Papst Benedikt XVI

„Betet für mich, daß ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe.“ – Zum Rücktritt S.H. Papst Benedikt XVI

 

Irgendetwas stimmt da nicht – das kann man förmlich riechen. Gab es etwas, das der Papst nicht mehr mittragen wollte? Hat man etwas von ihm verlangt, das er nicht verantworten konnte? Diese Fragen werden zu klären sein. Interessant: Das Konsistorium, vor dem der Papst seinen Rücktritt bekanntgab, sollte eigentlich über die anstehenden Heiligsprechungen beraten. Es ist bekannt, dass zwei Päpste als Kandidaten für die Selig- bzw. Heiligsprechungen gehandelt werden, einer so katastrophal wie der andere:

1. Paul VI, dem nachgesagt wird, Untergrundpriester an die kommunistischen Schergen verraten zu haben und damit schuldig an ihrer Ermordung zu sein – einmal ganz abgesehen von dem Privatleben des begeisterten Zölibatsverteidigers, der selbst herzlich wenig von Keuschheit gehalten und seinem Geliebten Tag und Nacht freien Zugang zu seinen Gemächern gestattet haben soll.

2. Johannes Paul II, ebenfalls Zölibatsfanatiker, der keineswegs so heilig war, wie er gerne dargestellt wird. Berüchtigt ist seine  tiefe freundschaftliche Verbundenheit mit dem sexwütigen Gründer der Legionäre Christi, Marcial Maciel Degallado, der Kinder, Frauen und Seminaristen missbrauchte und nicht einmal vor seinen eigenen Sprösslingen haltmachte. Degallado konnte dank der Protektion des Woityla-Papstes und seiner mächtigen Vatikan-Lobby völlig ungestört agieren. Erst Benedikt XVI schaffte es, mit diesen Mißständen aufzuräumen. Näheres dazu auf meiner Homepage: http://www.gesellschaftundkirche.com/homosexualit%C3%A4t/outing-der-kirche/

Diese Päpste haben mächtige Fürsprecher im Vatikan. Die Seligsprechung Johannes Pauls II war bereits äußerst problematisch für das Ansehen der Kirche, allerdings ist sie ihrem Charakter nach auf die lokaleVerehrung beschränkt. Benedikt XVI wollte offenbar diplomatisch nicht zuletzt dem Druck der Straße entgegenkommen (“Santo subito!”).
Die Heiligsprechung ist hingegen ein dogmatischer Akt, dem die päpstliche Unfehlbarkeit mit universaler Wirkung zukommt. Das wäre in der Tat nicht zu verantworten.

Doch es muss noch etwas anderes gewesen sein, das den Papst in den Rückzug trieb (Näheres hierzu: Die schweigende Gesellschaft, ihr tragischer Papst – Und das Dritte Geheimnis von Fatima, http://www.gesellschaftundkirche.com/zum-papstbesuch-2011/die-schweigende-gesellschaft/). Geradezu prophetisch klingen da seine Predigtworte anlässlich seiner Amtseinführung: “Betet für mich, dass ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe.“ Die Kurie frisst jeden. Doch wer auch immer der Nachfolger sein wird: er wird damit rechnen müssen, dass man sehr genau untersuchen wird, wie und mit wessen Hilfe er auf den Stuhl Petri gelangt ist …

Es ist insofern ein positives Zeichen, als es zeigt, dass der Papst nicht alles mitmacht, was die Kurie von ihm verlangt. Nicht umsonst bezog er sich derart nachhaltig auf Coelestin V, der wegen der Korruptheit der Kurie zurücktrat. Andererseits erweckt es natürlich den Eindruck, wie im SZ-Forum gesagt wurde, dass „der Kapitän das sinkende Schiff verlässt“, was verständlicherweise Freude bei den Christenhassern auslöst. Es wäre daher besser, wenn er Klartext spräche. Aber das tut man im Vatikan nun einmal nicht -sofern man ihn überleben will.

Nachtrag 1: Etwas nachdenklich stimmt mich die Betonung des Papstes, dass sein Rücktritt “frei” geschehe, ebenso die Intensität, mit der dies vom Vatikan-Sprecher P. Lombardi und den kirchlichen Medien wiederholt wird. Auch wenn es sich dabei um eine notwendige juristische Formel handeln sollte, um dem Verzicht gemäß Canon Iuris Canonici (Canon 332 §2) Gültigkeit zu verleihen, klingt es etwas schrill in den Ohren, zumal jeder weiß, dass es eine sehr mächtige Lobby ist, die an diesem Rücktritt ein Interesse hat. Es gibt einfach zu viele, die jetzt Grund zur Freude haben. Das heimliche Triumphgeheul wird nur schwer von den demonstrativen Respektsbekundungen überspielt.

Nachtrag 2: Fällt es jemandem auf? Benedikt XVI ist nicht nur aus freien Stücken zurückgetreten, er wird sich auch noch in ein Kloster zurückziehen, beten und meditieren und weder am Konklave teilnehmen noch sich je wieder einmischen. So sichert man seinen Feinden zu, dass er garantiert kaltgestellt ist – gemäß Auftrag?

Und was passiert, wenn er doch wieder den Mund aufmacht? Die „finale Lösung“?

 

Rücktritt stand wohl von Anfang an fest – Hintergrund: Generalangriff auf das Papsttum

 

Es mehren sich Hinweise, nach denen der Rücktritt Papst Benedikts XVI von langer Hand geplant war – und dass er selbst höchstwahrscheinlich davon wusste. Demnach wäre er das Opfer einer Säuberungsaktion, die an der Spitze des Vatikans selbst tobt, inszeniert von einer Administration, die sich längst in den Händen der Christenverfolger befindet und deren bisher prominentestes Opfer Papst Johannes Paul I war.

Folgende Häufung von “Zufällen” ist auffallend:

1. Bei seiner Amtseinführung spricht Benedikt XVI den berühmten Satz: „Betet für mich, dass ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe.“

2. In einem Interview spricht sich der Benedikt XVI dafür aus, dass der Papst zurücktreten solle, wenn seine Kräfte den Dienst nicht mehr erlauben.

3. Im Jahre 2009 kommt es anlässlich der Rehabilitierung der Piusbrüder, die von Richard Williamson katastrophal boykottiert wird, zu ersten Rücktrittsgerüchten. Der Jesuit P. Eberhard von Gemmingen lässt verlauten, der Papst habe an Rücktritt gedacht. Es wird das Bild eines Papstes vermittelt, dem die Kurie auf der Nase herumtanzt, und der seine Kirche nicht im Griff hat.

4. Diesen Eindruck verstärkt die Medienkampagne wegen der Missbrauchsfälle 2010. Dem Papst wird vorgeworfen, aktiv zu vertuschen und “Täter” zu decken. Er wird kriminalisiert.

5. Im Jahr 2011 erscheint der Film “Habemus Papam – Ein Papst büxt aus”. Darin wird ein schüchterner, psychisch kranker Papst beschrieben, eigentlich ein Außenseiter, der nach mehreren erfolglosen Wahlgängen lediglich aus Verzweiflung gewählt wurde. Kurz vor der Verkündung des Wahlergebnisses erleidet er einen Nervenzusammenbruch, wird zu einem Fall für den Psychiater und entwischt seinen Bewachern. Der in jungen Jahren verhinderte Schauspieler wird in einem Theater aufgegriffen und zurückgebracht. “Unter allgemeiner Erleichterung wird die Verkündung des Papstes vor der Weltöffentlichkeit nachgeholt. In seiner Antrittsrede erklärt der neue Papst in nüchternen Worten, dass es ihm Leid tue, dass er keine Eignung und Berufung für das Papstamt verspüre und deswegen zurücktrete, um eine neue Wahl zu ermöglichen. Die Rede wird von den Kardinälen und der Menge auf dem Petersplatz mit Erschütterung aufgenommen.“ (Inhaltsangabe des Films auf Wikipedia).

Die Figur ist eindeutig auf Benedikt XVI zugeschnitten. So macht die Einspielung von Originalbildern der Beerdigung Johannes Pauls II dem Zuschauer unmissverständlich klar, dass der Film von dessen Nachfolger handelt.
Lediglich das Schauspielmotiv ist dem Leben Karol Wojtylas entnommen. Durch die fiktiven Elemente der Geschichte wird der Papst zu einem seelisch-geistigen Krüppel gestempelt, der gemieden und verachtet wird. Persönliche Verdienste hat er keine aufzuweisen. Lediglich weil er in einem anderen Beruf, der seinerseits nicht besonders angesehen ist, scheiterte, hat er den Priesterberuf ergriffen, obwohl er dafür ebensowenig  geeignet ist. Er ist im Grunde ein Verlorener und Verlierer, der seinen Platz im Leben nie gefunden hat. Seine einzige Großtat vollbringt er, als er zurücktritt und endgültig von der Bildfläche verschwindet.

Ich würde den Film als Auftragsarbeit bezeichnen. Die inhaltliche Komposition weist eindeutig auf Interessenkreise hin, denen Benedikt XVI zutiefst verhasst war. Ziel war, ihn als unfähigen Trottel hinzustellen und -vor allem- die Massen auf seinen Rücktritt vorbereiten. Die Auftraggeber dürften im Vatikan zu suchen sein. Die politischen Verflechtungen des Regisseurs Nanni Moretti, der nach seiner Wikipedia-Biographie der Kommunistischen Partei nahesteht, weisen auf den Ostblock hin. Da die Polen seit der Herrschaft Johannes Pauls II besonders aggressiv hervortraten (siehe auch ihre verheerende Rolle während des Sexskandals von St. Pölten sowie die Rolle von Kardinal Dziwisz bei der Vertuschung des Sexskandals der Legionäre Christi), dürfte es sich um alte Parteigänger Wojtylas handeln. Es würde hier zu weit führen, aber es gibt Hinweise darauf, dass der Polen-Papst nicht gegen, sondern im Auftrag des KGB handelte. Sein Buch „Die Quellen der Erneuerung“ zeigt, dass er einen Auftrag wahrnahm – der darin bestand, die Zerstörung der Kirche, begonnen auf dem Zweiten Vatikanum, weiter voranzutreiben.
Sein immer wieder zitiertes, vermeintliches Verdienst, der Fall der Mauer, führte zu einer friedlichen Einnahme der Bundesrepublik durch die DDR und war damit ganz im Sinne der Kommunisten. Der „Fall“ des alten Kommunismus bedeutete lediglich den Übergang in eine verfeinerte Diktatur, nicht aber sein Ende.
Wojtyla und Ratzinger waren einander absolut entgegengesetzten Charaktere.
Das angeblich innige Verhältnis zwischen beiden wurde lediglich propagiert, um Spuren zu verwischen.

6. Die undurchsichtige Vatileaks-Affäre (2012) setzt den Pontifex und die Gesamtkirche erneut unter Dauerbeschuss. Sie dient als weiterer „Beweis“ dafür, dass der Papst seine engste Umgebung nicht unter Kontrolle hat. Wahrscheinlich wurde sie einzig  aus diesem Grunde inszeniert, letztendlich um den Rücktritt vorzubereiten.
Aus der Angelegenheit werden dann auch folgerichtig geradezu psychotische Zustände abgeleitet, unter denen Benedikt XVI leiden soll, wie in der Onlineausgabe der FAZ vom 11.02.2013 (D. Schlümer, „Ein Papst läuft nicht weg, er gibt ein Beispiel“): „Zuweilen soll der Papst mit seiner Umwelt nurmehr über Zettel kommuniziert haben, die er unter der abgeschlossenen Zimmertür hindurchschob.“ Wie dies angesichts der Arthrose des Papstes möglich gewesen sein soll, die ihm jede Bewegung erschwerte, bleibt das Geheimnis des Autors.

7. Von der Öffentlichkeit unbemerkt besucht der Papst (Ende April 2009 und Juli 2010) das Grab seines heiligen Vorgängers Coelestin V, was später prompt ebenfalls vermarktet wird. Der Einsiedler war angesichts der korrupten Kurie überfordert und erklärte seinen Rücktritt. Etwaige Verbindungen werden in dem erwähnten FAZ-Artikel lauthals geleugnet, aber doch auffallend präsentiert, wenn darauf hingewiesen wird, dass Coelestin „als uralter Mann 1294 gewählt, durch Politintrigen wieder aus dem Amt gedrängt und dann bis zum Tod vom Nachfolger in Haft gehalten wurde“. Es ist vor allem interessant, wie die Sache mit der korrupten Kurie durch den Begriff „Politintrigen“ geschönt wird. Allein daran sieht man, aus welcher Richtung der FAZ-Artikel kommt. Und wenn Benedikt XVI in einem Klausurkloster untergebracht wird und Vatikansprecher Lombardi hervorhebt, dass er weder am Konklave teilnehmen noch sich je wieder äußern oder Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nehmen werde, dann entspricht dies einer Totalentmachtung mit Inhaftierung. Wobei man ihn offenbar unter Aufsicht haben will – direkt auf dem Terrain und hinter den dicken Mauern des Vatikans.

Ähnlich wurde übrigens auch mit Schwester Lucia, der letzten überlebenden Seherin von Fatima, verfahren. Diese Gemeinsamkeit ist deswegen so wichtig, weil Benedikt XVI eine wichtige Rolle bei der Verkündung des Dritten Geheimnisses spielte (siehe unten). Schwester Lucias Kontakte wurden streng überwacht, was sie publizierte, wurde erst einmal einer Prüfung durch den Vatikan unterzogen, wie Tarcisio Bertone in seinem Buch „Die Seherin von Fatima“ ganz offen zugibt. Vor dem zwielichtigen Bertone hat Kardinal Meisner übrigens den Papst gewarnt – leider erfolglos („Meisner attackiert Deutsche wegen Papst-Häme“, Welt-Online, 12.02.2013).

8. Seltsamerweise hat der Vatikan-Journalist Andreas Englisch in einem Interview mit dem Sender n-tv bereits 2012 anlässlich des Geburtstags des Papstes geäußert: “Ich glaube, dass es noch ein ganz großes Ereignis geben wird. Und das wird ein Ereignis sein, das die Kirche meiner Ansicht nach noch mehrere Jahrtausende beschäftigen wird. Ich glaube, dass dieser Papst als zweiter Papst in der Geschichte zurücktreten wird.“(http://www.n-tv.de/leute/buecher/Dieser-Papst-wird-zuruecktreten-article6032061.html)

Das war keine prophetische Gabe, sondern schlicht gute Information seitens guter Kontakte. Oder eines guten Kontakts? Englisch, einer der Lieblingsjournalisten Wojtylas, ist ein Duzfreund von Kardinal Stanislaw Dziwisz (und offenbar auch Wojtylas selbst). Er hat eine zärtliche Hommage an ihn auf bild.de geschrieben, die mit einer durch Fettdruck hervorgehobenen Passage endet: “Ich weiß nicht, wie ich euch beiden danken soll, für alles, was ihr für mich getan habt. Ich weiß, dass ihr beide keinen Dank wollt. …“ (http://www.bild.de/news/kolumnen/don/andreas-englisch-ueber-kardinal-stanislaw-dziwisz-6219322.bild.html)
Englisch ist also Wojtyla und Dziwisz zu Dank verpflichtet. Schließt dies Gegenleistungen mit ein? Jedenfalls scheinen die drei ein tief verbundenes Trio zu bilden. Womit sich der Kreis wiederum schließt …

9. Es ist völlig ausgeschlossen, dass die Kardinäle von dem bevorstehenden Rücktritt nichts gewusst haben sollen. Der Terminkalender des Papstes war schließlich auf der Seite des Vatikans für alle Internetuser öffentlich einsehbar. Und dort brechen  sämtliche Aktivitäten mit Ende April ab.

“Operation Rücktritt” – Die Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung war folgende: Die Welt sollte für immer vom Konservativismus geheilt werden, ihn verachten und hassen lernen – und gleichzeitig alles, was auch nur im entferntesten damit zu tun hatte. Die Pferdekur sollte so nachhaltig sein, dass sich daraus die totale Umgestaltung, und, wie wir gleich sehen werden, die totale Zerstörung des Papsttums ableiten ließe.

Doch warum ausgerechnet er?

Josef Ratzinger wurde für dieses Amt ausersehen, um das Bild des scheiternden Konservativen abzugeben. In gewisser Weise wurde an ihm ein Exempel statuiert.

1. Man muss sich das vorstellen wie im Kreml. Die Strafen für Abweichler sind drakonisch. Und jeder wird ängstlich überwacht. Hauptkriterium: Linientreue. Als Vorsitzender der Glaubenskongregation war Ratzinger einer der mächtigsten Männer im Vatikan. Als solcher konnte er für die Konzilsmafia zu einem echten Sicherheitsrisiko werden, wenn er sich bekehrte und von der Konzilsdoktrin abwich. Er war intelligent genug, um das ganze ideologische Lügengebäude zu widerlegen. Wenn man einen überlegenen Gegner nicht im offenen Kampf besiegen kann, macht man ihn am besten lächerlich. Folglich war es die beste Taktik, diesen Mann der Öffentlichkeit zu präsentieren – und die Umstände seines Pontifikats so zu erschweren, dass er sich überall verächtlich und verhasst machen würde.

2. Bereits vor seiner Wahl war Ratzinger als konservativer Glaubenshüter bekannt ebenso wie für seine sehr tolerante Haltung gegenüber Priestern, die die alte heilige Messe feiern wollten. Während seines Pontifikats zeigte er folgerichtig eine klare Präferenz für die tridentinische Messe und die Mundkommunion.

3. Für Ratzingers Einstellung gibt es einen Grund: er kennt das Dritte Geheimnis von Fatima. Im Laufe der Pressekonferenz, auf der der angeblich vollständige Wortlaut des Geheimnisses verkündet werden soll, antwortet er auf die Frage eines Journalisten, ob dies alles sei, mit gesenktem Blick: “Fast alles.”

4. Der einst so neuerungssüchtige Konzilstheologe weicht immer mehr vom Zweiten Vaticanum ab. Dies ist umso ernster zu nehmen, als Ratzinger auch in seiner wissenschaftlichen Arbeit souverän genug ist, Fehler einzusehen – und zu korrigieren. Spätestens der Anblick des offenkundigen Scheiterns des Konzils und seiner Auswirkungen auf die Kirche lässt das einsetzen, was man durchaus als Bekehrung bezeichnen könnte.

Ein voller Erfolg?

Die genannten Aspekte deuten meines Erachtens darauf hin, dass der Rücktritt von Anfang an geplant war, und buchstäblich zum Drehbuch gehörte. Damit er richtig aufgenommen und eingeschätzt wurde, musste lediglich die Weltöffentlichkeit darauf vorbereitet werden. Tatsächlich sind die Reaktionen eindeutig und wunschgemäß: „Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff“, heißt es da in einem Forum der Süddeutschen Zeitung. Und selbst ein Theologe (Hasenhüttl, bei dem dies nicht weiter überrascht), lässt sich vernehmen: „Ich finde gut, dass er zurücktritt, weil dieser Schritt auch das Amt relativiert. Der Rücktritt bedeutet ja auch: Benedikt ist nicht unfehlbar bis zum Ende, und der Papst ist nicht bis auf Lebenszeit Papst“ (Saarbrücker Zeitung, 12.02.2013). Man erwartet sich eine Reform des Papstamtes, das in die Richtung einer totalen Säkularisierung geht: „Nun sei eine gute Gelegenheit zu entscheiden“, führt die SZ die Meinung Hasenhüttls weiter aus, „Papst werde man nur noch für fünf Jahre mit der Möglichkeit, einmal wiedergewählt zu werden. Christian Weyer, Superintendent der Evangelischen Kirche Saar-West, will die weitere Entwicklung sorgfältig beobachten; er vermutet, „dass sich das Papstamt durch diesen Schritt verändern werde“ (SZ).

Es zeigt sich überdeutlich, dass dieser Rücktritt nicht einfach nur die einsame Entscheidung eines amtmüden Papstes ist. Vielmehr kommt ihr höchste politische Brisanz zu. Sie ist ein Meilenstein in der Kirchengeschichte. Sie bedeutet de facto die Abschaffung des Papsttums als Stellvertretertums Gottes auf Erden. Der “Papst” wird künftig, wenn die Entwicklung gemäß den Erwartungen so weitergeht, nicht mehr sein als ein Vereinspräsident.

Wie man sieht, hat man durch diesen Rücktritt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens hat man der ganzen Welt das Scheitern eines Konservativen vorgeführt, der Kraft genug gehabt hätte, die Kirche wieder zu den vorkonziliaren Glanzzeiten zurückzuführen (einige sinnvolle Reformen inbegriffen). Konservative sind kriminell, sexgeil und unfähige, feige Schwächlinge. Das war nach dem Plan der Intriganten die Botschaft dieses Pontifikats. Und zweitens leitet man auch gleich die Auflösung der letzten Bastion des Katholizismus ein: des Papsttums.

Wusste Josef Ratzinger, worauf er sich einließ – und wenn ja: wie konnte er sich zu so etwas hergeben?

Es mag eine schockierende Antwort sein, aber ich fürchte, er wusste es. Er hat sich auf das Spiel eingelassen, es jedoch, so weit möglich, nach seinen Regeln gespielt. Das heißt: er warnte, wo immer es ging, vor der Christenverfolgung. Darf man dem erwähnten FAZ-Artikel glauben, so hat er noch am Freitag vor seinem Rücktritt vor Seminaristen von dem Gang des Petrus, des ersten Papstes, nach Rom berichtet. Die Geschichte ist bekannt: Petrus, auf der Flucht aus Rom, begegnete Jesus, der ihm auf der Via Appia entgegenkam. “Quo vadis, domine?” – “Wohin gehst du, Herr?”, sagte er zu ihm. Und der Herr antwortete: “Ich gehe nach Rom, um mich für dich kreuzigen zu lassen.” Petrus, tief bestürzt und voller Reue über seine Feigheit, kehrte nach Rom zurück und erlitt dort das Martyrium.

Hierzu passen auch die Besuche beim hl. Coelestin. Er war ein Einsiedler, mit Gott verbunden, und bekämpft von einer machtgierigen Kurienmeute, die die ganze Kirche mit ihrer Lasterhaftigkeit in Verruf gebracht hatte. Genauso wie heute also. Der Papst hat nicht offen gesprochen, aber er hat eine Menge Signale gesetzt. Wir sollten sie lesen können.

Warum hat er sich darauf eingelassen?

Die Entwicklung wäre so oder so gekommen, vielleicht noch schlimmer und verheerender, wenn er einem anderen das Amt überlassen hätte. Josef Ratzinger blieb nichts anderes übrig, als alles auf eine Karte zu setzen. Als Papst, und sei es nur für den Übergang, hatte er immerhin eine kleine Chance, die Menschen zu erreichen, um sie vor der Verfolgung zu warnen – und er hat sie genutzt, so gut er konnte. Besonders hier in Deutschland hat er Klartext gesprochen. Das Schlimme ist, dass die meisten Menschen ihn nicht verstanden haben. Einerseits, weil einfach der Intellekt fehlte, andererseits, weil eine Christenverfolgung in heutiger, moderner, “demokratischer” Zeit, so unvorstellbar erscheint – und schließlich, weil gerade die Jugendlichen von der ansteckenden Massenhysterie des Papstevents viel zu ekstatisch verzückt waren, um überhaupt noch irgendetwas Rationales zu denken. An seiner eigenen Person hat er gezeigt, wozu die Kurie fähig ist. Die Wölfe mussten ihre gefletschten Zähne zeigen. Als Besiegter wurde er zum Sieger.

Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI, ist nicht der gescheiterte Versager, als den man ihn der Öffentlichkeit präsentieren will, sondern ein bekehrter Mensch, der zu seiner innersten Berufung und Verantwortung gefunden hat.
Der, vielleicht eines Tages als Martyrer, zu Gott zurückkehren wird, den er hier auf Erden vertreten sollte. Es ist der Kurie anzuraten, Leben und Gesundheit ihres Gefangenen möglichst lange zu erhalten. Denn mag er auch 85 Jahre alt sein, die Öffentlichkeit wird die Umstände seines Todes sehr genau im Auge behalten …