Ukrainekrise II – Das Weltkriegsszenario

Szenario: Der Dritte Weltkrieg – Präzedenzfall I : Der Erste Weltkrieg

 

Die Rhetorik steigert sich schnell. Denn auch wüste Beschimpfungen können, wenn allzu oft und gebetsmühlenartig wiederholt, in einem Gewöhnungseffekt versanden. Die von den Politikern kontrollierten Medien lassen nun offene Aufrufe zum militärischen Eingreifen folgen und bezichtigen die angeblich zögerlichen Politiker der Feigheit. Auf diese Weise erschleicht sich die Politik eine Pseudo-Legitimation, da sie sich mit dem “Druck der Öffentlichkeit” rechtfertigen kann.
Kritiker, die zur Besonnenheit aufrufen, werden durch Massenhysterie und Herdentrieb niedergetrampelt und -geschrien. Sie werden isoliert und als Dummköpfe, Links- bzw. Rechtsradikale und Staatsfeinde abgestempelt. Irgendwann, so hofft man, werden sie in schweigende Resignation verfallen.

Da sich die internationale Situation seit Jahren in Richtung einer Neuauflage der Weimarer Republik steigert, ist davon auszugehen, dass sie mindestens ebenso lang in Vorbereitung ist. Tatsächlich läuft die Vorbereitungsphase wohl bereits seit Jahrzehnten, mindestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Denn wenn man die beiden Weltkriege in Synthese mit der heutigen Situation sieht, ergibt sich ein zusammenhängendes Bild. Man erkennt, dass im Zuge des Ersten und Zweiten Weltkriegs eine neue Gesellschaftsordnung aufgebaut wurde, die zu einer schrittweise Zerstörung des Christentums und der Schaffung eines neuen, bürgerlichen Religionsersatzes führte.

Präzedenzfall I : Der Erste Weltkrieg: Der herbeigezwungene Krieg. Die Art des Umgangs mit Serbien erinnert frappierend an das heutige Vorgehen gegen Russland.

Man sollte im Hinterkopf behalten, dass sich in diesem Jahr der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Male jährt. Die Frage ist, warum man ausgerechnet in einem solchen Symboljahr eine sehr ähnliche Situation wieder heraufbeschwört.

Der Auslöser des Ersten Weltkriegs war die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares in Sarajevo am 28. Juni 1914 durch Gavrilo Princip, Mitglied der  pro-serbischen nationalistischen Bewegung Mlada Bosna. Schon die Wahl des Datums für den Besuch, der St.Veits-Tag, der die historische Niederlage der Serben gegen die Osmanen in Erinnerung ruft, musste die stolze Nation provozieren. (Am Rande: Der Tag des heiligen Veit oder Vitus soll auch der eines altslawischen Kriegsgottes sein.)

Die wahren Hintergründe dieses Attentats liegen bis heute im Dunkeln. Ebenso wie die mehr als seltsamen Umstände. So waren die Sicherheitsmaßnahmen trotz vorangegangener Attentatsversuche sehr eingeschränkt. Als ein erster Versuch durch verschiedene Mittäter zunächst scheiterte, wurde das Thronfolgerpaar vor ein Café gefahren, in dem sich Gavrilo Princip, der den Mord schließlich ausführte, befand. Zu dessen eigener Überraschung, wie er selbst später eingestand. Wie sich herausstellte, war der Fahrer von der nach dem ersten Versuch geplanten Route abgewichen. Angeblich um den Wagen zu wenden, hielt er vor dem Café, was dem Mörder die schlussendliche Gelegenheit gab, zuzuschlagen.

Interessant ist auch hier, dass der Krieg bereits im Vorfeld beschlossene Sache war. Die Art des Umgangs mit Serbien erinnert frappierend an das Vorgehen gegen Russland. Es ist wie ein Déjà-Vu. Zwar gilt die Duldung großserbischer Propaganda durch die serbische Regierung als gesichert. Ebenso sicher ist jedoch auch, dass die Regierung nicht an der Vorbereitung des Attentats beteiligt war. Dies erhellt aus einem Telegramm des österreich-ungarischen Sektionsrats Friedrich von Wiesner an das k.u.k. Außenministerium:

 Sektionsrat von Wiesner an das k. u. k. Ministerium des Äußern, 13. Juli 1914:

Daß hiesige großserbische Propaganda von Serbien aus – abgesehen von Presse – auch durch Vereine und sonstige Organisationen betrieben wird, und daß dies unter Förderung sowie mit Wissen und Billigung serbischer Regierung geschieht, ist hier Überzeugung aller maßgebenden Kreise.
Das mir als Basis dieser Überzeugungen von Zivil- und Militärbehörden vorgelegte Material qualifiziert sich wie folgt: Material aus Zeit vor Attentat bietet keine Anhaltspunkte für Förderung der Propaganda durch serbische Regierung. Dafür, daß diese Bewegung von Serbien aus, unter Duldung seitens serbischer Regierung, von Vereinen genährt wird, ist Material, wenn auch dürftig, doch hinreichend.

„Mitwissenschaft serbischer Regierung an der Leitung des Attentats oder dessen Vorbereitung und Beistellung der Waffen durch nichts erwiesen oder auch nur zu vermuten. Es bestehen vielmehr Anhaltspunkte, dies als ausgeschlossen anzusehen.“

(http://wwi.lib.byu.edu/index.php/Die%20%C3%96sterreichisch-Ungarischen%20Dokumente%20zum%20Kriegsausbruch)

Schon im Vorfeld des Attentats standen sich in Wien eine Kriegs- und eine Friedenspartei gegenüber. Die Kriegspartei unter dem Chef des Generalstabs Franz Conrad von Hötzendorf hatte bereits seit 1907 zu einem Präventivschlag gegen Italien und Serbien gedrängt, war jedoch ständig von der Friedenspartei unter seinem einstigen Förderer Thronfolger Franz Ferdinand ausgebremst worden. Der Thronfolger distanzierte sich zunehmend von dem Annexionswahn des Generalstabschefs.

Abgesehen vom zeitgebundenen Kontext gibt es auffallende Parallelen zwischen Conrads Zielen und den heutigen imperialistischen Interessen der EU und Nato:

Lange vor dem Krieg sprach Conrad von der Umgestaltung der Monarchie zu einem modernen Imperium und wollte sich an der Aufteilung des europäischen Teils des Osmanischen Reiches noch aktiver, durch dessen Zerschlagung und Einverleibung, beteiligen, um die Monarchie gegen russische und italienische Konkurrenz sowie slawischen Nationalismus zu stärken.

Auch EU und Nato kämpfen heute auf dem Wege der Einverleibung gegen die russische Konkurrenz und slawischen Nationalismus. Und die Krim ist tatsächlich ein ehemaliger Teil des Osmanischen Reiches. Zufall?

Die Ermordung des Thronfolgers in Sarajevo war für den Generalstabschef, der sich zu Aktivismus und Sozialdarwinismus bekannte, ein Befreiungsschlag. So weit ging der Hass auf den gemäßigten Franz Ferdinand und seine Vertrauten, dass man in Wiener Kreisen von der „Belvedere-Bagage“ sprach und aus dem Mangel an Trauer keinen Hehl machte. Die Friedenspartei hatte einen ihrer wichtigsten Fürsprecher verloren – und der Weg zu dem heißersehnten Krieg war endlich frei. Während Conrad sofort losschlagen wollte, entschieden sich der eigentlich ebenfalls der Kriegspartei angehörende Außenminister Leopold Graf Berchtold und Kaiser Franz Joseph dafür, dem Angriff eine zumindest zivilisiert erscheinende „Untersuchung“ des Doppelmordes vorangehen zu lassen. Tatsache ist jedoch, dass das Urteil über Serbien längst gesprochen war und als Vorwand für den Krieg feststand. So ließ denn auch Conrad seinen Kaiser und den Außenminister wissen, „die Rückkehr zum Friedenszustand sei bei der Stimmung in der Armee nicht möglich.“

Der Generalstabschef glaubte lieber an etwas, das er für natürliche Gesetzgebungen hielt als an irgendwelche religiösen Grundsätze. Zum Programm des Sozialdarwinismus gehört der Kampf ums Dasein, die natürliche Auslese und das alleinige Überlebensrecht des Stärkeren. Das „schlechte“ Erbmaterial muss dem „guten“ weichen, also eine klare Rassenideologie. Damit war er ein typischer Vorläufer des mörderischen Nazi-Systems. Auch in der jetzigen Ukraine-Diskussion liest und hört man immer wieder in verächtlichem Tonfall von „dem Russen“, was stark an den slawischen Untermenschen der Nazis erinnert. Kritiker, die zur Besonnenheit mahnen, werden als „Russenknechte“ diffamiert.

Interessanterweise wies es Conrad  weit von sich, ein Imperialist zu sein und verwies auf edle Motive – auch hier ganz wie die heutigen Propagandisten:

„Wenn Conrad die Notwendigkeit der Expansion unter anderem auch wirtschaftlich begründet hat, so zielte dieses Argument bei ihm höchstens auf eine vorbeugende Sicherung eines großen Absatzgebietes hin, doch kennzeichnet es nicht den eigentlichen Zweck der Expansion … Die innenpolitische Voraussetzung für seine Expansionsforderungen war nicht die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft, sondern der drohende Zerfall des Staates in seine nationalen Bestandteile. … Mit der Vorstellung, dass der österreichische Staat nur mehr durch Eroberung Serbiens erneuert werden könne, wurzelt also der Wille zur imperialistischen Expansion zutiefst in einem konservativen Moment. … Die Sorge um die inneren Verhältnisse war wohl der tiefere Grund für Conrads aggressive Expansionspläne. Er selbst verwahrte sich gegen den Vorwurf, Imperialist zu sein, denn er verstand unter Imperialismus nur Expansion um ihrer selbst willen.“
(Angermeier: Der österreichische Imperialismus des Feldmarschalls Conrad von Hötzendorf. In: Dieter Albrecht (Hrsg): Festschrift für Max Spindler zum 75. Geburtstag. München 1969, S. 777–792, hier: S. 786f)

Und genauso wie die heutigen Kriegstreiber unterschätzte er die Stärke Russlands und musste sich wie ein geprügelter Hund zurückziehen:

Es ging Conrad, wie Metternich, nicht um gesellschaftliche, wirtschaftliche oder koloniale Probleme, sondern um die Stärkung des Staates durch Expansion. (Angermeier: Der österreichische Imperialismus des Feldmarschalls Conrad von Hötzendorf. In: Dieter Albrecht (Hrsg): Festschrift für Max Spindler zum 75. Geburtstag. München 1969, S. 777–792, hier: S. 778f.)

Conrad sah die Rettung der wirtschaftlich wenig entwickelten und national stark gemischten Habsburgermonarchie in der Konstruktion eines Interessenstaates. Dieser sollte seine politische Kraft und historische Rechtfertigung durch die Vertretung der wirtschaftlichen Belange der kleinen Balkanvölker erlangen, um ihnen dadurch ihre Existenz überhaupt erst zu sichern.

In seinem Herrenmenschwahn unterliefen Conrad jedoch echte Fehler, die zu einer Vergeudung von Menschenleben führten:

Während ihn seine zeitgenössischen Bewunderer als größten österreichischen Feldherrn seit Prinz Eugen von Savoyen bezeichneten, wurde durch die Ereignisse schon bald die Problematik seiner Politik und seiner militärischen Planungen klar. Conrad ignorierte konsequent kritische Faktoren wie Terrain, Wetter, Jahreszeiten oder Wege für Versorgung und Truppenbewegungen.

(A. Tunstall, Jr.: Austria-Hungary. In: Richard F. Hamilton, Holger H. Herwig: The Origins of World War I. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2003, S. 112-149, hier: S. 121f., und Wolfram Dornik: Des Kaisers Falke. Wirken und Nach-Wirken von Franz Conrad von Hötzendorf, mit einer Nachbetrachtung von Hannes Leidinger und Verena Moritz. Studienverlag, Innsbruck 2013, S. 201-221.)

Die Kritik an seiner Führung im Weltkrieg bemängelt in taktischer Hinsicht, dass er die Bedeutung der modernen Schnellfeuerwaffen und der schweren Artillerie zu wenig berücksichtigt habe, wodurch bei seinem stets bevorzugten Angriffsverhalten katastrophale Verluste schon zu Kriegsbeginn eingetreten seien. Auch schwere strategische Versäumnisse seien ihm anzulasten, etwa die politisch motivierte Truppenkonzentration an der serbischen Grenze, während die russischen Armeen schon Richtung Galizien marschierten.

(Kiszling: Franz Graf Conrad von Hötzendorf. In: Walter Pollak (Hrsg.): Tausend Jahre Österreich. Eine Biographische Chronik. Band 3: Der Parlamentarismus und die beiden Republiken. Verlag Jugend u. Volk, Wien 1974, S. 39–46, hier S. 45.)

Der unseriöse Umgang mit dem Attentat, dessen Planer wohl in den Kreisen der österreichischen Kriegspartei zu suchen waren, läutete die Schicksalsstunde nicht nur für Österreich, sondern auch für Europa und ganz besonders Deutschland ein. Im Zuge der Mission Hoyos erreichte Österreich die bedingungslose Rückendeckung des Deutschen Reiches, den sogenannten Blankoscheck. Auch dies scheint wie der Krieg selbst bereits beschlossene Sache gewesen zu sein, wie folgende Zitate zeigen:

Nach langer Debatte beschloss der Ministerrat, mit der vermeintlichen Unterstützung des Deutschen Reiches im Rücken, nun eine tunlichst rasche Entscheidung des Streitfalles mit Serbien herbeizuführen. Den Bedenken des ungarischen Ministerpräsidenten István Tisza kam man dabei entgegen. Ein Ultimatum sollte konkrete Forderungen an Serbien stellen, die dann nach einer Zurückweisung zu einer Mobilisierung der k.u.k. Truppen führen würden. Außer Tisza waren sich jedoch alle Anwesenden darüber einig, „daß ein rein diplomatischer Erfolg, auch wenn er in einer eklatanten Demütigung Serbiens enden würde, wertlos wäre und dass daher solche weitgehenden Forderungen an Serbien gestellt werden müßten, die eine Ablehnung voraussehen ließen, damit eine radikale Lösung im Wege militärischen Eingreifens angebahnt würde.
Ein Krieg Österreich-Ungarns gegen Serbien war damit de facto beschlossene Sache.
Die Tragweite von Hoyos‘ Handeln zeigt sich in seinen eigenen Worten, von denen einer seiner Mitarbeiter am Ballhausplatz, Konsul Emanuel Urbas berichtete:
„Als eine tief moralische Natur hat er unter der geschichtlichen Verantwortung, die auf ihm lastete, nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns, wie ich weiß, so fürchterlich gelitten, daß er im Winter 1918/19, den er zurückgezogen in Friedrichsruh verbrachte, monatelang mit dem Gedanken des Freitodes rang.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Mission_Hoyos)

So fiel die Entscheidung für den Schlag gegen Serbien am 5. Juli 1914 im Laufe der „Mission Hoyos“ in Potsdam, und zwar ausdrücklich auch für den Fall, dass sich daraus „ernste europäische Komplikationen“ ergeben sollten.

Berchtold instruierte den österreichischen Gesandten in Belgrad bereits am Tag darauf wie folgt:
„Wie immer die Serben reagieren – Sie müssen die Beziehungen abbrechen und abreisen; es muss zum Krieg kommen.“

[…] Der Ministerrat ließ an seiner Sitzung vom 19. Juli offen, ob Serbien – wie der Diplomat Graf Alexander Hoyos überlegte – zwischen anderen Balkanstaaten aufgeteilt werden sollte. Graf Tisza stimmte der Absendung eines Ultimatums nur zu, weil von Serbien keine oder nur kleine strategisch wichtige Gebietsabtretungen verlangt wurden.
Wien war nun zu einem Krieg entschlossen und an einem serbischen Einlenken nicht interessiert:
„Einig war man darüber, die Begehrnote an Serbien zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzusenden und sie so zu redigieren, dass sie von Belgrad abgelehnt werden musste.“
Als Reaktion auf das Ultimatum erteilte der Ministerrat Russlands am 24. Juli 1914 Serbien in einem Memorandum die Zusage, dass sich Russland bei den europäischen Großmächten für einen Aufschub des Ultimatums einsetzen werde, um ihnen die „Gelegenheit für eine eingehende Untersuchung des Attentats von Sarajevo“ zu bieten. Ferner kündigte Russland eine Mobilmachung seiner Truppen sowie den Abzug seiner Finanzmittel aus Deutschland und Österreich an und versicherte, im Falle eines österreichisch-ungarischen Angriffs auf Serbien nicht untätig zu bleiben.

Am 25. Juli 1914, einen Tag vor Ablauf der Frist, erarbeitete Baron Hold von Ferneck im k. u. k. Außenministerium im Voraus eine ablehnende Antwort auf die Reaktion Serbiens.
Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien drei Tage nach Ablauf des Ultimatums begann am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_von_Sarajevo)

Ob man auch die Folgen im voraus eingeplant hatte?
Der Krieg forderte rund 17 Millionen Menschenleben. Durch die Interessenlagen der Großmächte und die deutschen militärischen Planungen wurde etwas, das als  Lokalkrieg geplant war, innerhalb weniger Tage zu einem Kontinentalkrieg unter Beteiligung Frankreichs und Russlands.

Ich möchte daran erinnern, dass die AfD in ihrem Außenpolitischen Thesenpapier eine kriegerische Auseinandersetzung auch mit Frankreich in ihre Planungen einbezieht.
Wirklich nur Zufall?
Und weiter:

Die politischen Konsequenzen des Schlieffen-Plans – unter Umgehung des französischen Festungsgürtels zwischen Verdun und Belfort griffen deutsche Truppen Frankreich von Nordosten an und verletzten dabei die Neutralität Belgiens und Luxemburgs – führten zudem zum Kriegseintritt der belgischen Garantiemacht Großbritannien und seiner Dominions (britische Kriegserklärung vom 4. August).
Da Russland im Osten bis zur Oktoberrevolution 1917 und dem separaten Friedensvertrag von Brest-Litowsk weiter am Krieg teilnahm, befand sich Deutschland für lange Zeit entgegen der Planung im Zweifrontenkrieg.
Als besondere Eskalationsstufen gelten der Gaskrieg, der unbeschränkte U-Boot-Krieg – der 1917 den Kriegseintritt der USA gegen die Mittelmächte zur Folge hatte – und der im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen stehende Völkermord an den Armeniern.

Der Erste Weltkrieg schuf eine völlig neue Dimension. Und bis heute haftet die gemeinsame Blutschuld des Völkermordes an den christlichen Armeniern an Deutschland und der Türkei. Dieser Mord diente Hitler übrigens später als Vorbild für den Holocaust an den Juden.

Der Krieg war begleitet von bestialischem gegenseitigen Abschlachten, Hunger und Revolutionen. In Russland wurde das Zarenreich hinweggefegt, weil die ohnehin gravierenden Probleme sich noch weiter verschärften und die Kräfte des Landes überstiegen. Das Volk geriet unter die Schreckensherrschaft des Kommunismus.
Der Krieg endet für Deutschland mit dem verheerenden Vertrag von Versailles, der den besten Nährboden für den Zweiten Weltkrieg lieferte. Zu den Vertragsverhandlungen wurde die deutsche Delegation nicht einmal zugelassen; ebenso wenig zu der Kommission, die die Höhe der Reparationen festlegen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands überwachen sollte. Eine beispiellose Demütigung, die umso mehr überrascht als die Kriegstreiber eigentlich in Österreich saßen.

Auch für andere Länder sind die Folgen verheerend:

Von den Verlierermächten konnte lediglich Bulgarien die staatliche Verfasstheit der Vorkriegszeit erhalten, das Osmanische Reich und Österreich-Ungarn zerfielen, in Russland ging das Zarentum unter, in Deutschland das Kaiserreich.

Der Erste Weltkrieg wurde zum Nährboden für den Faschismus in Italien sowie für den Nationalsozialismus in Deutschland, damit aber auch zum Vorläufer des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund der Verwerfungen, die der Erste Weltkrieg auslöste, und wegen seiner bis in die jüngste Vergangenheit nachwirkenden Folgen gilt er als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Mit ihm endete das Zeitalter des (Hoch-)Imperialismus und begann eine bis heute anhaltende Auseinandersetzung um die Kriegsschuldfrage. Auf kulturellem Gebiet bedeutete der Erste Weltkrieg ebenfalls eine Zäsur. Das vieltausendfache Fronterlebnis in Schützengräben und „Stahlgewittern“, das Massensterben und die notbedingten Umwälzungen des Lebensalltags auch der Zivilbevölkerung veränderten Maßstäbe und Perspektiven von Künstlern und Schriftstellern nicht allein in den nachrevolutionären Gesellschaften der Sowjetunion und der Weimarer Republik.
Die beiden Balkankriege stärkten Serbien, vertieften die Spannungen in der Donaumonarchie, verschärften den österreichisch-russischen Gegensatz und heizten den slawischen Nationalismus weiter an.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg)

In der Tat ist der Erste Weltkrieg der Kompost, aus dem eine neue, zerstörerische Weltordnung erwachsen wird. Eine Ordnung, die anmutet wie eine Ausgeburt der Hölle. Ihr Dünger sind 17 Millionen Menschenleben, millionenfache Ströme von Blut – und eine Christenverfolgung.

Wie in der gegenwärtigen Ukraine-Krise hatte es im Vorfeld des ersten Weltkriegs eine Menge von kleineren Krisen gegeben, die die späteren Allianzen vorbildeten und für Gefühle nationaler Demütigung und Revanchebestrebungen sorgten, so dass der Weltkrieg selbst lediglich die Explosion war, die den schon lange brodelnden Vulkan zur verheerenden Eruption brachte. Einer Naturkatastrophe gleich, die sich auf dem geopolitischen Seismographen durch zahlreiche kleinere Beben angekündigt hatte. Dazu gehörte nicht nur der deutsch-französische Gegensatz, sondern auch die umfassende Isolation des Deutschen Reiches, das in der Folge eine allzu enge Bindung mit Österreich-Ungarn einging, mit dem Russland aufgrund seiner  südosteuropäischen Expansionsbestrebungen in Konflikt geriet. Auch das Attentat von Sarajevo fand in diesem aufgeladenen Ambiente seine unmittelbare Vorgeschichte:

Die Bosnische Annexionskrise 1908/09 fachte den serbischen Nationalismus an und demütigte wiederum Russland, das vor einer deutschen Kriegsdrohung zurückwich. In Reaktion auf die Annexion entstand die Gruppe Mlada Bosna, die mit Unterstützung der Geheimorganisation Schwarze Hand das Attentat von Sarajewo ausführen sollte.

Die Demütigung Russlands findet ihre direkte Entsprechung in der Wiedervereinigung. Auch hier musste Russland vor Deutschland (und dessen Verbündeten) zurückweichen. Doch es war nicht nur eine einfache Demütigung. Die Wiedervereinigung hatte die Zerschlagung der Sowjetunion und damit des russischen Großreiches zur Folge. Im Laufe der Zeit musste Russland hinnehmen, dass sein  Territorium durch die Osterweiterung der EU und Nato schrittweise vereinnahmt wurde. Die Stationierung von Raketen des westlichen Verteidigungsbündnisses nahe den russischen Grenzen mussten eine weitere Provokation und Bedrohung darstellen.

Der erste Weltkrieg führte ebenso wie der zweite zu einem Untergang des alten Europa und der schrittweisen Implementierung einer neuen Ordnung, die alle Lebensbereiche umfasste. Wir können ohne weiteres von einer gesamtgesellschaftlichen Umwälzung oder gar einem Umsturz sprechen. Die
weit größere Katastrophe, im wahrsten Wortsinne der Holocaust, stand unmittelbar vor der Tür: der Zweite Weltkrieg. Ohne die Massenverelendung, die traumatischen Erlebnisse im vorangegangenen Krieg und die Revanchebestrebungen zweier großer Nationen -Deutschland und Russland- wäre das, was nun folgte, nicht denkbar gewesen.

Die Frage ist, warum wir mit der Nase auf den Ersten Weltkrieg gestoßen werden. Ist es wirklich reiner Zufall, dass sich die Krise ausgerechnet in diesem Jahr, also 100 Jahre nach dem Weltkrieg ausgewachsen hat? Oder soll es ganz einfach bei der Drohung bleiben? Die dazu führen soll, dass wir ganz artig und aus Angst vor einem potentiellen Weltkrieg nach der Pfeife der Politiker tanzen und eine neue Weltordnung akzeptieren, die angeblich den Frieden fördern und bewahren soll? Besteht die Belohnung Putins darin, dass er Deutschland als Vasallenstaat erhält und darüber vielleicht auch Europa, ganz oder teilweise? Oder gibt es hier einen Plan A und B? Und worin besteht unsere, des Volkes, Belohnung? In verstärkter Versklavung und geistiger Unterdrückung? In einer weitergehenden Umverteilung von unten nach oben? Sodass die selbsternannten Eliten wie Merkel, Obama, Putin, Berlusconi usw. noch reicher werden als sie es ohnehin schon sind, während die Armen mit dem Segen der AfD ihren Lebensunterhalt als Organspendelager für die Reichen verdienen sollen, bis sie schließlich einer gnädigen Euthanasie zugeführt werden? Wir können es nur vermuten, was unsere Herrscher und „Führer“ ausgeheckt haben. Das einzige, was wir mit absoluter Sicherheit sagen können, ist: dass wir dabei nur verlieren können.

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