Problematische Stiftungen: Zwischen Nationalsozialismus und CIA: Die Ford Foundation

Die Ford-Stiftung will nichts anderes als die Welt verbessern – nach ihrem Gusto, versteht sich. Das wollte sie immer schon, genauer gesagt ihr Gründer, Henry Ford. Weshalb er den Nazis, die ihrerseits die Welt verbessern wollten, Ideen lieferte und für sie produzierte. Man fühlt sich nicht umsonst an die Tatsache erinnert, dass Adolf Hitlers Werk der „Weltverbesserung“ von der Wall Street gefördert wurde. Vor dem Hintergrund der Verflechtung mit dem Nationalsozialismus ist eine Zusammenarbeit mit der Ford Foundation als höchst brisant zu bezeichnen.

Hier zunächst die grundlegende Information über die Stiftung, zugänglich auf Wikipedia:

Die Ford Foundation ist eine US-amerikanische Stiftung, deren Ziele die Verbreitung der Demokratie, die Reduzierung der Armut und die Förderung der internationalen Verständigung sind. Sie wurde 1936 mit Zuwendungen von Henry Ford und seinem Sohn Edsel Ford von der Ford Motor Company gegründet und von 1966 bis 1979 von McGeorge Bundy geleitet. Neben der Zentrale gibt es zehn Regionalbüros. Das Stiftungsvermögen beträgt rund 13 Mrd. Dollar.
Die Ford Foundation ist einer der wichtigsten Geber der Organisation Fairness and Accuracy in Reporting, einer Gruppe zur Beobachtung der Medien.

Was dies alles bedeutet, wird erst richtig klar, wenn wir einen Blick in die Geschichte werfen, wobei ich mich allerdings nur auf eine kurze Darstellung beschränken werde. Henry Ford (1863-1947), der zusammen mit seinem Sohn Edsel die Ford Foundation gründete, war bekanntermaßen innigst mit Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus verbunden. Da war zunächst seine publizistische Tätigkeit als Verfasser und Herausgeber antisemitischer Schriften wie Der internationale Jude – Ein Weltproblem. Dieser Tätigkeit ging er schwerpunktmäßig nach, nachdem er sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte. Ford entsprach exakt dem Bild des Volksverhetzers und Demagogen.

Von Anfang an bewies er dabei eine bemerkenswerte politische und ideologische Flexibilität: Während er in seiner Zeitung Dearborn Independent, die er 1919 gekauft hatte, gegen Juden, Sozialisten, Liberale und Freimaurer hetzte, bekleidete er selbst seelenruhig seine Logenämter: als Meister der Palestine Lodge No 357 in Detroit (seit 28. November 1894), in der er für fast 53 Jahre regelmäßiges Mitglied bleiben sollte, als Ehrenmitglied der ältesten Freimaurerloge Michigans, der Zion Lodge No 1 (21. November 1928), in der sein Schwager William R. Bryant im Jahr 1932 Vorsitzender der Loge war, und ab September 1940 den 33. Grad AASR in New Jersey. Es handelt sich dabei um das Hochgradsystem des Alten Angenommenen Schottischen Ritus.

Die Nazis, die angeblichen Freimaurerfeinde, störte dies nicht im geringsten.

Ford wusste sich und seinen Ideen eine bemerkenswerte Außenwirkung zu verschaffen, wobei er sich ausgesprochen geschickt verhielt: als er sich mit dem Gedanken trug, für die Präsidentschaftswahlen zu kandidieren, unterbrach er 1922 seine antisemitische Hetze, die er jedoch zwei Jahre später wieder aufnahm. Während ihn selbst die Ermahnung durch Präsident Woodrow Wilson kalt ließ, brachte ihn die von dem zionistischen Aktivisten Samuel Untermyer geführte Verleumdungsklage dazu, seine Zeitung 1927 zu schließen und sich lautstark von seiner antisemitischen Tätigkeit zu distanzieren. 1942 prangerte er allen Ernstes in einem offenen Brief an die Anti-Defamation League den Antisemitismus an, von dem er hoffe, dass er nun aufhören werde. Indes fungierte dieses Engagement lediglich als Feigenblatt: war doch die Ford Company direkt am Aufbau der deutschen Wehrmacht beteiligt. So wurde ein Werk in Berlin einzig zu dem Zweck gebaut, LKW´s für die deutschen Streitkräfte herzustellen. Die Nazis revanchierten sich, indem sie Zwangsarbeiter aus den Konzentrationslagern an Ford ausliehen (für vier Reichsmark pro Tag).

1938 wurde Ford mit dem Adlerschild des Deutschen Reiches und dem Großkreuz des Adlerordens ausgezeichnet. Hitler betrachtete Ford als seine „Inspiration“, und die amerikanische Ausgabe von Mein Kampf wurde mit Zitaten aus Fords Zeitung Dearborn Independent angereichert. Die Nazis revanchierten sich bis zum Kriegsende: „Die Ford-Werke wurden bis Ende 1944 von der alliierten Bombardierung ganz verschont und danach auch nur wenig beschädigt.“ (14)

1942, also drei Jahre vor Kriegsende und noch während er von den Nazis profitierte, hatte sich Ford „für die Zeit danach“ positioniert, und dies so laut, dass es der Öffentlichkeit garantiert nicht entgehen konnte: in seinem offenen Brief an die Anti-Defamation League.

Nach dem Krieg stand man sofort wieder richtig und diente sich dem CIA an. Und der griff gerne zu:

Die Kollaboration respektabler und wertvoller Stiftungen erlaubte es dem Geheimdienst, laut einem früheren CIA-Agenten, eine „scheinbar unbegrenzte Bandbreite von verdeckten Aktionsprogrammen zu fördern, die Jugendgruppen, Gewerkschaften, Universitäten, Verlage und andere private Institutionen betrafen“. … Eine der wichtigsten privaten Stiftungen, die mit der CIA über eine bedeutende Zeitspanne bei bedeutenden Projekten des kulturellen Kalten Krieges kollaborierten, ist die Ford Foundation. … Von ihren frühesten Anfängen her gab es eine enge strukturelle Beziehung und Personalaustausch auf höchster Ebene zwischen dem CIA und der Ford Foundation. (15)

Dabei hatte man wieder einmal keinerlei Berührungsängste. Der Journalist Andrew Kopkind, beschrieb eine tiefgreifende moralische Desillusionierung an der Front dieser CIA-gesteuerten „Kulturarbeit“:

Der Gegensatz zwischen der Rhetorik von der offenen Gesellschaft und der Realität der Kontrolle war größer als jeder dachte. Jeder, der für eine amerikanische Organisation ins Ausland ging, legte auf die eine oder andere Weise Zeugnis ab für die Theorie, dass die Welt hin- und hergerissen war zwischen Kommunismus und Demokratie, und dass alles, was dazwischen lag, Verrat war. Die Illusion von der verschiedenen Meinung wurde aufrechterhalten: der CIA unterstützte sozialistische kalte Krieger, faschistische kalte Krieger, schwarze und weiße kalte Krieger. Dieses Allumfassende und die Flexibilität der CIA-Operationen waren wichtige Vorteile. Aber es war ein betrügerischer Pluralismus, und er war absolut zerstörerisch. (16)

Mit einem Wort: der CIA und die von ihrem opportunistischen Gründervater Henry Ford gegründete Stiftung passten – und passen vielleicht – bestens zusammen. Man arbeitet mit allen möglichen Seiten zusammen, weil man übergeordnete Ziele hat, die man für die einzig wahren hält: die Schaffung der Welt und des Menschen nach dem eigenen Abbild.

Dazu gehört vor allen Dingen die Schaffung einer eigenen Religion, weil der Mensch ein religiöses Bedürfnis hat, dem irgendetwas, und sei es ein Kunstprodukt, angeboten werden muss. Ein seiner selbst bewusstes, starkes, gegen den Strom schwimmendes Christentum wurde immer als Störfaktor empfunden.
Auch Hitler wollte sich nach dem Endsieg der Ausmerzung besonders der katholischen Kirche annehmen, um ein „Neues Christentum“ schaffen zu können, das mit seiner menschenverachtenden Ideologie vereinbar sein sollte. Im Priesterkonzentrationslager Dachau und anderen Lagern wurde schon einmal im Vorfeld mit den „Säuberungen“ begonnen, denen viele Priester und kritische Christen zum Opfer fielen.

Behalten wir dies alles im Hinterkopf, wenn wir nun lesen, was die Stiftung über sich selbst sagt.

So heißt es beispielsweise zu dem Thema „Freiheit des Ausdrucks“:

In den Vereinigten Staaten unterstützen wir religiöse Führungspersönlichkeiten und Institutionen, die sich öffentlich engagieren, um Gerechtigkeit und Gleichheit zu fördern ebenso wie medienbasierte Bemühungen, um den informierten, mannigfaltigen und notwendigen Dialog über die öffentliche Rolle der Religion zu fördern. Diese ganze Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung einer besser informierten und engagierten Bürgerschaft und der Ermutigung von kreativen Beiträgen zur öffentlichen Teilhabe am Gemeindeleben. (17)

Und zum Thema „Förderung der öffentlichen Medien“:

Das Ziel dieser Arbeit ist, dynamische öffentliche Medien zu fördern, die die Bürger weltweit mit kritischen Themen bewegen und informieren.

Die Medien können den Menschen helfen, sich einen Sinn zu den Themen zu bilden, die im Zentrum ihres Lebens und ihrer Gesellschaften stehen. Jedoch selbst wenn neue Technologien die Medien allgegenwärtig machen, sind die Werte des öffentlichen Interesses in den Medien durch Zugangs- und Kontrollprobleme bedroht. So wird das Potential für Millionen verringert, sich besser zu informieren und zu engagieren hinsichtlich der kritischen Themen, die die Zukunft unserer Welt formen. (18)

Man vergleiche damit die Stellungnahmen von King und ihrer Fachkollegin Elaine Pagels von der Universität Princeton, zitiert im Harvard Crimson vom 18. September 2012:

King: Ich denke, es wird die Leute dazu bringen, sich viel eingehender mit der frühen historischen Beweislage zu befassen, und die Theologen, zu fragen, warum die Dinge sich so entwickelt haben wie sie es taten.

Und Pagels stimmt zu, indem sie darauf verweist, dass kirchenpolitische Themen oft gutdokumentierte historische Beweise für die Argumentation brauchen:

Christliche Tradition ist sehr konservativ und die Leute denken oft, sie müssten, um irgendeine Änderung hervorzubringen, auf etwas Altes zurückgreifen; also könnte ihnen dies hier helfen, es zu tun. (19)

Und wenn diese Beweise nicht vorhanden sind? Dann hilft man eben ein bisschen nach…

Zum Thema: Religion im öffentlichen Leben:

Religion hat immer eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben Amerikas gespielt. In der letzten Zeit hat sich diese Rolle besonders dadurch verstärkt, dass religiöse Stimmen politische Entscheidungen, Debatten über Werte und Moral sowie die Agenda der öffentlichen Politik beeinflussen. Diese Entwicklungen bieten eine Gelegenheit, die religiösen Perspektiven im öffentlichen Leben auszuweiten.

Unsere Arbeit ermutigt eine entscheidende und informierte öffentliche Einbindung von Religion und ihrer Rolle im öffentlichen Leben der USA. Fortschrittliche religiöse Führungspersönlichkeiten und Gruppen bieten moralische Leitung, soziales Kapital und institutionelle Ressourcen im Dienste der sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit. Wir konzentrieren uns auf: die Stärkung gerechtigkeitsorientierter, glaubensbasierter Gruppen, Koalitionen und Führer; das Hervorrufen öffentlicher Debatten über Religion durch die abwechslungsreichere Gestaltung und Verbesserung der Medienberichterstattung über das Thema Religion; und Unterstützung von Forschung und Entwicklung von innovativen Ideen und Strategien, die zur religiös orientierten Arbeit für eine gerechtere Gesellschaft beitragen. (20)

Die dem Gründervater Henry Ford eigene politische „Flexibilität“, die immer mit einem hohen Maß an Öffentlichkeitsarbeit verbunden war, kennzeichnet die Ford Foundation bis auf den heutigen Tag. Die FF dient sich ohne irgendeine Scham jedem Diktator an.

5.2 Medienkontrolle – Der lange Arm des Nazi-Übervaters Henry Ford

Wie wir oben bereits festgestellt haben, ist die Ford Foundation einer der wichtigsten Geldgeber von Fairness and Accuracy in Reporting, die sich selbst als “nationale Medienbeobachtungsgruppe“ bezeichnet: (21)

Fairness & Accuracy In Reporting (FAIR) ist eine US-amerikanische Pressevereinigung, die sich der Bekämpfung und Dokumentation der einseitigen und falschen Berichterstattung sowie Selbstzensur in den Massenmedien verschrieben hat.
FAIR wurde im Jahr 1986 von Jeff Cohen gegründet. Cohen verließ die Organisation im Mai 2002 um als Produzent für Phil Donahues Talkshow auf MSNBC zu arbeiten.
(22)

Das hört sich wieder einmal sehr gut an. Jedoch sind “einseitig” und “falsch” sowie “Selbstzensur” dehnbare Begriffe. Im Endeffekt kann dies nämlich beinhalten, den Medien die eigenen Interessen aufzuzwingen – wie wir es deutlich bei der Inszenierung rund um den Papyrus beobachten können. Es bedeutet ganz konkret, dafür zu sorgen, dass bestimmte Themen einen herausragenden Sendeplatz erhalten und entsprechend der ideologischen Vorgaben besprochen werden. Und dass dafür andere Themen entweder nur gestreift oder übergangen werden.

Und die Donahue-Talkshow wird uns gleich noch einmal begegnen. Sie ist jene, in der die Gründer der Fundamentalists Anonymous (FA) ihren großen Auftritt hatten – jene Bewegung, die bis zu ihrer Auflösung exakt für die gleichen Ziele eintrat wie die Ford Foundation und die FAIR. Es mag ein Zufall sein, aber es ist trotzdem auffallend, dass die Gründung der FAIR nur ein Jahr nach der der FA erfolgte, zumal letztere eine starke Medienpräsenz entwickelte und innerhalb kürzester Zeit zu einem echten Machtfaktor wurde. Beider Ziele überschneiden sich so sehr, dass man den Eindruck gewinnt, dass beide Organisationen Vehikel desselben Strategieplans waren.

(14) http://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Ford#Publizistische_T.C3.A4tigkeit_und_Antisemitismus

(15) (Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, Frances Stonor Saunders, Granta Books, 1999, pp. 134-135), zitiert auf http://educate-yourself.org/cn/fordfoundationandcia15dec01.shtml: The Ford Foundation and the CIA- A Documented Case of Philanthropic Collaboration with the Secret Police, by James Petras. Ich kann das umfangreiche Thema hier unmöglich vertiefen. Daher sei hier nur auf weitere Literatur verwiesen: Volker Rolf Berghahn: America and the intellectual cold wars in Europe: Shepard Stone between philanthropy, academy, and diplomacy. Princeton University Press, Princeton 2001. (Deutsch als: Transatlantische Kulturkriege: Shepard Stone, die Ford-Stiftung und der europäische Antiamerikanismus. Frances Stonor Saunders: The Cultural Cold War: The CIA and the World of Arts and Letters, New Press, 2001; deutsch: Wer die Zeche zahlt …, Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg, Siedler, 2001

(16) (Ibid, pp. 408-409). Zitiert bei: siehe Fußn.15.

(17) http://www.fordfound.org/issues/freedom-of-expression
(18) http://www.fordfound.org/issues/freedom-of-expression/advancing-public-service-media

(19) http://www.thecrimson.com/article/2012/9/18/fragment-jesus-wife-harvard/
(20) http://www.fordfound.org/issues/freedom-of-expression/religion-in-the-public-sphere
(21) http://www.fair.org/index.php?page=100
(22) http://de.wikipedia.org/wiki/Fairness_and_Accuracy_in_Reporting

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.