deshalb darin, dass eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur durch niedrigere Entlohnung der ohnehin schon Geringverdienenden, also durch eine verstärkte Lohnspreizung, möglich sein wird.

(1) http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/577008/

„Zu den Unterstützern der Partei gehören unter anderem der Nürnberger Volkswirt Peter Oberender…“ (http://www.sueddeutsche.de/bayern/afd-in-bayern-euro-skeptiker-im-anmarsch-1.1650692-2)

Der AfD-Vordenker Peter Oberender (Universität Bayreuth) plädiert zum Beispiel dafür, dass Hartz-IV-Empfänger zur Verbesserung ihrer Finanzen ihr Organe verkaufen dürfen sollten, während das AfD-Vorstandsmitglied (richtig: Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der AfD, d. Verf.) Roland Vaubel, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim, den „untersten Klassen“ das passive Wahlrecht entziehen will.“ (http://www.taz.de/!115108/)

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