Zum Papstbesuch 2011: Teil III

Zu Gast bei einer “wohlorganisierten Räuberbande” – Die große Rede des Papstes im Bundestag

SPUKT IM  ALTEN REICHSTAG DER NAZI-GEIST? DIE VERSUCHTE DEMÜTIGUNG DES OBERHAUPTS DER CHRISTENHEIT

Es ist der große Augenblick, den viele Politiker so gefürchtet haben, dass sie es vorzogen, die Flucht zu ergreifen: der Stellvertreter Christi auf Erden, der Herr der Christenheit, sucht sie in ihrer Höhle auf.

Die Linken fürchten den Papst wie der Teufel das Weihwasser, das haben sie zuvor lautstark kundgetan. Dennoch sind einige von ihnen gekommen, um jene Hälfte des Wahlvolks zufriedenzustellen, die noch klarer Überlegung fähig sein könnte, und eine solche Flucht einfach nur kindisch fände, während die anderen sich demonstrierenderweise auf den Straßen herumtrieben, um die andere Hälfte zufriedenzustellen, die es ebenso wie sie für unnötig hielten, jemandem zuzuhören, bevor man ihn niederbrüllte.

Es ist auch der große Tag von Norbert Lammert, seines Zeichens Bundestagspräsident und nach dem Bundespräsidenten der Zweite Mann im Staat. Er präsentiert sich den staunenden Bürgern als praktizierender Katholik, der sogar das Vater unser übersetzt habe. Von welcher Sprache in welche Sprache, bleibt dabei seltsam unerwähnt, und großartige Pioniersarbeit kann es auch nicht gewesen sein, da das Vater unser schon lange vor Lammert in alle möglichen Sprachen übersetzt worden ist, aber jetzt wissen wir wenigstens alle: Norbert Lammert ist ein frommer Mann.

Und der genießt seine Rolle sichtlich. Er hat ja sonst nicht viel zu sagen, weshalb er die einmalige Gelegenheit weidlich ausnutzt. Er steht an seinem Pult, das alle  Parlamentsränge überragt, und der Stellvertreter Christi auf Erden, der, wie wir in meinem Beitrag “Die schweigende Gesellschaft” festgestellt haben, Träger der drei Gewalten, “Vater der Fürsten und Könige und Lenker des Erdkreises”, muss unter ihm sitzen wie ein Schulbub, der zurechtgewiesen und erzogen wird. Das hilft doch dem kleinen Ego ungemein!

Nachdem Wulff vor Schloss Bellevue auch als Betroffener vor allem das rein Menschliche zum Ausdruck gebracht hat (Zulassung Geschiedener zur Kommunion), bearbeitet Lammert nun das Feld der Ökumene, auf dem es gefälligst zu mehr Bewegung kommen müsse.

“Wir wünschen uns” sagt er mit derartig schneidender Stimme, dass auch der Schläfrigste aufwacht und versteht, dass dies ein Befehl ist. Ein Befehl an den Pontifex, der als Staatsoberhaupt des Vatikans und damit der Katholischen Kirche dem Bundestag seinen Besuch abstattet. Der Blick des Papstes zeigt, dass auch er verstanden hat. Ein Bundestagspräsident, der sonst nicht viel zu sagen hat, plustert sich auf wie der Bundesgeier, der zu seinen Häupten an die Wand genagelt ist, und behandelt das faktisch mächtigste Staatsoberhaupt der Erde wie einen Domestiken. Nur die nach außen hin vorsichtige Ausdrucksweise bewahrt den Fehltritt Lammerts vor dem, was er eigentlich ist und als welcher er Konsequenzen haben müsste: ein diplomatischer Fauxpas. Bei einem späteren Interview im ZDF darauf angesprochen, wird Lammert abwiegeln: Nein, das sei keine Forderung gewesen, nur ein “Wunsch” eben … Man weiß doch schließlich, was sich gehört!

Erneut bleibt der Papst gelassen. Sein Privatsekretär, Monsignore Gänswein, hat die Ohrfeige ohnehin schon im Gepäck. Es ist das altbekannte Procedere: ein aufs Menschliche abzielender Propagandatrick. Ernsthafte und schwierige Fragen, die verantwortungsbewusst behandelt werden müssen, werden auf ein naives Mindestmaß zurückgeschnitten und als kleine Häppchen dem Bürger verabreicht: alle Menschen sind gleich, alle Religionen sind gleich, und alle haben sich furchtbar lieb. So einfach hat das zu sein! Dass es ein Recht auf Individualität und Freiheit gerade im Bereich des Religiösen gibt, ist schon viel zu hoch. Und dass es Glaubensantworten gibt, die ganz einfach nicht miteinander zu vereinbaren sind, scheint untragbar.
Vor allem aber weiß der Papst, dass das wahre Ziel der von den Politikern geforderten Ökumene die Selbstaufgabe und Selbstauslöschung der Kirche ist. Das, was Ökumene wirklich ist, wird dem Volk aus eben diesem Grunde nicht vermittelt.

CHRISTENHETZE UND GESCHICHTSVERDREHUNG: “DIE DEUTSCHEN HABEN WIDERSTAND GELEISTET – DIE CHRISTEN WAREN DIE TÄTER!”

Zuvor jedoch muss Herr Lammert noch einiges loswerden. Jetzt glänzt er mit seinem Geschichtswissen, das er leider für ausreichend hält. Macht nichts, es passt zur Propaganda, und das allein ist von Bedeutung. Zumal ein bisschen Erpressung an die Adresse des Papstes auch nicht schaden kann…
“Christen waren es,” so tönt er, “die denunziert haben, Christen waren es, die verraten haben, und Christen waren es, die getötet haben!”
Die Christen sind an allem schuld! Lasst uns die Christen töten, dann haben wir keine Probleme mehr!

Die wahre Funktion dieser Passage wird erst deutlich, wenn Lammerts Rede in Verbindung mit Wulffs Ansprache beim Empfang des Papstes vor dem Schloss Bellevue gesehen wird. Denn auch der Bundespräsident ging auf den deutschen Widerstand ein, den er kurzerhand und fälschlicherweise für das ganze deutsche Volk – einschließlich des heutigen – vereinnahmte, als hätte Deutschland in seiner Gesamtheit Widerstand geleistet. Zugleich nannte er nur drei Einzelpersonen unter dem Oberbegriff “Glaubenszeugen”, wobei er die Bedeutung gerade des christlichen Widerstands jedoch bewusst unberücksichtigt ließ.
Demgegenüber wirkt natürlich Lammerts Hetze gegen “die Christen” weitaus stärker. Spätestens hier merkt man, wie sehr die Reden von Bundespräsident und Bundestagspräsident aufeinander abgestimmt waren. Die kombinierte Botschaft ist ganz einfach – und so geschichtsverfälschend, wie es nur geht: “Die Deutschen haben Widerstand geleistet – die Christen waren die Täter!”

Bewusst, denn wer könnte Herrn Lammert einen solchen Grad an Unwissenheit, um nicht zu sagen: Dummheit vorwerfen, unterschlägt er die zahllosen Christen (darunter die Großmutter der Autorin), die unter Lebensgefahr für ihre gesamte Familie Juden versteckten, über Grenzen schmuggelten, Widerstand gegen das Naziregime leisteten und in den Konzentrationslagern ermordet wurden, weil sie ebenso mutig zu ihrem Glauben standen, wie der Papst es heute von uns verlangt.

Was ist mit dem Priester-KZ Dachau? Was ist mit Papst Pius XII, der die Klöster als Unterschlupf für die verfolgten Juden öffnete und unter der Hand jene Widerstandskämpfer förderte, deren Familien nach dem Krieg von der Bundesrepublik vergessen wurden? Was ist mit dem Klerus, der sich dem messianischen Wahn Hitlers entgegenstellte? Was mit jenen Priestern, die ermordet wurden, weil sie von den Kanzeln herab vor der staatlichen Mörderbrigade warnten, wie es jetzt Papst Benedikt XVI tut? Was mit Kardinal Graf von Galen, vor dessen Predigten die Nazi-Schergen zitterten? Was ist mit den zahllosen anderen, namenlos gebliebenen Christen, die im ganz normalen Alltag Widerstand leisteten, jeder nach seiner Art und seinem Vermögen?

Und was schließlich ist mit der Bundesrepublik, die keinerlei Skrupel hatte, Nazis beim Auswärtigen Amt und Bundeskriminalamt zu beschäftigen – in ranghohen Positionen? Und was ist mit Herrn Norbert Lammert, der sich als praktizierender Katholik geriert und doch nichts andres ist als ein Denunziant in den Diensten einer Regierung, die die Widerstandskämpfer trotz alljährlicher Heuchelei vor einem Denkmal gering achtet und ihre Schergen mit höchsten Positionen belohnte?

Nachdem der fromme Herr Lammert befriedigt zu einem Ende gefunden hat, erhebt sich der Papst gelassen und schreitet souverän zu dem Pult, an dem zuvor der Bundestagspräsident stand. Dieser belehrt ihn rasch: Nein, nicht hier oben – da unten! Eine Geste, die sich auf seltsame Weise in den Kontext einfügt: der Bundestagspräsident verweist das Oberhaupt der Christenheit an den ihm zukommenden Platz: unter ihm, dem frommen Herrn Lammert! Natürlich war das untere Pult bereits zuvor als der Platz für die Redner bestimmt worden, aber dennoch hat diese offenkundige Zurechtweisung etwas Symbolhaftes. Und man fragt sich auch, warum das Oberhaupt der Christenheit nicht, wie es ihm eigentlich zugekommen wäre, von dem höheren Pult aus sprechen durfte…

WARNUNG VOR SCHEINRECHT UND SCHEINRELIGION

Der Papst ignoriert jede einzelne dieser Zumutungen, wie sie für kleine Geister so typisch sind, und nimmt demütig mit dem Pult Vorlieb, das ihm zugewiesen wird. Die anschließende Rede, auf den ersten Blick freundlich und von diplomatischer Zurückhaltung geprägt, wirkt besonders nach diesem unwürdigen Vorspiel wie eine schallende Ohrfeige.

Von vornherein macht der Oberhirte eines klar: er kommt als Staatsoberhaupt, das “die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt“. Doch damit nicht genug; es ist vielmehr eine internationale, globale Verantwortung für die ganze Menschheit, denn: “Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt.“
Dem wachsamen Zuhörer dürfte schon jetzt auffallen, dass dies keine freundliche Sonntagspredigt wird. So beginnt eine Grundsatzrede, die Weichen stellt und knallharte Konditionen festlegt. Der Papst spricht als Staatsmann, und zwar als einer, der weit über seinen parlamentarischen Zuhörern steht. Hier spricht der „Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises“, wie es in der alten Krönungsformel der Päpste heißt.

Er beginnt mit dem “hörenden Herzen”, um das der junge König Salomon Gott bittet, von dem er seine Macht erhalten hat. Der Machthabende muss stets bereit sein, auf die Stimme des Gewissens zu hören, die die Stimme des Naturrechts ist. Der Mensch kann sich jedoch dieses Recht nicht einfach zusammenbasteln, wie er es, Moden, Trends und politischen Hetzkampagnen folgend, gerne hätte. Das natürliche Recht ist vom Schöpfer der Natur direkt in diese hineingelegt worden. Damit gibt es ein Recht, das dem Menschen übergeordnet und von ihm unabhängig ist, die innere Stimme, die uns rät, das Gute zu tun und  das Böse zu lassen; womit die Stimme des Gewissens nichts anderes ist als die Stimme Gottes. Damit steht der Wille Gottes, der sich in der Schöpfungsordnung ausdrückt und in ihr erkennbar ist, im Zentrum jeglicher menschlichen Tätigkeit. Woraus wiederum folgt, dass die Zehn Gebote, die letztendlich auf der Goldenen Regel beruhen (“Was Du nicht willst, das man Dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu”) die natürliche Grundlage des menschlichen Zusammenlebens sind. Sie verhindern, dass der Politiker das Volk bestiehlt, Soldaten in sinnlose Kriege schickt oder einer mächtigen Lobby zuliebe die Umwelt zerstört.

Das natürliche Rechtsempfinden ist selbst den Menschen eingewurzelt, die keine Christen sind, und sogar Tiere haben ein fundamentales Empfinden von Recht und Gerechtigkeit, was eindeutig auf die Existenz eines solchen übergeordneten und den Geschöpfen eingewurzelten Naturrechts hinweist.

Der lange Passus über das Recht ist im Kontext des Papstbesuchs von höchster Wichtigkeit. Er nimmt geradezu eine Schlüsselposition ein. Da Recht und Glaube in unmittelbarem Zusammenhang stehen, berührt er auch die Frage, die ihm Norbert Lammert vorgelegt hat. Der Papst warnt vor einer falschverstandenen Ökumene, die für alle Beteiligten in ein Desaster münden wird, vor einer gewissermaßen am politischen Küchentisch selbstgemachten Religion, diktiert von den Wünschen derzeitiger Machthaber, um ihrem globalen Unrechtssystem den Anstrich des Religiösen zu verleihen.

Was soll das heißen?

Das positivistische Rechtsverständnis steht mit einem positivistischen Glauben in direkter Verbindung; einem “verhandelbarem Glauben”, den der Papst strikt ablehnt, wie er in seiner Ansprache im Augustinerkloster Erfurt deutlich macht.. Nichts anderes aber wäre die Ökumene: ein künstliches, von Menschen nach eigenem Gutdünken geschaffenes Gebilde, basierend auf Verhandlungen über den kleinsten gemeinsamen Nenner wie ein Business-Vertrag. Der Ökumene-Glaube ist ein Glaube aus dem Reagenzglas, der Gott als Ursprung ausschließt und den Menschen als “Macher“, ja, als Schöpfer an seine Stelle setzt.

Das letztendliche Ziel ist die Schaffung eines neuen Christentums. Daher ist Ökumene nur ein schönerer Name für das, was Hitler “positives Christentum” nannte, eine raffinierte Bezeichnung, da sie suggeriert, das von Jesus Christus gegründete und von seinem Stellvertreter auf Erden verteidigte Christentum sei negativ, etwas, das man ausrotten und bekämpfen müsse. In Wirklichkeit ist dieses “positives Christentum” ein positivistisches, und da es naturgemäß nicht Seite an Seite mit der wahren Religion existieren kann, bedarf es einer positivistischen Rechtsordnung, die seine Ausrottung erlaubt und sanktioniert. Es ist nichts anderes als ein Antichristentum, das den Antichristen und damit Satan selbst, an die Stelle Gottes setzt. “Ihr werdet sein wie Gott” – diese schmeichelnde Verführung der Schlange im Paradies steht exakt hinter dieser Neuschöpfung, die eine Gegenschöpfung ist. Später wird der Papst die Jugend vor den selbsternannten “Lichtbringern” warnen – dieses Wort ist die wörtliche Übersetzung von “Luzifer”. Es ist der Name Satans, als er noch einer der höchsten Engel war.

Ein solches Rechtssystem, gekoppelt mit einem solchen Glauben, ist seit jeher das Objekt der Begierde aller Machthaber, denn es gibt ihnen freie Hand bei allen ihren Verbrechen. Je nach Bedarf kann ein solches System “angepasst” werden. Das Ergebnis ist in Wirklichkeit ein rechtsfreier Raum, in dem einzig das “Recht” des Stärkeren, des Reicheren, des Mächtigeren gilt. Es ist das Ermächtigungsgesetz in allen Bereichen des Lebens. Das Fehlen von Recht ist nichts anderes als das allgegenwärtige, unentrinnbare Unrecht.

Der Politiker trägt Verantwortung vor Gott und den Menschen, er muss den “Maßstab der Gerechtigkeit, … Willen zum Recht und … Verstehen für das Recht“ haben. Der Wille des Menschen ist frei. Aber wenn der Mensch sich der Erkenntnis des Guten und Richtigen verweigert, weil er es nicht will, dann wird er auch nicht mehr erkennen. Erfolg in der Politik ist die Mehrung der Macht und des Reichtums; daher kann Erfolg verführen und die Gerechtigkeit zerstören. Das Recht wird nach Gutdünken verfälscht. Nicht umsonst verweist der Papst auf die Nazis, deren System auf den ersten Blick durchaus erfolgreich war.

DER STAAT ALS RÄUBERBANDE – WAS WIRKLICH HINTER DEM AUGUSTINUSZITAT STECKT

Gerade hier wird der Papst deutlich: er zitiert den berühmt-berüchtigten Satz aus dem Werk “De Civitate Dei” des Kirchenlehrers Augustinus: „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“. Die Fortsetzung beschreibt exakt das positivistische Rechtssystem, ausgehandelt nach gegenseitiger Übereinkunft: „Sind doch auch Räuberbanden nichts anderes als kleine Reiche. Sie sind eine Schar von Menschen, werden geleitet durch das Regiment eines Anführers, zusammengehalten durch Gesellschaftsvertrag und teilen ihre Beute nach Maßgabe ihrer Übereinkunft.“

Erst der Kontext des Zitats offenbart dessen Brisanz; es findet sich im vierten Buch seiner Schrift, in dem Augustinus die wahre christliche Religion gegen ihre Verleumder verteidigt, die die Christen für alle Übel der Zeit verantwortlich machen, obwohl sie sie selbst durch eigenes sittliches Versagen heraufbeschworen haben. Dabei hetzen die Mitglieder der Führungsschicht, die es eigentlich besser wissen, die ungebildete Masse auf, indem sie Geschichtsverdrehung und -verfälschung betreiben. Man kann sie ganz leicht widerlegen, indem man ihnen ihre eigenen Geschichtsbücher unter die Nase hält. Der Grund für ihre Hetzpropaganda liegt jedoch darin, dass diese Demagogen ihre alten Götzen heimlich immer noch verehren, die doch nichts anderes als Dämonen sind und an den Verbrechen der Menschen Gefallen finden.

Man braucht wenig Phantasie, um sich vorzustellen, welcher Art diese deutschen Dämonen tatsächlich sind, die an Verbrechen Gefallen finden. Hier sind nicht die urgermanischen Götter angesprochen, sondern die Ideologie des Nationalsozialismus, der Traum, dem wahren Christentum ein selbsterdachtes „positives“ entgegenzusetzen, das den mörderischen Herrenmenschen heranzüchtet, und das blutige Ritual des Massenmordes zu seiner Liturgie erhebt. Ihr Gott ist der, den die Bibel als Menschenmörder von Anbeginn bezeichnet, Satan selbst.

Drastisch beschreibt Augustinus im zweiten Buch den Staat ohne göttliches Gesetz (Kapitel 20): Seinen Führern, die er unmissverständlich als Tyrannen bezeichnet, ist es völlig gleichgültig, welche Verworfenheit und Lasterhaftigkeit in ihrem Staat herrscht, wenn nur der Rubel rollt und die Kasse stimmt – der Reichen und Mächtigen wohlgemerkt, nicht der Allgemeinheit, denn eine Gesellschaft ohne das auf dem Naturrecht des Schöpfers basierende Rechtssystem entbehrt auch jedes Empfindens für Gerechtigkeit. Ein solcher Staat wird beherrscht von Hurerei, Fressen und Saufen – man vergleiche dazu übrigens die Liste von Lieblingstätigkeiten, die einst Oskar Lafontaine von sich gab (und später abstritt): “Fressen, Saufen, Vögeln“.

Da dies die höchsten Werte in einem zur Räuberhöhle verkommenen Staat sind, müssen Reichtümer ständig vermehrt werden, “um den täglichen Verschwendungen gewachsen zu sein und sich die wirtschaftlich Schwächeren dienstbar zu machen“. Eine unheilvolle Spirale setzt ein, in der die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Hier wird genau die Zweiklassengesellschaft skizziert, in die  wir heute hineinsteuern. „Die Armen sollen den Reichen unterwürfig sein, um satt zu werden und sich unter deren Schutz einer trägen Ruhe zu erfreuen; die Reichen sollen die Armen in großer Zahl als ihren Stab und als Werkzeuge ihrer Hoffart um sich scharen“.

Die Bürger lassen sich freiwillig versklaven und hängen in hündischer Ergebenheit an ihren Führern, wenn die ihnen nur die Bäuche bis zum Erbrechen füllen und jedes Laster durchgehen lassen: „Jedermann soll Tag und Nacht hindurch spielen und trinken, speien und schlemmen können, wo es ihn freut. […] Die Menge soll denen Beifall klatschen, die sie mit Vergnügungen überschütten, nicht denen, die auf den gemeinen Nutzen bedacht sind. Nichts Unbequemes soll befohlen, nichts Unsittliches verwehrt werden. Die Könige sollen bei ihren Untertanen nicht auf Gediegenheit, sondern auf Unterwürfigkeit schauen.“

Wehe aber denen, die darauf hinzuweisen wagen, dass man auf dem brodelnden Vulkan tanzt: “Wem eine solche Glückseligkeit missfällt, der gelte als Feind des Staates; wer darin etwas zu ändern oder sie uns zu nehmen sucht, den soll das freie Volk überschreien, von der Schwelle verjagen, aus der Zahl der Lebendigen tilgen.“

Ist es nicht genau der Empfang, den man Papst Benedikt XVI bereitet hat?

Und welche Art von „Gott“ will diese von Augustinus geschilderte gottlose Gesellschaft? Ganz einfach: „Das seien unsere wahren Götter, die eine solche Glückseligkeit den Völkern verschaffen und sie ihnen erhalten.“

Es sind all die Baals und Molochs der Geschichte.

Wie kein Mensch für sich allein existiert, so erst recht kein Staat. Das Böse ist wie eine durch einen gefährlichen Virus ausgelöste Krankheit; es pflanzt sich fort und löst wiederum Böses aus, bis es die Welt zerstört hat. Denn Ungerechtigkeit ist das fortwährende „Nein“ zu der göttlichen Harmonie, die der Natur innewohnt. Und damit macht sich der Ungerechte zum Werkzeug Satans, der Gott die Schöpfung neidet, weil er selbst als „Kraft, die stets verneint“ kein Leben schaffen kann. Aus der Negation des Lebens erwächst seine Ver-Nichtung. Schon einmal hat Deutschland zum Verhängnis der ganzen Welt diese Rolle übernommen, und wenn dies in der heutigen vernetzten Welt noch einmal geschieht, wird der Schaden bei weitem größer sein.

Heiner Geißler hat moniert, dass der Papst den Begriff „iustitia“ des Originals, der laut Schulbuch eigentlich mit „Gerechtigkeit“ zu übersetzen wäre, als „Recht“ wiedergab. Tatsächlich gibt es „iustitia“ auch als die objektive Gesamtheit aller Gesetze und damit als Rechtssystem. Während „Gerechtigkeit“ das subjektive Gefühl für das, was recht und billig ist, bezeichnet (etwa im Benehmen gegenüber den Eltern), meint auch Augustinus hier eindeutig das auf der christlichen Schöpfungs- und Naturrechtslehre basierende und in der Natur geoffenbarte göttliche Recht. Ein Staat, der gegen dieses natürliche Recht verstößt, erschafft sich ein Scheinrecht, wie es ihm passt zwecks Absegnung seiner Verbrechen. Diese Entwicklung hat das Dritte Reich eindrucksvoll demonstriert. Die Folge ist Rechtlosigkeit, was noch schlimmer ist als eine Ungerechtigkeit, die sich auch in einem festgefügten und ordentlichen Rechtssystem ereignen, aber aufgrund dieses funktionierenden Systems repariert werden kann. Ist aber das Recht selbst betroffen, dann sind auch die Grundlage und der Rahmen jeglicher Gerechtigkeit zerstört.

DAS RECHT AUF WIDERSTAND

Aber der Papst geht noch einen Schritt weiter. Ist es dem Einzelnen erlaubt, sich der Mehrheitsmeinung in den Weg zu stellen, wenn die das Unrecht bejaht? Dazu zitiert er den Theologen Origenes, der den widerständigen Charakter der Christen im 3. Jahrhundert folgendermaßen begründete: „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde“. Mit anderen Worten: der Christ darf nicht nur, er soll sich der ungerechten Mehrheit widersetzen und dazu Vereinigungen gründen.

Dies ist ein klarer Aufruf zum Widerstand, erst recht in Verbindung mit dem Hinweis auf den deutschen Widerstand, der der ganzen Menschheit einen Dienst erwiesen habe. Und wenn wir bedenken, dass dieser Widerstand die Beseitigung Hitlers plante, dann wird die Sache erst richtig brisant: dies führt uns nämlich direkt zur Frage des Tyrannenmordes …

DAS UNRECHT KOMMT OFT IN DER MASKE DES RECHTS

Papst Benedikt XVI berücksichtigt nichtsdestoweniger, wie schwierig es heute ist, Recht von Unrecht zu unterscheiden, denn letzteres kommt unter dem Deckmantel der Demokratie und der wissenschaftlichen Errungenschaft daher. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass bereits das Dritte Reich die Euthanasie als Lösung für die „armen Kranken“ deklarierte. Und die Auslese von Menschen lief unter der Schaffung einer besseren Rasse und der Züchtung des Herrenmenschen. Das Böse erscheint mit einem Lächeln und unter der Maske des Edelmuts.

Dennoch wendet sich der Papst gegen ein „Offenbarungsrecht“, also ein Recht, das sich auf eine göttliche Offenbarung zurückführt. Den „Gottesstaat“ als religiös verbrämte Diktatur lehnt das Christentum ab, „im Gegensatz zu anderen großen Religionen“, wie er geschickt auf den Islam hinweist.

Die wahren Rechtsquellen sind vielmehr Natur und Vernunft; wobei die vom Menschen nicht geschaffene und nicht in ihrem tiefsten geheimnisvollen Sein beeinflussbare Natur als objektive Vernunft mit der subjektiven Erkenntnisfähigkeit des Menschen in Harmonie stehen muss. Da beide geschaffene Vernunft sind, leiten sie sich zurück zu „der schöpferischen Vernunft Gottes“. Während die natürliche Vernunft, also das Naturrecht, vorgegeben ist und daher „objektiv“ vorliegt, beruht die des Menschen auf einer subjektiven Willensentscheidung. Erkenntnisfähigkeit setzt jedoch Erkenntnisbereitschaft voraus – und damit sind wir wieder beim „hörenden Herzen“ des jungen König Salomon angelangt. Wer nicht „hin-hört“, der hört auch nichts. Und wer nicht hin-sieht, der sieht auch nichts. Dies ist die Grundentscheidung des Menschen, die er mit seinem freien Willen trifft: Will ich sehen? Will ich hören? Diese „innere Stimme“, die subjektive Vernunft oder das hörende Herz – wie immer man es nennen will – nennt man „Gewissen“. Das Gewissen verbindet also das Geschöpf mit seinem Schöpfer.

Der Mensch kann diese Verbindung zu Gott kappen. Dann muss er allerdings auch mit den Folgen leben.

DIE WÜRDE DES MENSCHEN BASIERT AUF DER ANNAHME EINES SCHÖPFERGOTTES

Abschließend verweist der Papst auf die innige Verbindung zwischen dem Konzept der Menschenwürde und der Annahme eines Schöpfergottes. Tatsächlich bezieht das menschliche Wesen seine Würde aus der Tatsache, dass jeder Mensch ein von Gott individuell konzipiertes Geschöpf mit den ihm eigens verliehenen Talenten, Rechten und Pflichten ist. Daher ist es so wichtig und im Grundgesetz verankert, dass der Mensch ein Recht auf Arbeit hat, weil er sich entfalten muss. Ein Mensch, der sich nicht gemäß seinen Talenten entfalten kann, weil er – auf welche Weise auch immer – unterdrückt wird, erleidet eines der schlimmsten Martyrien, weil er praktisch umsonst gelebt hat. Entfaltung ist Atmen. Unterdrückung ist ersticken. Daher es gehört zu dem besonders beliebten Arsenal aller Schurkenstaaten, seine Künstler und Intellektuellen zu unterdrücken.

DIE INNERE IDENTITÄT EUROPAS

Von den Rechtsquellen und der Ableitung der Menschenwürde aus der Annahme eines Schöpfergottes leitet Papst Benedikt XVI über zu der inneren Identität Europas, die sich auf die dreifache Begegnung „zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms“ zurückführt. Durch die schlichte Nichterwähnung setzt sich der Pontifex in klaren Gegensatz zu Bundespräsident Wulff, der bei seinem Amtsantritt die Bedeutung des Islams hervorgehoben hatte. Gleich daran anschließend, kurz vor dem Ende der Rede und damit in hervorgehobener Position, kommt eine seltsame Passage, die unwillkürlich die Frage aufwirft, über welche Informationen der Vatikan verfügt:  „Sie (die dreifache Begegnung, d. Verf.) hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen, Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.“ In unserer historischen Stunde? Die Würde eines jeden Menschen? Handelt es sich schlicht um die Präimplantationsdiagnostik (PID)? Oder steht noch etwas anderes im Raum?

DER MYSTERIÖSE ABSCHLUSS: IST DAS DRITTE GEHEIMNIS VON FATIMA DER SCHLÜSSEL? WARNT DER PAPST VOR DER ISLAMISIERUNG EUROPAS?

Die Autorin ist der Meinung, dass der Papst vor der Islamisierung Europas warnt, die zu einer Christenverfolgung apokalyptischen Ausmaßes führen wird. Da er in der Rede an die Jugendlichen gleichzeitig vor der Freimaurerei warnt, scheint er eine -bekannte – Allianz zwischen Freimaurerei und Islam anzusprechen, die dazu dienen soll, sich der Christen endgültig zu entledigen. Hierzu passt auch sein häufiger Hinweis auf eine anstehende Christenverfolgung. Es ist nicht auszuschließen, dass der Papst vor einem allzu engen Schulterschluss mit der Türkei warnt. Bereits Hitler hat mit islamischen Kräften kollaboriert, um die Vernichtung der Juden voranzutreiben; und es ist eine bis vor kurzem von Deutschland und der Türkei unterdrückte Tatsache, dass beide Länder bei dem an den Armeniern begangenen Massenmord kooperiert haben. Es war eine Christenverfolgung – und nach einigen Berichten waren deutsche Offiziere offenbar sogar daran beteiligt. Hitler war fasziniert von diesem Genozid, weil von den Opfern niemand mehr sprach.

Es ist eine furchtbare Tatsache: Deutschland und die Türkei eint ein Massenmord, der das älteste christliche Volk praktisch auslöschte. Der Papst weiß also nur zu gut, wovon er spricht.
Und nach dieser „erfolgreichen“ Generalprobe geht es allen Christen an die Kehle …
Konkret: Die Islamisierung Europas wird betrieben, UM die Christen auszulöschen. Die Art und Weise, wie der Papst als Staatsoberhaupt im deutschen Bundestag behandelt wurde, der wieder der alte Reichstag Adolf Hitlers geworden ist, spricht dafür, dass diese Ausmerzung eine längst beschlossene Sache ist.

Jetzt können wir die Frage, über welche Informationen der Vatikan verfügt, vielleicht beantworten, allerdings mit einer erneuten Frage: Deutet der Papst auf diese Weise den wahren Inhalt des Dritten Geheimnisses von Fatima an?

Der Appell an „die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden“ zeigt, wie unglaublich wichtig diese Rede ist, die man nachher spöttisch als die rechtsphilosophische Vorlesung eines Professors bezeichnete. Das Gegenteil von Frieden ist Krieg, ein gewaltiger Krieg, ein Massenmord. Und genau das ist das Thema dieser ganzen Rede.
Aber die einen taten so, als hätten sie nichts verstanden, die anderen hatten wirklich nichts begriffen.

Zwei große Gegner hat dieser Papst und mit ihm die ganze Christenheit: die Dummheit und Bosheit der Leute, die leider über das Schicksal des Erdkreises entscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.