Zum Papstbesuch 2011: Teil I

Die schweigende Gesellschaft, ihr tragischer Papst – Und das Dritte Geheimnis von Fatima

KULTUR DES SCHWEIGENS – KULTUR DES BÖSEN

Es gibt in jeder Gesellschaft, ganz besonders aber in der deutschen, ein ungeschriebenes Gesetz: das Gesetz des Schweigens und Verschweigens. Man nennt die Dinge nicht beim Namen, man beschönigt, verharmlost oder verdrängt sie. Was nichts anderes als eine Überlebensstrategie ist, ermöglicht den Aufstieg von Diktaturen und den Niedergang eben jener Gesellschaften, in deren Schweigen die Tyrannen ihre schützende Nische fanden.
Das Schweigen ist eine Disziplin, in der sich die Deutschen während des Dritten Reiches bei Lebensgefahr üben mussten, als jedes Wort über die unübersehbare Realität des Bösen und den absehbaren Untergang das sichere Todesurteil bedeutete. So kam es, dass Millionen von Menschen ermordet und durch weithin sichtbare Schornsteine beseitigt werden konnten, ohne dass die Bevölkerung etwas davon wusste – oder zu wissen wagte.
Und eine regelrechte Institution des Schweigens, die Omertà, ermöglichte es der Mafia, seelenruhig ihre mörderische Herrschaft auszubauen, der ganze Staaten (einschließlich des Vatikans) unterliegen.
Diese verhängnisvolle Kultur gehört zu dem Geheimnis des Bösen, sei es, indem sie es banalisiert oder auch schlicht verschweigt. Denn auch die Verharmlosung ist ein Teil des Verschweigens.
Daher ist die Kultur des Bösen ohne die des Schweigens nicht denkbar. Indem das Schweigen zum Verschweigen wird, wird es zu einem Teil der Lüge. So tanzt die ganze Gesellschaft auf einem brodelnden Vulkan, in einer luftdichten Vakuumblase abgeschlossen gegen eine Realität, die sie nicht ertragen könnte. Der Selbstbetrug ist überlebensnotwendig.

DIE LAHMLEGUNG DER KIRCHE DURCH DIE KURIE

“Darüber spricht man nicht” ist leider auch die Maxime, mit der aufmerksamen Christen bis hinauf zum Papst der Mund gestopft wird. Und damit man sicher sein kann, dass kein Laut der Kritik an die höchste kirchliche Stelle dringt, wird der Stellvertreter Christi von einem Apparat wachsamer Funktionäre abgeschirmt, einer undurchdringlichen Mauer, an der alles abprallt, Eingaben, Beschwerden, Lageberichte, wissenschaftliche Untersuchungen, einfach alles. Ein Konstrukt verkrusteter Machtstrukturen und starrer Apparatschiks: das ist die kirchliche Verwaltung, genannt Kurie, gegen die mehrere Päpste bisher vergebens kämpften. Nichts beschreibt die Situation so treffend wie der zynische Spruch: “Päpste kommen und gehen, die Kurie bleibt bestehen.”
Die Wenigen, die sich in mühevoller Kleinarbeit eine Lobby verschaffen konnten, haben sich selbst längst, um in dem Schlangennest zu überleben, der allgemeinen Choreographie der Leisetreterei und dem flüsternden Säuseln von Halbwahrheiten angepasst. Ständig ist da irgendjemand, dem man mit irgendeinem falschen Wort auf die Füße treten könnte. Fettnäpfchen warten gut versteckt und allgegenwärtig. Also sagt man am besten gar nichts.
Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen; alles andere gefährdet die Karriere und mitunter auch das Leben. So werden dringend benötigte Reformen verhindert und Mißstände so fest verankert, dass sie ganz automatisch zu einer “Tradition” werden.

DAS VERSAGEN DER BISCHÖFE

In den Bistümern sind die Bischöfe in genau der gleichen Weise von den Gläubigen abgekoppelt. Sekretäre bestimmen, was zu ihnen gelangt, wem die Gnade widerfährt, empfangen zu werden oder auch nur eine geneigte Antwort zu erhalten; und die Bischöfe lassen sich diese Abschirmung gerne gefallen – zeigt sie doch, wie wichtig und im wahrsten Wortsinne “erhaben” sie sind, wenn sie sich nicht mehr mit “jedem” abgeben müssen. Als Fürsten fühlen sie sich plötzlich, die als Söhne einfacher Familien zu ihrem Amt gekommen sind, weil man ein Gespräch mit ihnen von nun an “Audienz” nennen und katzbuckelnd dahertrippeln muss, wenn sie sich gnädig herabgelassen haben, den “Bittsteller” zu empfangen. “Hirten” nennen sie sich, doch mit ihren Schafen wollen sie in Wahrheit nichts zu tun haben. Die Gläubigen sind ihnen ebenso gleichgültig wie die Priester.

Denn schließlich gibt es für sie Wichtigeres. Haben sie es endlich geschafft, durch kultivierte Unauffälligkeit auf den Bischofsthron zu gelangen, müssen sie darauf achten, niemandem von den nicht weniger karrierebeflissenen Mitbrüdern auf die Füße zu treten, zugleich aber durch einen unauffälligen Wink mit dem Zaunpfahl diskret darauf hinzuweisen, dass sie, und nur sie, für die nächste Beförderungsstufe geeignet sind. Im Prinzip fühlen sie sich aber schon auf die Inseln der Seligen entrückt, wo sie kein Sterblicher mit den primitiven Niederungen seiner Existenz belästigen kann. Um dem Gottesvolk vorzugaukeln, man nehme sich seiner an, ist man auch schon mal zu einem Akt kultivierten Aufmuckens bereit, das jedoch sofort wieder in der Gleichgültigkeit der Loyalität versickert. Dann lassen sie sich bauchpinseln von den Medien, die sie für ihre Harmlosigkeit belohnen, was sehr schnell vorbei sein kann, sobald sie ernstzunehmende Kritik an den Zeitumständen zu äußern wagen.

KÄUFLICHE POLITIKER

Auf weltlicher Seite wird genau dasselbe durchexerziert. Politiker, die alle vier Jahre von ihrem Olymp herabsteigen, um sich dem Wahlbürger anzubiedern, der ihnen ihre Pfründe garantiert. Mittelmäßige bis niedrige Charaktere, die sich nach oben und unten andienen, um möglichst lange möglichst viel aus der Staatskasse herauszuholen, und sich dabei als “Elite” fühlen. “Links” und “Rechts” liefern sich dekorative Grabenkämpfe, damit der Wähler glaubt, eine Wahl zu haben. Und der Illusion erliegt, in einer Demokratie zu leben. Tatsächlich aber richtet sich die Politik in den entscheidenden Grundfragen nach international vorgegebenen Richtlinien, denen eine quasi-göttliche Geltungskraft zukommt, weil sich die Menschen, die sie entworfen haben, als Götter fühlen.

Und sich an Gottes Stelle setzen wollen.

Daher ist die wichtigste dieser entscheidenden Grundfragen die Existenz – oder Nichtexistenz – des Christentums.
Und genau darüber spricht man nicht.
Besonders nicht, wenn es um die AUSMERZUNG des Christentums geht.

Unter dem Deckmantel der Demokratie hat sich die Diktatur bereits fest eingerichtet und Unwörter definiert, die zu nennen verhängnisvoll wäre. Die Medien sind zentralisiert, sie haben ihre Vorgaben, und jeder Journalist, der sich nicht danach richtet, wird ebenso wie jeder Wissenschaftler brotlos gemacht. Noch schlimmer: er wird mundtot gemacht. Er wird ganz einfach nicht mehr gedruckt.

DAS DRITTE GEHEIMNIS VON FATIMA

Zu den bedeutendsten Schweigethemen gehört seit den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das berühmt-berüchtigte “Dritte Geheimnis von Fatima”, das “spätestens 1960“ veröffentlicht werden sollte. Johannes XXIII und Paul VI weigerten sich mit aller Entschiedenheit, den Wortlaut publik zu machen; Johannes Paul I, der kurz vor seiner Papstwahl von der Seherin Schwester Lucia selbst in die Thematik eingeführt worden war, soll von dem Inhalt so entsetzt gewesen sein, dass er tiefgreifende Reformen plante, um das Ruder herumzureißen. Sein ebenso unerwarteter wie bis heute mysteriöser Tod vereitelte diese Pläne auffallend pünktlich. Sein Nachfolger Johannes Paul II entschied sich erst im Jahre 2000 zu einer Veranstaltung, die unter dem Vorsitz des heutigen Papstes und damaligen Kardinals Joseph Ratzinger als Leiters der Glaubenskongregation so etwas wie eine “Veröffentlichung” vornehmen sollte. Jedoch auf die Frage eines Journalisten, ob dies alles sei, antwortete Ratzinger mit unverkennbarer Verlegenheit: “Fast alles.” Mit anderen Worten: Bis heute kennen
wir nicht den vollständigen Wortlaut des Geheimnisses! Was wird uns also noch verschwiegen?

Insider behaupten, dass jeder, der das vollständige Geheimnis kenne, um sein Leben fürchten müsse. Schwester Lucia, die Seherin, gab den Hinweis, man solle die Apokalypse lesen – dann wisse man es. Die Apokalypse handelt von der Machtergreifung des Antichristen und der blutigen Abschlachtung der Christen. Eindrucksvoll das Bild der Hure Babylon, die das Blut der Martyrer aus goldenem Kelch trinkt.

Die Brisanz muss allerdings darin bestehen, dass das Fatima-Geheimnis Ross und Reiter nennt. Jedenfalls fällt die überraschende Einigkeit zwischen gewissen kirchlichen und weltlichen Kreisen auf, wenn es um die Unterdrückung der Wahrheit geht. Beide müssen also in irgendeiner Form von den Enthüllungen betroffen sein. Wie auch immer: bis heute gibt es nur ganz wenige Menschen auf dieser Welt, denen der wahre Text der Offenbarung bekannt ist.

Zu diesem verschwindend kleinen Kreis gehört Papst Benedikt XVI, der vor seinem Pontifikat ebenso wie alle anderen gezwungen war, den Wortlaut des Geheimnisses zu unterdrücken – und dies bis auf den heutigen Tag tut. Allein dieses Verhalten deutet darauf hin, dass die Frage der Veröffentlichung nicht allein von seiner Entscheidung abhängt. Hier haben noch ganz andere Leute ein Wörtchen mitzureden – und diese Leute müssen sehr mächtig sein.

Vor einem solchen Hintergrund fällt die geradezu verzweifelte Intensität auf, mit der er die Christen auf der ganzen Welt vor einer drohenden und wohl auch nicht mehr aufzuhaltenden Verfolgung warnt. In dem Bemühen, seiner Verantwortung als Oberhirte nachzukommen, gleichzeitig aber das Gesetz des Schweigens nicht zu verletzen, verharrt er in Anspielungen und Andeutungen, so dass allenfalls Insider erraten können, was er sagen will. Ob dies in Anbetracht der auf uns zurollenden Katastrophe die richtige Vorgehensweise ist, darf bezweifelt werden.

Es ist gerade diese Unverständlichkeit, aus der sich seine Tragik ergibt. Erst auf den zweiten Blick und bei der genaueren Analyse seiner Reden merkt man, dass hier eigentlich etwas ganz Unglaubliches vonstatten geht. Dieser Papst ist ein Rufer in der Wüste, der sorgfältig darauf achtet, nicht zu laut zu sein. Doch sollte er sich jemals entscheiden, Klartext zu sprechen, wird er wahrscheinlich nicht mehr dazu kommen, weil er vorher sein Leben verlieren wird. Das Szenario ist albtraumhaft und wahrhaft apokalyptisch: ein Papst, der nicht frei sprechen kann, eine entmachtete Kirche, die sich seit Jahrzehnten in der Geiselhaft einflussreicher Kreise befindet, die die Herrschaft des Antichristen auf Erden etablieren wollen, und eine zum Tode verurteilte Gesellschaft, die nicht versteht, ja, nicht einmal hinhört. Wobei jede Äußerung die wachsamen Medien wie einen Filter passieren muss, der mit tödlicher Effizienz abfängt, verfälscht, verzerrt oder gleich ganz unterdrückt.

TRÄGER DER DREI GEWALTEN: DIE WAHRE MACHT DES PAPSTES

Der einstmals so erfolgsverwöhnte Theologe Joseph Ratzinger merkt spätestens jetzt, dass der Höhepunkt einer Karriere nicht unbedingt identisch mit dem Höhepunkt der Macht ist. Und so bemüht er sich, innerhalb der ihm gesetzten Grenzen, seiner Verantwortung nachzukommen.

Dabei versucht er, an die einst mit seinem Amt, dem höchsten der Erde, verbundene absolute Autorität anzuknüpfen: Papst Benedikt XVI kommt nicht als Joseph Ratzinger auf Heimatbesuch, sondern als Staatsoberhaupt des Vatikans und damit als Träger der drei Gewalten, wie sie die Tiara andeutet.

Heute wird er erkennen, welch ein verhängnisvoller Fehler es war, im Gefolge Pauls VI und des Zweiten Vatikanischen Konzils die dreifache Krone der Päpste abzulegen und sich nur noch als “Bischof von Rom” zu bezeichnen. Das Ergebnis ist nämlich schlicht und ergreifend, dass der Papst heute keine Autorität mehr besitzt, weder bei den Politikern, noch gegenüber der Masse der Gläubigen, noch bei seinem Klerus. Er ist einer unter vielen. Und so sind die Probleme des Papstes in etwa die gleichen wie die moderner Eltern, die auf die antiautoritäre Erziehung setzten und dann feststellen müssen, dass ihnen die lieben Kleinen auf der Nase herumtanzen.

Nicht umsonst trug Papst Pius XII, der mit Nationalsozialismus und Kommunismus in einem Zweifrontenkrieg lag, bei jeder sich bietenden öffentlichen Gelegenheit die Tiara, nicht aus Eitelkeit, sondern um ein klares Zeichen zu setzen. Die Symbolik der Tiara, die nicht umsonst auch Triregnum (Dreifaches Reich) genannt wird, ist nämlich politisch höchst brisant:

Das dreifache päpstliche Amt: Lehren, Lenken, Heiligen.
Die drei Reiche, aber auch der dreifache Charakter der Kirche: Die streitende Kirche, die leidende Kirche, die triumphierende Kirche
Dreieinigkeit Gottes
Im Liber Pontificalis von 1596 heißt es: „Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf  Erden bist“.

Es ist die Aufgabe des Oberhirten, die Menschen zu belehren, sie zu sittlicher Vollkommenheit und damit auf den rechten Weg zur Vereinigung mit Gott zu führen, der die Erfüllung und der höchste Sinn der Geschöpfe ist. Wenn er dies nicht tut, verrät er sein Amt und die ihm anvertrauten Menschen. Die Furcht der Linken, er werde “missionieren”, gleicht also dem an einen Arzt gerichteten Vorwurf, er wolle heilen.

Die drei Reiche beziehen sich – oberflächlich betrachtet – auf die Gemeinschaft der Christen auf Erden, die sich gegen die Sünde bewähren müssen (kämpfende Kirche), die Armen Seelen im Fegefeuer, die ihre Sünden noch abbüßen (leidende Kirche) und die Heiligen im Reich Gottes, die bereits triumphiert haben (triumphierende Kirche). Zwischen allen diesen drei Reichen besteht eine unauflösliche spirituelle Einheit durch Gebet und Fürbitte.

Jedoch spiegelt sich in diesen drei Reichen auch der dreifache Charakter der Kirche: die kämpfende jener, die den Glauben gegen alle möglichen Angriffe von außen verteidigen (klassisches Beispiel: Belagerung Wiens durch die Türken), die leidende Kirche der von den Christenfeinden verfolgten und getöteten Glaubensbrüder und -schwestern, die das Martyrium erleiden, aber auch jene, die wegen des Versagens des Klerus durch Krisenzeiten gehen müssen, und schließlich die über alle Verfolgungen triumphierende Kirche, die gemäß der Apokalypse das Reich Jesu Christi darstellen wird, die Herrschaft Gottes nach der Überwindung Satans.

Die größte Brisanz aber liegt in jener Formel aus dem Liber Pontificalis von 1596. Der Pontifex ist als Stellvertreter Christi auf Erden höchster weltlicher und geistlicher Herrscher, womit ihm zwar eine große Macht, aber auch ungeheure, von einem Menschen praktisch nicht zu bewältigende Verantwortung zukommt. Der Papst muss von Christus, dem Allherrscher, vollkommen durchdrungen sein, um stets seinen Willen zu tun, der die Erhaltung der Harmonie der Schöpfung gewährleistet. Jetzt verstehen wir auch, weshalb Pius XI des Christkönigsfest am Vorabend des Dritten Reiches einführte.

Der Papst ist “der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises”! Diese unvorstellbare Höhe nimmt auch Benedikt XVI ein, ungeachtet dessen, dass er die Tiara nicht mehr trägt. Und in dieser Funktion kam er, als er Deutschland als Staatsgast besuchte. Über dem Papst ist nur noch Gott, kein Bundespräsident und erst recht kein Bundestagspräsident, selbst wenn dies die Herren gerne so hätten.

DIE PFLICHT DES PAPSTES: BEREITSCHAFT ZUM MARTYRIUM

Seine herausragende Stellung verurteilt den Oberhirten allerdings auch dazu, an der Spitze seiner Gläubigen Verfolgung und notfalls das Martyrium zu erleiden.
Bereits bei seinem Amtsantritt appellierte der neue Oberhirte an die ihm anvertraute Herde, für ihn zu beten, damit er nicht vor den Wölfen fliehe. Ein bestürzendes Eingeständnis eigener Schwäche. Der ehrgeizige Konzilstheologe, der daran beteiligt gewesen war, die Kirche mit verheerenden Reformen in Schieflage zu bringen, versucht in seinen letzten Lebensjahren nichts anderes, als das Ruder wieder herumzureißen. Als Hirt kommt er besonders nach Deutschland, das gefährdetste Land Europas, um die Schafe vor den Wölfen zu warnen und vor dem, was der Apokalypse offenbar ziemlich nahe kommt. Er leistet Überzeugungsarbeit, versucht, den Regierungsvertretern ins Gewissen zu reden – in der Hoffnung, dass sie so etwas noch haben mögen-, redet ihnen zu, Christus statt des Antichristen als höchste Instanz anzuerkennen, Gott zu geben, “was Gottes ist“.

DAS MYSTERIUM DES BÖSEN

Dabei bleibt das Gebot des Schweigens. Nur andeutungsweise spricht der Papst die Wahrheit aus, das in doppelter Hinsicht Unsagbare: dass Satan seine Herrschaft auf Erden errichtet, dass er die Kirche Jesu Christi, die Christenheit zerstören will. Dass das Böse zwar Person ist, aber zugleich reiner Geist, der den Menschen umgibt und erfüllt, beherrscht, wenn man ihn nicht kontrolliert. Er warnt vor etwas, das nach offizieller Lesart nicht mehr existiert.

Denn der Teufel ist “per definitionem” abgeschafft, es hat ihn nicht mehr zu geben. Womit sich eine Schizophrenie einstellt, die bereits Goethe auffiel: “Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.” Das Böse genießt den Schutz der Negation, unter dem bei Homer Odysseus den einäugigen Riesen Polyphem blendete, indem er ihm zuvor sagte, sein Name sei “Niemand”. Worauf Polyphem seine Gefährten zusammenrief, indem er ihnen eröffnete: “Niemand hat mich geblendet”. Antwort der Riesenkollegen: “Warum schreist du dann so, wenn dich niemand geblendet hat?”

Zudem wäre ein offener Vergleich mit Nazis und SED-Diktatur nicht nur unhöflich, sondern gälte zudem als Beleidigung – eine äußerst nützliche Konvention, da auf diese Weise der Vergleich eines Regierungssystems mit den beiden deutschen Tyranneien verboten ist. Womit auch gleich die Möglichkeit ausgeschaltet ist, je wieder eine heraufziehende Gefahr zu identifizieren. Die Diagnose darf nicht gestellt werden, und wenn der Organismus noch so krank ist. Was natürlich jede rechtzeitige Heilung verhindert. Also spricht der Papst von der “dunklen Vergangenheit Deutschlands” und hofft, dass man ihn versteht. Die Leute, die es angeht, verstünden ihn wohl durchaus, wenn sie sich nicht weigerten, zu verstehen. Der Rest nimmt´s gelassen hin – ja, das hat es mal gegeben, aber das ist ja Gott sei Dank vorbei – und begibt sich wieder zu Friede, Freude und kaltem Buffet, während draußen schon der Krieg wartet.

Als der Papst von der Liebe Gottes zu den Menschen spricht, müssen Scharfschützen auf den Dächern Position beziehen, weil es genügend Leute gibt, die von der Liebe Gottes leider gar nichts halten und ihren Verkünder am liebsten mund-tot machen wollen.

WÄCHTER DES (VER-)SCHWEIGENS: DIE ROLLE DER MEDIEN

Die Christen – und allen voran ihr Oberhaupt – mundtot zu machen, das erledigen schon lange die Medien; und nicht erst mit dem Beginn des Papstbesuchs.

Nicht umsonst haben alle Diktatoren nichts Eiligeres zu tun, als die Kontrolle über die Medien zu erlangen. Da der Mensch ein soziales Lebewesen und damit auf Kommunikation angewiesen ist, sind die Medien von essentieller Bedeutung. Sie suggerieren dem Fußvolk, was es wie zu denken und zu sagen hat. Indem sie nach den Richtlinien der politischen Machthaber den Informationsfluss filtern, definieren sie auch, worüber man zu schweigen hat. Und sie überwachen, ob sich die in der Öffentlichkeit tätigen Personen – Wissenschaftler, Schriftsteller, Bischöfe usw. – an dieses Schweigegebot halten. Wer es nicht tut, muss froh sein, wenn er nur totgeschwiegen wird. Schlimmer wird es, wenn sich die Medienmeute ein Opfer ausgesucht hat, das sie zu Tode hetzt.

Bevor es mit der eigentlichen Hetzpropaganda losgeht, gewöhnt man den Leuten erst einmal den Respekt ab. Es sind die alltäglichen kleinen Respektlosigkeiten, auf die niemand achtet und die sich dennoch – oder gerade deswegen – im Unterbewusstsein so wirkungsvoll festsetzen, die “subliminal messages” oder unterbewussten Botschaften im Umgang der Medien mit dem Stellvertreter Christi auf Erden, die eine latente Verachtung ausdrücken. Handelt es sich um den Dalai Lama, bekommt so manche Nachrichtensprecherin glänzende Augen, als stünde sie kurz vor einer Ekstase, und lispelt atemlos: “Seine Heiligkeit, der Dalai Lama”. Geht es um den Papst, der ebenfalls den Titel “Seine Heiligkeit” trägt, heißt es kurz: “Papst Benedikt” oder auch einfach “Benedikt”. Wahrscheinlich konnte bisher nur mit viel Glück verhindert werden, dass man ihn nicht kurzerhand zu “Benny” umgetauft hat.

Zudem ist in einer Gesellschaft, in der – aller gegenläufigen Propaganda zum Trotz – einer stetig wachsender Anteil der Bevölkerung immer ärmer wird, Geld ein schlagendes Argument.

Daher werden allein die Kosten für den Staatsbesuch schon mal genüsslich breitgetreten: da heißt es zum einen neutral “mehrere Millionen” (Handelsblatt), dann ist von 25-30 Millionen allein für die Kirche die Rede (ebenda), schließlich wächst die Zahl plötzlich auf 50 Millionen an. Das riecht nicht nur irgendwie, das stinkt nach Desinformation. Dass die Politiker den Bürger Jahr für Jahr nicht weniger kosten, bleibt dabei großzügig unerwähnt. Ebenso unerwähnt bleibt auch, dass die Ausgaben nur deshalb nötig sind, weil ein paar Deutsche und vielleicht einige Islamisten nur darauf warten, sich als Attentäter hervorzutun, wobei, peinlich genug, die wahre Gefahr von den aufgewiegelten Deutschen ausgehen dürfte. Spätestens die in Erfurt gefallenen Schüsse eines von den Medien aufgehetzten Fanatikers haben gezeigt, dass die Ausgaben angebracht waren.

Nach jeder Rede, die natürlich bewusst nicht verstanden wird, fragt man hämisch: “Und, was hat´s gebracht?” Wobei sich mit unangemessener Kritik vor allem die Katholiken hervortun, während alle anderen, den Vertreter des Zentralrats der Muslime eingeschlossen, weitaus mehr begriffen zu haben scheinen.

Gleichzeitig wird vorsorglich Stimmung gegen die nächste Rede gemacht: “Da ist nicht viel zu erwarten.” Man scheut sich nicht einmal, die Höflichkeit mit Füßen zu treten, wenn man bei faktischer Anwesenheit des Gastes über diesen dermaßen verächtlich spricht, dass man sich selbst ein Armutszeugnis ausstellt. So beugt man gleichzeitig dem fatalen Unglück vor, dass bei Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher so etwas wie Bewunderung für den Gelehrten aufkommen könnte; die gleichgeschalteten Medien bedienen das Gefühl, das sowohl bei ihren eigenen Vertretern als auch bei ihren Auftraggebern vorherrscht: Neid.

Neid ist in diesem Kontext ein sehr nützliches Gefühl: denn aus Neid geschah der erste Mord. Neid, gekoppelt mit Verachtung, heilt Minderwertigkeitskomplexe und Selbsthass. Eine ideale Kombination, gegen eine ganze Gruppe gerichtet, um Pogrome auszulösen – wie die Geschichte bereits eindrucksvoll gezeigt hat.

Dieses Medien-Erziehungsprogramm wird nur abgespult, weil man an der Spitze der Entscheider sehr genau auf das hört, was der Papst zu sagen hat – und weil man ihn in allen Details versteht. Nichts fürchtet man mehr, als dass auch die Masse ihn verstehen könnte. Das muss um jeden Preis verhindert werden.

Dabei spüren sie alle, dass ihnen dieser Mann mit seiner leisen, feinen Stimme und der edlen Ausdrucksweise bei weitem überlegen ist. Und das können sie ihm, von allem anderen abgesehen, auf den Tod nicht verzeihen. Am besten sollen die Leute ihn hassen, wenn sie ihn nur sehen, Hauptsache, sie hören nicht mehr hin, werden von seiner Aussage abgelenkt, und selbst wenn sie´s tun, werden die Ohren rasch wieder mit Propaganda verstopft – vergesst, was er gesagt hat!

So kommt es zu der paradoxen Situation, dass ausgerechnet die Medien als Mittel der Kommunikation die Rolle von Wächtern übernommen haben, die die Kultur des Schweigens garantieren und instand halten. Doch wer schweigt, macht sich mitschuldig. Eine Mitschuld, die auf der breiten Skala rangiert von unterlassener Hilfeleistung durch Wegschauen bis zur Mittäterschaft.