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  • Kulturübergreifendes Forschungsprojekt: Enthaltsamkeitsvorstellungen in der Antike und ihr Niederschlag in der neuzeitlichen Konzeption

Die Arbeit untersucht die Frage, inwieweit der Zölibat als christlich bezeichnet werden kann oder ob er nicht vielmehr einem Eindringen von Heidentum und Gnosis in das frühe Christentum zuzuschreiben ist. Diese Frage drängt sich umso stärker auf, als die Spannung zwischen Enthaltsamkeit und ausufernder Sexualität, die charakteristisch für die chthonischen Kulte ebenso wie für die Gnosis ist, fast durchgehend in der Geschichte des Zölibats beobachtet werden kann. Die Untersuchung wird zu einer Stellungnahme darüber führen, ob das Gesetz von der Ehelosigkeit der Priester letzten Endes häretisch ist.

Tatsächlich hat sich die Forderung eines allgemeinen Zölibatsgesetzes bereits in den Anfängen der Kirche bemerkbar gemacht, verbunden mit einem regelrechten Psychoterror bis hin zur Ächtung verheirateter Priester und ihrer Familien. Schon Paulus warnte vor den Irrlehrern, die die Ehe ablehnten, und definierte das Ideal des Bischofs, der sich als guter Familienvater und Hausherr bewährt haben müsse.

Daraus ergibt sich die Unterscheidung zwischen einer positiven Askese, die Gott als den Schöpfer bejaht und zu ihm hinführen soll, und einer negativen, die ganz im gnostischen Sinne den Schöpfergott und damit das Leben selbst negiert. Während erstere die individuelle Entscheidungsfreiheit des Menschen respektiert, weist letztere einen geradezu diktatorischen Charakter auf, geprägt durch eine aggressive Frauenfeindlichkeit, die teilweise oder gänzliche Ablehnung der Ehe und den Wunsch, die Schöpfung zu korrigieren bis hin zur Selbstverstümmelung.

Sehr bald haben sich beide Sichtweisen so vermischt, dass sie ununterscheidbar wurden, begünstigt durch den Perfektionismus der frühen Christen, die sich auf das kommende Reich Gottes vorbereiten wollten.

Die Arbeit ist interdisziplinär angelegt, da sie philologische, theologische, kulturgeschichtliche, religionspsychologische und soziologische Aspekte miteinander verbindet.

Die voraussichtliche Gliederung wird folgende Punkte umfassen:

I Nichtchristliche und gnostische Grundlagen

Ehe, Ehelosigkeit und rituelle Reinheit bei den Juden
Hieros Gamos, Jungfräulichkeit und sexuelle Raserei in den chthonischen Kulten der Griechen und Römer
Vorderasiatische Kastrationskulte
Gnosis

II Die Bibel und die Lehre Jesu

Die Umdeutung der Schöpfungsgeschichte
Kann die Eunuchenstelle (Mt. 19,12) wirklich eine Äußerung Jesu sein?
Die Nachfolgepassagen

III Rezeption in der Antike

Die einseitige Rezeption der Schriftstellen. Unterschlagene Stellen.
Die Rezeption bei Tertullian, Klemens von Alexandrien, Origenes, Hieronymus u.a.
Die Konzilien von Elvira und Nikäa. Die Paphnutios-Episode.
Der Kampf gegen die Gnosis

IV Mittelalter und Neuzeit

Der Zölibat teilt die Kirche
Die “Zölibatspäpste”
Das Janusgesicht des Zölibats: Ausschweifungen und Inzest

V Moderne: Das Zweite Vatikanische Konzil

 

  • Geliebte Geißel – Zu einer Philosophie des Bösen im Kontext von Massenbewegungen

Ausgehend von der antiken Kriegs- und Massenpsychologie des griechischen Autors Homer und des römischen Bürgerkriegsdichters Lucan über die Französische Revolution, den Nationalsozialismus bis zu antidemokratischen Bewegungen der Gegenwart wird die Frage gestellt, warum es vielen Menschen ein Bedürfnis ist, sich bis zur Aufgabe des eigenen Lebens diktatorischen Führern  zu unterwerfen, selbst wenn sie erkennen, dass sie von ihnen nur benutzt werden. Warum finden Menschen ihre Erfüllung darin, unterdrückt, betrogen und letztendlich auch getötet zu werden, und dies umso vehementer, je unwürdiger der Führer ist?

Die Analyse hebt ab auf Elemente der Politischen Psychologie, indem sie untersucht, wie und mit welchen Mitteln Führerschaft und Unterwerfung realisiert werden und inwieweit es zur persönlichen Erfüllung führen kann, die “Selbstbewusstheit” aufzugeben und die Vernichtung nahestehender Menschen einschließlich der eigenen Person herbeizuführen. Dabei erhebt sich die Frage, inwiefern von freier Willensentscheidung gesprochen werden kann und ob es eine jedem Menschen nicht nur trieb-, sondern auch zwanghaft und unbewusst innewohnende Struktur des Bösen gibt, die, ob das wissende Individuum es will oder nicht, ihr Recht fordert. Gibt es ein Naturrecht des Bösen? Kann es ein Recht darauf geben, das Böse zu tun? Führt das Böse zur Befreiung und Vergöttlichung des Menschen oder zum Gefangensein in einer Spirale?

Exkurs: Goethes Faust und Prometheus: Kann Bildung und Wissen um diese Struktur die Besitzergreifung durch das Böse eindämmen? Oder wird sie dadurch vielmehr befördert?

 

  • Chronologie der modernen Christenverfolgung (Arbeitstitel)

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