Ukrainekrise I

Welches Spiel treibt der Westen? Wie man eine Krise anfeuert und als Propagandawaffe benutzt

 

Es ist nicht zu leugnen: Die Berichterstattung der westlichen Medien lässt seit geraumer Zeit keine Gelegenheit aus, um Russland und seinen Präsidenten Wladimir Putin mit Beschimpfungen und Diffamierungen aller Art zur Weißglut zu reizen. Daher liegt der Schluss nahe, dass die Krise, mit der wir nun konfrontiert werden, bereits seit langer Zeit nicht nur in Kauf genommen, sondern sogar geplant wurde.

Wer auch immer an einer Annäherung zwischen der Ukraine und der EU bzw. der Nato arbeitete, musste sich darüber im klaren sein, dass mit russischen Empfindlichkeiten zu rechnen war. Der richtige Weg wäre daher ein Aufbau von Gesprächsbereitschaft, gegenseitigem Respekt und Vertrauen gewesen. Das Gegenteil war der Fall.

Jedem auch nur halbwegs zivilisierten Menschen musste das dumm-deutsche Gegröle in den Ohren wehtun, mit dem die Medien über Putin herfielen, weil er homosexuelle und pädophile Propaganda in seinem Land verbot. In SEINEM Land, in dem ER das Hausrecht hat, wohlgemerkt. Dies ist sein gutes Recht – und die darauf folgenden internationalen Beschimpfungen, von denen die deutschen wohl die schlimmsten und primitivsten darstellten, waren nichts anderes als eine Einmischung in innere Angelegenheiten.

In ihrem grenzenlosen Hass kannte die homosexuelle Lobby kein Pardon. Die Eröffnungsveranstaltung einschließlich der gesamten Organisation in Sotschi wurde krampfhaft schlechtgeredet, Forenbeiträge, die zur Mäßigung aufriefen, zensiert oder gleich ganz gelöscht, Accounts von Kritikern gesperrt. Europa, so wurde rasch klargemacht, steht von nun an unter der Herrschaft der Schwulenlobby. Passenderweise traten die deutschen Sportler in Regenbogenfarben gewandet auf, die die Narrenkostüme des Karnevals vorwegzunehmen schienen.

Exakt dieses sich der Lächerlichkeit preisgebende Deutschland als Führungsnation Europas ist es, das dem Rest der Welt das Glück einer EU-Mitgliedschaft vermitteln soll. Wie Welt-Online berichtete, finden die Russen darauf nur eine Antwort: “Wir wollen nicht in dieses Schwulen-Europa!”

Hand aufs Herz: haben sie wirklich so unrecht?

Doch das war nur die eine Seite des Schlachtfeldes. Die andere könnte sehr bald sehr real werden. Es ist die Krise in der Ukraine.
Wenn die Nato behauptet, man sei ebenso wie Putin davon überrascht worden, ist dies allenfalls lächerlich. In einer Zeit, in der die Geheimdienste unbescholtene Bürger buchstäblich bis in ihre Unterwäsche hinein ausspionieren, erscheint die Anmutung, sie hätten dabei glatt eine sich anbahnende handfeste Staatskrise “übersehen”, wie ein Treppenwitz der Zeitgeschichte.

Noch immer ist die Frage nicht beantwortet, wer letztendlich so lange gezündelt hat, bis der politische Sprengstoff explodierte. Es wäre immerhin nicht das erste Mal, dass Geheimdienste Unruhen entfachen, um von dem Vakuum eines Umsturzes zu profitieren. Ebensowenig scheint bisher geklärt zu sein, wer wirklich einen Schießbefehl erteilt und wer die Schüsse abgegeben hat. Jeder konnte sich die Folgen solcher Schüsse leicht ausrechnen. Dass es auch die russische Seite kann, zeigt die Tatsache, dass das russische Militär auf der Krim bisher nicht einen einzigen Schuss abgefeuert hat. Dafür ist allerdings hinreichend klar, wer von den Schüssen profitierte: die Aufständischen und der Westen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt …

Auf jeden Fall aber werden sich westliche Politiker, die nichts Eiligeres zu tun hatten, als zu den Aufständischen auf dem Maidan zu eilen, vorwerfen lassen müssen, dass sie die Demonstranten bestärkt und die Krise zumindest moralisch angefeuert haben –  während schon mal Vitali Klitschko in Deutschland ganz Obama-like Staatsbesuch übte.
All dies war nichts anderes als eine Serie eindeutiger Affronts gegen Putin. In Anbetracht der tatsächlichen diplomatischen Erfordernisse  also eine beispiellose Dummheit.

Doch damit nicht genug. Man tat jetzt ganz bewusst alles, um die russische Bevölkerung gegen die neue Regierung in Kiew aufzubringen: mit der Aufhebung eines Gesetzes, das die freie Ausübung von Sprache und Kultur der Minderheiten ermöglichen sollte. Vergegenwärtigt man sich, dass auf der Halbinsel Krim 97 Prozent der Menschen als russische Muttersprachler gelten, erkennt man, dass sich hier praktisch die ganze Bevölkerung diskriminiert und in ihrer Identität bedroht fühlen musste.
Wobei man mit dieser in erster Linie gegen die Russen gerichteten Maßnahme zusätzlich die Krimtataren aufschreckte, die von islamistischen Hardlinern durchsetzt und ausgesprochen russen- und putinfeindlich sind.

Die Präsenz islamistischer Scharfmacher inmitten eines solchen Vakuums lässt die Ängste der Russen verstehen. Das Schreckgespenst des Arabischen Frühlings erscheint wie ein Menetekel an der Wand. Denn überall, wo der Westen dort die Aufständischen unterstützte, etablierte sich eine christenfeindliche islamistische Reagierung. In den Augen der Russen eine erneute Bestätigung, dass der Westen mit den Islamisten kooperierte. Was für die Russen durchaus lebensbedrohlich werden könnte. Auch Russland selbst kann an einem Erstarken der Islamisten in unmittelbarer Nachbarschaft kein Interesse haben.

Nun war der Weg offen nicht nur für einen Bürgerkrieg, sondern für eine internationale Auseinandersetzung größeren Maßstabes. Denn während die Russen nach Putin riefen, erbaten die Aufständischen den Beistand der Nato.

Putin befand sich im Grunde genommen in einer Zwickmühle. Er konnte fast nur verlieren. Marschierte er ein, erwies er sich – wunschgemäß für den Westen – als rücksichtsloser Diktator, hielt er sich zurück, erwarb er sich in Russland den Ruf eines Schwächlings. Er ging den gesunden Mittelweg: er marschierte ein, zeigte Präsenz und Stärke – gab aber keinen einzigen Schuss ab.

Doch der Westen reizte ihn weiter. Der Präsident lebe “in einer anderen Welt”, leide unter “Realitätsverlust”, er sei von der Situation überrascht worden, müsse sich jetzt aber wieder beruhigen usw. Kleine Sticheleien, die Putin unterstellen wollen, er habe die Situation nicht unter Kontrolle, leide an geistiger und nervlicher Schwäche. Tatsächlich aber ist es der dekadente Westen, der damit zurechtkommen muss, dass er dem kühl kalkulierenden Putin nicht gewachsen ist.

Welches Spiel treibt also der Westen wirklich? Diese Frage wird uns vielleicht irgendwann die Geschichte beantworten. Dass es ein schmutziges Spiel ist, ein Spiel des Terrors für die gesamte Bevölkerung des umkämpften Territoriums, ist schon jetzt klar. War das zeitliche Zusammenfallen der Winterspiele in Sotschi, die das Land in den Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit rückten, der Schwulendebatte und der jetzigen Krise unbeabsichtigt?

Oder wird an Russland und seinem Präsidenten ein Exempel statuiert?

Stand: 03.03.2014, 23:12