Publikumswirksame Angriffe

VIII Kleine Ungenauigkeiten: Der sogenannte “Angriff” auf Lucke

Mit Donnergetöse ging es durch die Medien: Während einer Wahlkampfrede war auf Bernd Lucke ein Angriff verübt worden. Täter: etwa zwölf Vermummte. Tatwerkzeug: ein Messer! Hintergrund: linke Parteien. Lucke wurde von der Bühne “geschubst”, blieb aber unverletzt, das Messer kam nie zum Einsatz. Kein Wunder: es gab keines.

Der offizielle Polizeibericht ließ, höflich ausgedrückt, erkennen, dass die AfD-Fans, vielleicht aufgrund ihrer Aufregung, so einiges mindestens doppelt gesehen hatten. Auch die Mär von dem Messer konnte auf diese Weise rasch widerlegt werden.

Hier ist ein Bericht der NWZ Online (http://www.nwzonline.de/bremen/angriff-auf-afd-chef-uebertrieben-dargestellt_a_8,3,1571418366.html)

Noch am Tag des Vorfalls wurde eine Mitteilung der Polizei verbreitet, die sich in auffälliger Weise mit dem deckte, was die AfD selbst versendet hatte. Demnach sei die Veranstaltung durch „20 bis 25 teilweise vermummte Personen plötzlich gestürmt“ worden, acht von ihnen seien auf die Bühne gelangt. Weiter war die Rede von 16 Verletzten und drei Festgenommenen, „die mutmaßlich dem links orientierten Spektrum zugeordnet werden können“.
Dann heißt es in der Mitteilung der Bremer Polizei, die bundesweite Resonanz fand: „Während der Verfolgung wurde ein Helfer der ,AfD’ mit einem Messer angegriffen.“
Diese dramatische Darstellung wird inzwischen nicht mehr aufrechterhalten. „Unsere Erstmeldung fußte auf den Angaben der Veranstalter“, gab Polizeipräsident Lutz Müller am Mittwoch in der Innendeputation zu. Er stellte außerdem klar: „Ein Messer war keineswegs im Spiel.“
Auch die Anzahl der Vermummten muss laut Müller deutlich korrigiert werden. Gesichert sei lediglich, dass zwei Störer maskiert waren. Das zeige ein Video. Müller schätzt: „Vielleicht waren acht bis zehn Personen vermummt.“ Auf die Bühne wiederum seien nur drei bis vier der Protestierer gelangt, die AfD-Chef Bernd Lucke hinunter schubsten. Und lediglich eine der festgenommenen Personen habe bislang dem linken Spektrum zugeordnet werden können, sagt Müller.

Für Lucke hatte die ganze Sache nur Vorteile. Er konnte sich und seine Gefolgsschar als Opfer präsentieren. Und sowohl die Polizei als auch die Medien machten mit. Die Korrektur der Meldung ließ man wohlweislich im Tagesgeschäft untergehen.

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